Das Haager Museum erzählt seine Geschichte

Haager Burgmodelle, präsentiert von Museumsgründer Rudolf Münch.

Die Geschichte des Haager Museums steht im Mittelpunkt der jährlichen Ausstellung des Geschichtsvereins Haag. Die Präsentation zeigt anhand von Dokumentationen, so Vorsitzender Gerhard Kramer, „wie das Museum einst war und definitiv nie mehr sein wird“.

Von Ludwig Meindll

Haag – Die Ausstellung im Pfarrheim ist von heute, Freitag, 28. Februar, bis Sonntag 8. März, zu sehen.

Die alten Haager Truhen und Modelle der Burgvarianten werden wie auch andere einstige Exponate aufgrund des Brandschutzes auch nicht in das Museum zurückkehren, wenn sich Gemeinde und Geschichtsverein auf einen Unterbringungsmodus im Schlossturm geeinigt haben. Die Ausstellung des Geschichtsvereins widmet sich dem Auf und Ab des Museums. Es zeigt die Geschichte der Grafschaft und hat selbst eine reiche Geschichte – ein Werdegang mit Ausstellungsaufbau, Schließungen, Reinigungsaktionen, dokumentiert auch in Zeitungsberichten.

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Vorsitzender Gerhard Kramer nimmt die Ausstellung als Anlass, „viele Hintergründe aufzutischen, die heute keiner mehr weiß“. Dazu gehört ein bisher uneröffentlichter Briefverkehr des Vereins zum Museum „mit staatlichen und anderen Stellen“. „Die Ausstellung klärt auch die Umstände, warum es bis jetzt noch nicht wieder ein neues Museum im Turm gibt“, so Vorsitzender Kramer.

Gemeinde kauft Schlossturm 2012

Das 1981 eröffnete Museum wurde durch den Geschichtsverein aus Protest gegen den geplanten Mobilfunk in der Schlossturmspitze 2005 geschlossen. Ein Jahr später musste der Zugang wegen Baufälligkeit des Turmes und Mauerwerks gesperrt werden. 2012 kaufte die Gemeinde den Schlossturm von der Regierung. 2015 kündigte die Gemeinde den Mietvertrag. Die Sanierung des Turmes und des Hofes begann, ebenso die Räumung, seit 2016 ist der Turm leer. Heute findet in einem Stockwerk Trauungen statt. Das Museum soll wieder einziehen, die Modalitäten sind offen.

Die Portraitscheibe des Grafen Ladislaus

Die Besucher, unter anderem 600 Schüler im Jahresdurchschnitt, erlebten bis zur Museumsschließung einen Spaziergang durch die Jahrhunderte. In den Vitrinen und an den Wänden mischte sich Originales mit Kopien, um den chronologischen Faden fachgerecht zu knüpfen. Zu den Repliken zählten die Porträtscheibe des Grafen Ladislaus aus Speckstein und die gotische Madonna von Pyramoos.

Das Erdgeschoss vermittelte eine Übersicht der Freien Reichsgrafschaft Haag. Dahinter wurde im einstigen Vorratskeller, in dem Forscher das Verlies vermuteten, die Abteilung für Funde aus der Römerzeit und Steinzeit geschaffen. Der erste Stock war dem Haager Land gewidmet. Im zweiten Stock dokumentierte die bäuerliche Sammlung das Landleben mit Geräten, Möbel, Keramik, Modell vom Haager Quergehöft und Steuerbuch von 1600.

Das Kleid einer Gräfin zeigt alten Glanz

Die heroische Welt der Ritter öffnete sich im Wappensaal mit heraldischen Erklärungen. Neben Rüstungen, Helmen, Waffen und Truhen künden die Wappen aus der großen Vergangenheit der Haager Dienstmannen, Edelfrauen, Ritter und Grafen. „Erhabenen Saal“ nannte der Geschichtsverein unter dem Vorsitzenden Gerhard Kramer und Museumsgründer Rudolf Münch die Sammlung im vierten Stock. Fähnleinring und Münzen funkelten. Urkunden schilderten den Glaubenskampf zur Zeit der Reformation, als Haag lutherisch wurde. Stolz blickten die Haager Grafen der Ahnengalerie auf die Besucher. Die Urkunden, von Kaisern unterzeichnet, bewiesen den Status der Grafschaft. Das Kleid der Gräfin Marie-Salome von 1522 zeigte den einstigen Glanz.

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Im Modellraum des fünften Stockes waren die Schlösser des Haager Landes, die Burg in der Ausbauphase von 1481, Kloster Ramsau und 21 Kirchen in Abbildungen zu sehen, mit historischen Stichen ergänzt. Der sechste Stock weckte die Geschichte der Haager Wehrfähigkeit mit Dokumenten zu Haager Fähnlein, Haager Regiment und Haager Bataillon.

Auf 590 Meter über dem Meeresspiegel stieg der Betrachter schließlich im Erkerstockwerk. Von hier genoss er eine weite Aussicht bis zum Alpenpanorama. Ein Wacherker zeigte noch die Wandmalereien der Turmwächter von 1490.

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