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Mensch und Tier

Haager Freibad: Meisen willkommen, Hausverbot für Enten

Diese Blaumeisen nutzten die Ruhe im Lockdown und zogen in das Vogelhäuschen im Haager Naturfreibad ein. Auch jetzt nach der Öffnung nisten sie dort, zur Freude der Gäste. Ganz selbstverständlich ist dieses Miteinander von Mensch und Natur nicht, vor zehn Jahren wurde in Haag über eine Entenplage diskutiert.
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Diese Blaumeisen nutzten die Ruhe im Lockdown und zogen in das Vogelhäuschen im Haager Naturfreibad ein. Auch jetzt nach der Öffnung nisten sie dort, zur Freude der Gäste. Ganz selbstverständlich ist dieses Miteinander von Mensch und Natur nicht, vor zehn Jahren wurde in Haag über eine Entenplage diskutiert.
  • VonLudwig Meindl
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Waghalsige Flugmanöver absolvieren die Blaumeister im Haager Freibad. Den Badegästen gefällt das zutrauliche Vogelvolk. Doch nicht immer war das Zusammenleben von Mensch und Tier im Bad so harmonisch. Warum die Meisen willkommen sind, die Enten aber Hausverbot haben.

Haag – Ein Kuriosum im Zusammenleben zwischen Mensch und Tier können die Gäste derzeit im Haager Freibad beobachten. Seit Jahren hängt an der holzgetäfelten Außenwand zwischen dem Eingang zum Kiosk und der Freibadstube ein Vogelhäuschen aus Keramik. Während der krisenbedingten Schließungsphase nahm ein Blaumeisenpaar die Gelegenheit wahr, hier einzuziehen. Es hatte die Idylle pur gefunden: ungestörtes Häuschen, kein Mensch weit und breit, vor der Haustür Naturfreibad, Bäume, Wiesen, Hecken mit einem breiten Angebot für die tägliche Nahrung.

Pächterin hält „Einflugschneise“ frei

Die Vögel nisteten, brüteten und bekamen vier Junge. Freibadpächterin Carmen Drasdo war neugierig, hatte den Deckel gehoben und hineingeschaut: „Die kennen mich inzwischen. Wenn ich hineinschaue, machen sie den Schnabel auf.“

Futterflug über die Köpfen der Gäste

Nun aber wurde der Biergarten geöffnet und füllte sich täglich mit Gästen. Da dachten die Vögel wohl auch nicht mehr an Umzug, sondern blieben. So führen die Blaumeiseneltern ihren regelmäßigen Futterflug über den Köpfen der Gäste durch. Die Pächterin achtet darauf, dass die „Einflugschneise“ freigehalten wird. Das Pärchen nimmt wohl die Aufschrift auf ihrem Vogelhäuschen wörtlich, da steht „Gasthaus“.

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Die Vögel erregten bislang nicht den Ärger der Gäste, sondern riefen vielmehr Staunen über ihren Mut zur Nähe der Menschen hervor.

Diese Harmonie zwischen Mensch und Tier war im Haager Freibad nicht immer gegeben. Die sogenannten Freibad-Enten schieden über Jahre die Geister: Die einen waren dafür, dass dieses „nette Vogelvieh“ ebenfalls im Wasser planschte und auf der Suche nach Pommes frites und weiteren Leckerbissen den Biergarten durchwatschelte, die anderen protestierten lauthals gegen die Verschmutzung des Wassers und der Anlagen.

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Freibad-Enten bekommen „Stärkstes Fütterungsverbot“

Der Streit war exakt vor zehn Jahren im Verwaltungsausschuss des Haager Gemeinderats eskaliert mit dem Beschluss, dass es den Freibad-Enten endgültig an den Kragen geht. Gegen sie wurde eine Reihe von Maßnahmen bis hin zum Hausverbot eingeleitet. Auch für die Gäste galt wiederholt: Wer Enten füttert, soll laut Badeordnung zuerst verwarnt und dann verwiesen werden. Der erste Versuch der Räte bestand darin, einen Jäger zu engagieren, der die Tiere mit „Schweizer Kracher“ verscheucht. In der Praxis fand sich jedoch kein Weidmann, der sein Schießgewehr gegen einen „Schweizer Kracher“ eingetauscht hätte.

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Die nächste Strategie hieß „stärkstes Fütterungsverbot“. An die Durchführung einer Entenjagd trauten sich die Räte doch nicht heran, da sie die Jagdsaison erst am Ende der Badesaison erlaubte. Bürgermeister Hermann Dumbs, der sich damals als einziger gegen das gesamte Plenum für den Verbleib der Enten einsetzte, argumentierte dazu, dass nach dem ersten Schuss auf eine Ente alle anderen davonflögen. Die Räte forderten daraufhin, das Freibad mit vier Jäger zu umstellen.

„Entenplage“ löste sich auf natürliche Weise

Nachgegangen war man der Problematik, da 22 Badegäste den Antrag stellten, gegen die „Entenplage“, für die sie allein 32 Jungenten aufzählten, endlich etwas Wirksames zu unternehmen. Noch dazu sollten die Enten auf der Freibadinsel brüten und weiteren Nachwuchs aufziehen. Nicht gefruchtet hatte das vorher bereits beschlossene Hausverbot für „Entenfütterer“. Der neueste Vorschlag lautete, über Lautsprecherterror mit Tierstimmen, die den Enten feindlich erscheinen, vorzugehen. Letzter Beschluss war die Deportation von 40 Enten. Doch es fand sich nicht so schnell jemand, der das Federvieh einfing und wegbrachte. So löste sich die „Plage“ auf natürliche Weise.

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Bleibt zu hoffen, dass die Meisen auf ihrem Fütterflug nicht auch einmal etwas in die Teller und Gläser der Gäste abfallen lassen und als Plage deklariert werden.

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