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LOCKDOWNS STÄNDIG VERLÄNGERT

Haager Gastronomie sorgt sich um Existenz: Sind bald die Lichter ganz aus?

Wolfgang Gasser vom GO fürchtet, dass viele Kunden demnächst mehr im Garten grillen und die Unterstützung der Wirte weiter zurückgeht.
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Wolfgang Gasser vom GO fürchtet, dass viele Kunden demnächst mehr im Garten grillen und die Unterstützung der Wirte weiter zurückgeht.
  • VonLudwig Meindl
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In Haags Gastronomie gehen langsam die Lichter aus. Pizzeria-Chef Michele Abbandonato vom „Il Ritrovo“ brachte es auf den Nenner: „Dunkler als Mitternacht kann es nicht mehr werden.“ Das Vertrauen in die Politik ist verloren.

Haag – „Wir wollen durchhalten, solange das Publikum zum Essenabholen kommt.“ Diese Durchhalteparole setzte sich Abbandonato, der seit 20 Jahren in Haag seine Pizzeria an der Kreuzung im Zentrum betreibt und den Kopf darüber schüttelt, dass er so eine Situation erleben muss. Noch komme er finanziell über die Runden, doch die Lage gestalte sich immer komplizierter.

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Im Gegensatz zum vergangenen Jahr stellte Servicemanager Dani fest, dass die Bestellungen zum Essenabholen drastisch zurückgehen: „Ab Februar wurde es sehr mager.“ Zum einen vermutet er, dass manche Kunden aufgrund der Krisensituation das Geld nicht mehr haben, zum anderen, dass sie von Zukunftsängsten geplagt werden: „Ich merke, die Leute sind vorsichtiger und ängstlicher.“

Kunden sind „genervter“ durch Situation

Gleichzeitig registrierte er im knappen Kundenkontakt, wenn er die bestellten Speisen durch das Fenster reicht, dass seine sonst so netten Stammkunden „genervt“ auftreten: „Die haben jetzt genug von der Situation.“ Er danke allen für die Unterstützung: „Ohne sie würde es nicht gehen.“

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Auch Wolfgang Gasser, Gastronom mit Herz und Seele seit Jahrzehnten im GO, dem Gasthaus Oberndorf, musste zur Kenntnis nehmen, dass das „Außer-Haus-Geschäft rückläufig wird“. Die Anfangseuphorie nach dem Motto „Wir helfen den Wirten“ sei verflogen. Zu befürchten bleibe ferner, dass mit Einsetzen der wärmeren Jahreszeit immer mehr Menschen das Grillen im Garten nutzen.

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Mit Entsetzen habe er zudem erfahren müssen, so Gasser, dass die Staatshilfen „bei Weitem weniger“ wurden: „Da kommt man nicht mehr hin.“ Er schreibe mittlerweile Zehntausende an Verlust. Jetzt gehe es an das Eingemachte, er müsse seine ursprüngliche Meinung korrigieren: „Vorher habe ich gedacht, das wird nicht so schlimm.“

Unsicherheit über Zukunft lässt ans Aufgeben denken

Erstmals wirft der Gastronom, der sich mit seinem Pizza-Mobil und seinen Musikveranstaltungen über die Grenzen einen Namen gemacht hatte, ganz ungastronomische Fragen auf: „Soll ich zusperren und irgendwohin in die Arbeit gehen?“ Mit Blick auf seine 57 Jahre zweifelt er, ob er überhaupt etwas bekäme. Gar nicht daran zu denken, wenn er auf Wohnungssuche gehen müsste: „Das ist momentan ganz schwierig.“ Aber er wolle auch kein Sozialhilfeempfänger werden, sondern „als Wirt arbeiten.“ Nach über einem halben Jahr Zwangsschließung gehe das „auch an die Psyche“: „Da sitze ich vor meinem leeren Biergarten …“

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Wenn es nicht mehr umgehe, meint Abbandonato vom „Ritrovo“, werde er den Schlüssel umdrehen und dem Verpächter aushändigen. Doch mit dem Gedanken, in die ferne Heimat der Basilikata zurückzugehen, kann er sich auch nicht anfreunden: „Haag ist genau das, was ich wollte, wo es mir gefällt. Meine Töchter gehen da zur Schule …“

Hin und Her der Politik empört

Carmen Drasdo tauschte ihre „Freibadstubn“ in ein Bratwurststandl am HEP (Haager Einkaufspark) um und ist vor allem über die Politiker empört: „Das ist eine Frechheit, was die mit uns machen. Die wollen alles kaputt machen.“ Früher hätten sich die Geschäftsleute das nicht gefallen lassen. Aus dem Hin und Her der Maßnahmen könne bald jeder die Unfähigkeit der aktuellen Regierung erkennen. Seit sie die Gastronomie am Freibad geschlossen habe, kämpfe sie, so Drasdo, ums Überleben, und darum, „dass ich selber was zu essen habe.“

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Andererseits tun ihr die Stammgäste leid: „Da brauchen viele bald den Psychologen.“ Es gäbe jedoch auch einige, die sie nicht mehr verstehe: „Die rennen aus Langeweile jede Woche zum Testen, obwohl sie doch wissen müssten, dass das nichts bringt.“

Carmen Drasdo im Bratwurststandl. Seit ihrem Wechsel aus der Gastronomie im Freibad kämpft sie „ums Überleben“.
Restaurant-Chef Michele Abbandonato und Servicemanager Dani im „Il Ritrovo“ machen sich über den Rückgang der Bestellungen für das „Abholessen“ Sorgen.

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