Das Haager Herbstfest fällt aus, doch der Streit geht weiter

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  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Das Haager Herbstfest fällt aus – und sorgt trotzdem für Streit. Es geht nicht um die Absage an sich, es geht um die Art und Weise, wie die Entscheidung zustande kam.

Haag – Auslöser der Auseinandersetzungen: eine Pressemitteilung des neuen Festvereins, in dem dieser der Ratsmehrheit vorwirft, die Chance auf gemeinsame Absage und symbolträchtigen Schulterschluss mit dem Verein und dem Herbstfest vertan zu haben.

Das Haager Herbstfest hätte, wie berichtet, vom 18. bis 27. September stattfinden sollen. Nachdem das Oktoberfest in München abgesagt worden war, stand fest: Das Haager Fest muss ebenfalls ausfallen, das war allen Beteiligten klar.

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Dass der Punkt Herbstfest von der Agenda des Ferienausschusses genommen wurde, ohne den Festverein zur Sache zu hören, war bei den Mitgliedern jedoch auf scharfe Kritik gestoßen. „Eine vergebene Chance in schwierigen Zeiten“, ärgerte sich, wie berichtet, der Vorsitzende des Festvereins, Dr. Stephan Dörfler. Die Vorstellung des erst am 22. Februar gegründeten Haager Festvereins in dieser Gemeinderatssitzung sei schon lange geplant gewesen. „Die Zielsetzung war, die kommunale Unterstützung für den Festverein und das Herbstfest abzustimmen.“ In der Gemeinderatsitzung hätten die Weichen für eine Zeit nach der Krise gestellt werden können. Dieser symbolträchtige Schritt sei durch die Streichung von der Tagesordnung vertan worden, so die Kritik von Dörfler.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung nehmen nun Bürgermeisterin Sissi Schätz (SPD) und die Gemeinderäte Dr. Wolfgang Weißmüller (PWG, Zweiter Bürgermeister), Josef Hederer (PWG), Eva Rehbein (SPD) und Egon Barlag (FWG) zur Vertagung des Themas „Haager Herbstfest – Defizitübernahme“ Stellung. Sie legen unter anderem Wert auf die Feststellung, dass Anlass des Tagesordnungspunktes nicht die Entscheidung über die Ausrichtung des Herbstfestes gewesen sei, wie die Mitteilung des Festvereins suggeriere, sondern die Finanzierung der Durchführung durch die Gemeinde.

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Der Haager Festverein habe eine Defizitübernahme durch den Markt Haag für drei Jahre in unbestimmter Höhe beantragt, um das Herbstfest durchführen zu können. Das bedeute eine unlimitierte Bürgschaft. Für ein Herbstfest im normalen Rahmen seien die Kosten auf 116 000 Euro geschätzt worden. Zur Vorfinanzierung sollten monatliche Abschlagszahlungen in Höhe von 10 000 Euro geleistet werden.

„In Krisenzeiten andere Prioritäten setzen“

Vom Haager Festverein wurde im Vorfeld der Sitzung nicht an die Gemeinde herangetragen, das Herbstfest anlässlich des Sitzungstermins gemeinsam mit der Gemeinde abzusagen, heißt es in der Pressemitteilung. „Unser Votum, den Tagesordnungspunkt abzusetzen und zu einem späteren Zeitpunkt zu behandeln, ist gerade ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein in der Corona-Krise. Es wäre verantwortungslos, den Fokus im Umgang mit Steuergeldern in erheblicher Höhe nur auf eine Veranstaltung zu legen“, heißt es weiter.

In den vergangenen zehn Jahren habe der Gemeinderat immer die wirtschaftliche und imagemäßige Bedeutung des Herbstfestes für Haag mit Zuschüssen und Sachleistungen im fünfstelligen Bereich gewürdigt. Weder die Bürgermeisterin noch irgendein Gemeinderat habe geäußert, das Fest künftig nicht unterstützen zu wollen. „Es muss aber für jeden nachvollziehbar sein, dass in Krisenzeiten andere Prioritäten gesetzt werden müssen“, so Schätz, Weißmüller, Hederer, Rehbein und Barlag abschließend.

CSU: Herbstfest benötigt lange Vorbereitungszeit

Auch die CSU Haag hat zur Nichtbehandlung des Themas Herbstfest im Ferienausschuss Stellung genommen. Sie bedauert es sehr, dass Bürgermeisterin Schätz und die Mehrheit des Ferienausschusses in der Sitzung das Herbstfest nicht behandelt haben. Auch in der Corona-Krise und auch, wenn eine Großveranstaltung wie das Herbstfest heuer wohl nicht mehr durchführbar sei, hätte das Thema Herbstfest nicht von der Tagesordnung gestrichen werden sollen, findet CSU-Vorsitzender Ludwig Schletter. Als Gründe führt er an, dass das Herbstfest für viele Haagerinnen und Haager sowie für Gäste aus der Umgebung eine „Herzensangelegenheit“ sei. Das Fest habe eine große wirtschaftliche Bedeutung für Haag. Dem neu gegründeten Festverein, der sich ehrenamtlich sehr engagiere für das Herbstfest, hätte Wertschätzung und Unterstützung durch die Gemeinde entgegengebracht werden sollen. Das Herbstfest benötige eine lange Vorbereitungszeit, daher müsse Planungssicherheit für die Beteiligten herrschen.

Die CSU-Fraktion habe deshalb geschlossen gegen die Absetzung des Themas im Ferienausschuss gestimmt. „Wir bedauern, dass man im Gremium nicht einmal den Vorsitzenden des Festvereins anhören wollte“, so Schletter.

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