Haager AWO-Senioren in Corona-Zeiten: Das gesellige Beisammensein fehlt sehr

AWO-Vorsitzender Wilfried Greipel ehrt Erhard Glaser für 50 Jahre Mitgliedschaft – wegen Corona findet die Übergabe der Ehrenurkunde im Freien vor dem AWO-Haus in Haag statt. Bauer

Schwere Zeiten für die Haager Arbeiterwohlfahrt (AWO): Die Tore des AWO-Hauses am Kirchplatz sind wegen der Krisenverordnung seit Ende März geschlossen, die Seniorennachmittage allesamt ausgefallen. Ein Öffnungsdatum ist trotz Lockerungen in anderen Bereichen nicht in Sicht.

Von Ludwig Meindl

Haag– Geradezu paradox muss das Motto der Arbeiterwohlfahrt derzeit auf die Mitglieder wirken. Es heißt: „Gemeinsam, nicht einsam.“ Trotzdem sitzen Haags Senioren seit Wochen allein zuhause und müssen krisenbedingt auf den gewohnten Service der Altennachmittage verzichten. Das Motto bleibt aktuell, betont AWO-Vorsitzender Wilfried Greipel: „Gerade in der Altenhilfe zählt das menschliche Miteinander zu den wichtigsten Werten.“

Angst vor Infektion

Einige der Mitglieder hätten schon nachgefragt, wann es denn wieder weitergehe. Sie vermissen das gewohnte Treffen Woche für Woche. Selbst wenn er aber auch sofort aufsperren und die Seniorennachmittage wieder starten könnte, ist Greipel überzeugt, kämen nicht alle: „Die Mitglieder haben eine hohe Altersstruktur und Angst, sich zu infizieren.“

Das Team um den Vorsitzenden mit Johanna Jakel, Hilde Nöbauer und Brigitte Greipel steht jedenfalls Gewehr bei Fuß für den Wiederstart. Das gilt auch für AWO-Chauffeur Lenz Pointl, der die Mitglieder mit dem Haager Citymobil zu den Nachmittagen abholt und auch wieder sicher heimbringt.

Einen regen Informationsaustausch pflegt Wilfried Greipel mit der Kreisvorsitzenden des AWO-Verbandes Mühldorf, Klara-Maria Seeberger: „Wir sind immer in Kontakt wegen der Wiederöffnung. Die Zusammenarbeit klappt sehr gut.“ Doch „von oben“ komme kein Signal.

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Walter Treittinger aus Wasserburg hatte 1957 die Haager AWO ins Leben gerufen. 1965 übernahm der inzwischen verstorbene Florian Trautbeck den Vorsitz und die Leitung, die er über ein halbes Jahrhundert 54 Jahre lang mit hohem Engagement beibehielt. Für seinen Einsatz wurde er Haager Ehrenbürger. 2010 übernahm Wilfried Greipel. Zu den wichtigen Förderern zählt Günther Ecker, der seit 63 Jahren dabei ist.

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In regulären Zeiten finden sich von den 48 Mitgliedern im Durchschnitt 20 zu den Nachmittagen an zwei Spieltischen und drei Kommunikationsrunden von 14 bis 18 Uhr ein.

Privates Ständchen für Alfred Reichl, Viktoria Brand und Anneliese Heinzl

Eine lange Tradition riss mit der Krise auch bei den beliebten Geburtstagfeiern ab. Jedes Mitglied erhielt bisher zu seinem Ehrentag ein musikalisches Ständchen und Gedicht. Drei Jubilare besuchte Vorsitzender Wilfried Greipel nun aufgrund der Corona-Beschränkungen privat und übermittelte im Namen der Nachmittagsrunde die besten Glückwünsche: Alfred Reichl, Viktoria Brand und Anneliese Heinzl. Sie alle feierten in den vergangenen Wochen ihren 80. Geburtstag.

Einen weiteren „äußerst hochkarätigen Jubilar“ suchte Vorsitzender Wilfried Greipel kürzlich auf: Erhard Glaser erhielt für 50 Jahre Mitgliedschaft einen Gutschein, Ehrenurkunde und Silberspange vom AWO-Bezirk Oberbayern. „Er steht im Mittelpunkt und ist allen bekannt“, so Greipel bei seiner Laudatio.

Unklar, wann Regelbetrieb wieder möglich

Erhard Glaser habe für die Haager AWO stets ein offenes Ohr, vor allem wenn es um einen Rat oder um eine wirtschaftliche Zuwendung gehe. Seit 1970 ist er Mitglied, wirkte in der Vorstandschaft und als Kassenprüfer. Glaser betonte mit Blick voraus: „Mein Wunsch für die Zukunft ist, dass das ‚Mittelalter‘ einen Treffpunkt hat, der erhalten bleibt. Ich freue mich für jedes Mitglied, das wöchentlich am Dienstag die Seniorentagesstätte genießt und dort einen Ausgleich findet.“

So hoffen Greipel und Glaser, dass auch in den Seniorennachmittagen der Haager AWO bald wieder der Regelbetrieb und damit die vermissten Treffen einkehren können. Wann es so weit ist, werden die Mitglieder aus der Tageszeitung erfahren.

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