Das Haager Landrichterhaus ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht

Mieter mit Faible für Geschichte: Pfarrer Pawel Idkowiak im roten Zimmer.
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Mieter mit Faible für Geschichte: Pfarrer Pawel Idkowiak im roten Zimmer.

„Auf den ersten optimistischen Blick hin, hätte die Sanierung des früheren Landrichterhauses in Haag, auch „Mayr-Villa“ genannt, einen Monat dauern können, aber es wurden dann doch drei Jahre daraus“, erinnert sich Besitzer Hermann Jäger aus Haag. Der Aufwand hat sich gelohnt, findet auch ein bekannter Mieter.

Von Karlheinz Günster

Haag – Jäger erwarb dieses geräumige Anwesen am Marktplatz neben dem Pfarrheim vor fünf Jahren. Derzeit finden die letzten Arbeiten ihren Abschluss.

Sehr zufrieden ist auch der Mieter, der Haager Pfarrer Pawel Idkowiak. Er ist selbst interessiert an Geschichte und schätzt beständige Dinge, die eine Bedeutung und damit einen Wert haben. Davon gibt es in dem Haus genug. Immerhin steht das Gebäude auf Grundsteinen der früheren Burg und ist 1717 erstmals erwähnt worden. Davor standen an dieser Stelle zwei Gebäude.

Entlüftungsöffnungen wieder freigelegt

Feuchtigkeit war auch zur früheren Zeit ein Thema, weshalb die Baumeister sogar Entlüftungsöffnungen zwischen den einzelnen Kellerräumen vorsahen. Die gab es so lange, bis sie ein späterer Besitzer zugemauert hat. „Der hat sich einen Bunker eingebaut, weil er dachte, die Russen kommen“, weiß Hermann Jäger. Jetzt sind die Öffnungen wieder frei.

Neu sind unter anderem Versorgungsleitungen und -rohre und etliche Balken, denn zum Dach regnete es herein. Mit der Zeit kamen immer mehr Mängel ans Licht: „Machst du ein Loch auf, kommen zwei weitere zum Vorschein“, beschreibt der Besitzer den Zustand. Stets war bei den Sanierun-gen auch das Denkmalschutzamt mit einbezogen.

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Dieses Haus mit dem italienischen Flair bietet auch vom Balkon aus einen einmaligen Ausblick: zur Linken die Kirche, zur Rechten der Schlossturm und geradeaus die Berge. Hier wohnten mehrere Landrichter und Notare, darunter Gottlieb Mayr. Dessen Sohn Gottlieb war Arzt und starb 1975. Von der Praxis zeugen heute noch bedingt durch das Röntgengerät schwere mit Blei versehene Türen. Wo heute die Kapelle ist, war früher ein Musikzimmer, in dem sogar Leuchter aus Murano-Glas Einfluss auf die Akustik nehmen sollten. Immerhin spielten hier einmal die Münchner Philharmoniker.

Kapellenerhalt als Bedingung für Kauf

Diese Kapelle gab übrigens den Ausschlag für den Vorbesitzer, es an Hermann Jäger zu verkaufen. Denn er sagte zu, diese zu erhalten. Zudem hat Jäger einen Bezug zu diesem Haus, denn die letzte Besitzerin Maria Mayr war seine Tante. Ihr war der Glaube als Marienverehrerin sehr wichtig, deshalb wohnte seit 2009 der Orden „Christus König und Hoher Priester“ darin. Platz bietet das sanierte Haus ausreichend. Es gibt unter anderem eine Wohnung mit Gästezimmer, ein Büro, die Hauskapelle und eine Wohnung für die Haushälterin.

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