Erst Hamsterkäufe dann Einbruch der Gastronomie: Haager Molkereichef spricht über Corona-Folgen

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Der Preis für Milch ist in der Corona-Krise gesunken.
  • Josef Bauer
    vonJosef Bauer
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Haag/Mühldorf – Die Milch machts – derzeit nicht. Schwankende Preise bringen die Landwirte in Not. Die OVB-Heimatzeitungen sprachen mit Hermann Jäger, Chef der Molkerei Jäger in Haag, über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf dem Milchmarkt und die Molkereien.

Wie geht es Ihrer Molkerei in der Corona-Pandemie?

Hermann Jäger: Am Anfang der Corona Maßnahmen griff Panik in der Bevölkerung um sich, und es kam zu Hamsterkäufen. Vor allem Ende März bekamen wir deutlich mehr Bestellungen der Discounter als normal. Wir waren nicht in der Lage, alle aus zuführen und mussten Lieferungen kürzen. Die Produkte für die Supermärkte sind vor allem unsere Kleinpackungen. Wir mussten Personal aufstocken in diesen Abteilungen. Dies haben wir von den Abteilungen genommen, die normalerweise Großpackungen für die Gastronomie machen. Dieser Bereich hat den gesamten Absatz verloren und wurde geschlossen. Im Laufe des April stellte sich heraus, dass die Hamsterkäufe Blödsinn waren und es trat eine deutliche Beruhigung ein.

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Wie spürt Ihre Molkerei den Wegfall der Gastronomie?

Hermann Jäger:Der Gastronomie Bereich startete langsam wieder, weil die Pizzerien Pizza zum Mitnehmen verkauften. Mittlerweile hat sich die Situation normalisiert. Leider sind die Preise deutlich gesunken.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Milchpreises? Gibt es ein Überangebot an Milch?

Hermann Jäger: Durch das große Überangebot an Milch nach Ende der Hamsterkäufe sind die Schnittkäse- und Butterpreise um über 20 Prozent eingebrochen. Aufrufe zu freiwilliger Mengenreduzierung bringen kaum etwas, weil jeder Lieferant noch möglichst viel liefern möchte, bevor die Preise sinken. Außerdem können die Bauern ihre Kühe nicht gut verkaufen, weil der Rindfleischbereich völlig zusammengebrochen ist. Den Milchpreis haben wir im Mai um zwei Cent auf 33 Cent gesenkt, allerdings versprochen, dass wir bis August den Preis nicht mehr senken. Dies dient der Planungssicherheit der Landwirte.

Wie hat sich das Auslandsgeschäft entwickelt?

Hermann Jäger: Das Auslandsgeschäft ging genauso, wie das Inlandsgeschäft, wie oben beschrieben.

Fürchten Sie aufgrund der Krise einen weiteren Rückgang der Betriebe, die in der Milcherzeugung tätig sind?

Hermann Jäger: Der Rückgang der Betriebe ist seit Jahren konstant. Es könnte zu deutlich mehr Schließungen kommen, wenn es ein kurzfristiges Verbot der Anbindehaltung geben sollte. Vor allem die kleinen Landwirte würden dann alle aufhören. Es ist nichts beschlossen, aber man weiß ja nie, was der Politik einfällt.

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