Haager Gräfin Kunigund bewirkt weiter Gutes

Das Anna-Hage-Kreuzerinnert an eine Haager Wohltäterin, die sich bedürftiger Mädchen annahm. Bauer

In guten wie in schlechten Tagen, so wie sich auch die aktuelle Krise für Bürger und Geschäftsleute abzuzeichnen scheint, waren für die Haager stets Wohltäter da. Wohlhabende Haager spendeten Geld und riefen Stiftungen ins Leben. Nur eine blieb über die Jahrhunderte bestehen, die von Gräfin Kunigund.

Haag – Gräfin Kunigund war wohl die bekannteste Haager Wohltäterin. Ihre Stiftung kommt heute noch mit dem Stiftungswald zwischen Haag und Rosenberg und dem Seniorenheim den Bürger zugute. Sie ordnete 1538 an, „… dass zum Hag im Markt ein Spital, darin zwölf Personen, die solchen Almosens bedürftig und aus der Grafschaft geboren, an die noch ungebaute Kirche aufgemauert werde“. Sie verfügte, dass nach ihrem Tod Rindfleisch, Brot und je ein Kreuzer an die Haager ausgegeben werde.

7000 Mark für Fond zur christlichen Mädchenerziehung

Viel später, vor über 100 Jahren, brachte eine ältere Dame Bürgermeister Jäger ihr Anliegen vor: Sie wolle eine Haager Stiftung ins Leben rufen. An sie erinnern heute noch der Anna-Hage-Weg und das gleichnamige Kreuz, das Robert Scherzer vom Verschönerungsverein aufstellen hatte lassen. Anna Hage, die Kaufmannswitwe, war aus München nach Haag gezogen. Ihre Sorge galt den „bedürftigen, in Haag heimatberechtigten Mädchen“. Im Ramsauer Waisenhaus wollte sie ihnen Unterkunft und Erziehung bei den Franziskanerinnen garantieren.

Dafür spendete sie 7000 Mark in den „Anna Hageschen Mädchenerziehungsfond“. Die Gemeinde verwaltete ihn. Aus der großen Zahl armer Mädchen wählten Bürgermeister, Gemeindekassier und Pfarrer diejenigen aus, die zu den Franziskanerinnen geschickt wurden. Die Stiftung genehmigte am 24. Juni 1912 „Seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold“ persönlich, weil er sich „allergnädigst“ von dem Anliegen „bewogen“ fühlte.

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An einen weiteren Stifter erinnert der Oberwallner Weg am Ostrand der Freyung. Josef Oberwallner besaß in Haag das erste Kaufhaus mit Textilien, Eisenwaren und Lebensmitteln. Es lag an der Hauptstraße im Gebäude des jetzigen Schuhgeschäftes Georg Sax. Oberwallner war auch Bürgermeister des Marktes und half mit seiner Spende bedürftigen Kindern.

Die gleiche Absicht verfolgte Karl Enzensperger, nach dem die Enzenspergerstraße benannt ist. Er verbrachte seinen Lebensabend unter den Zinnen des Haager Schlossturms, nachdem er sein Berufsleben als höherer Beamter in München abgeschlossen hatte.

In den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts richtete Gräfin Sophie von Moy eine Stiftung ein, aus der allen Haagern eine gewisse Summe zufließen sollte. Sie war eine geborene Fraunberger und somit auch der Haager Geschichte verbunden.

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Erst vor wenigen Jahren wurde die Schorsch-Auer-Stiftung eingestellt. Er hatte in Haag als Drucker gearbeitet, war dann verzogen und vermögend geworden. Den „alten Haagern“, denen er in regelmäßigen Besuchen verbunden war, spendete er 10 000 Mark. Aus dem Zinserlös sollte jeweils am Na-menstag des heiligen Georg ein freier Nachmittag für die Alten ausgerichtet werden. Diese Vergünstigung genossen bis vor wenigen Jahren aus diesem Fond abwechselnd die Altennachmittage des katholischen Pfarrheims und der Arbeiterwohlfahrt.

Stiftungszweck: Giggerl und Bier für die Senioren

Bis auf die Stiftung der Gräfin Kunigund brauchten sich alle anderen auf. Die Gemeinde verwaltet das Erbe. Und einen sogenannten Stiftungszweck gibt es immer noch: Daraus bekommen die Senioren zum Haager Herbstfest ihr Brotzeit in Form von Giggerl und Bier.

Ganz aktuell als Wohltäter in Krisenzeiten wird künftig wohl auch die Familienbrauerei Unertl mit ihrer Aktion „Freibier zum guten Zweck“ aufgeführt sein.

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