NATURSCHUTZ

Störche siedeln sich in Haag an: Gemeinde baut neues Nest für Storchenfamilie Adebar

Das Storchennest in der Nähe des Haager Krankenhauses ist bewohnt.
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Das Storchennest in der Nähe des Haager Krankenhauses ist bewohnt.
  • Kirsten Meier
    vonKirsten Meier
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Ein gemütliches Domizil in bester Lage mit schöner Aussicht über Wälder und Wiesen und das mitten im Herzen der Natur. Dazu ein reichlich gefüllter Speiseplan. Für ein Storchenpaar, das in den kommenden Tagen aus dem sonnigen Süden zurückkehrt, wird das ihr neues zu Hause. Auf dem Areal „Im Moos“ wurde nun das fünfte Storchennest aufgebaut.

Haag – Ein etwa elf Meter hoher Telefonmast mit Plattform ist perfekt geeignet für den Nestbau. Die neue Heimat für Familie Adebar ist vor allem auch Hans Schedel zu verdanken. „Es waren öfters Störche hier, die Nahrung gesucht haben“, erzählt der 81-jährige Natur- und Tierfreund. „Da kam uns die Idee, dass wir auf unserem Grundstück ein Storchennest aufstellen könnten.“ Er sprach mit Vogelexperte Karl-Michael Günsche vom Landesbund für Vogelschutz Inn-Salzach (LBV).

Der fand die Idee toll und nahm mit Matthias Nirschl, dem Biodiversitätsberater vom Landratsamt Mühldorf, Kontakt auf. Dieser leitete alles Erforderliche in die Wege.

Acht Storchenpaare leben aktuell in Haag

Unterstützung kam auch aus Haag in Form der Gemeinde, der Kraftwerke und der Firma Agracool Brandmeier. Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 1.000 Euro. Dank der Spende des Gewinnsparervereins der Sparda München in Höhe von 1150 Euro für zwei Storchennester und der Hilfe der Kraftwerke, die den Rüstwagen und ihren Arbeitseinsatz kostenfrei zur Verfügung stellten, hielten sich die Restkosten für das Landratsamt Mühldorf in Grenzen.

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Aktuell gibt es in Haag acht Storchenpaare mit nun mehr fünf Nestern. Weitere sollen im Laufe der Zeit folgen. „Der Storch braucht als Futterplätze Feuchtwiesen, kleine Rinnsale und Bäche. Er lebt überwiegend von Mäusen, Fröschen und Regenwürmer“, erklärt Günsche. „Solche Areale wie hier sind natürlich ideal als Futterplätze. Selbst die Störche die mitten in Haag wohnen nutzen diese Wiesen als Futterplätze.“.

Störche sind auf das Kirchendach umgezogen

Im vergangenen Jahr fehlten etwa 200 Nester in Bayern. Der Haager Vogelexperte wolle deshalb mithilfe der Bevölkerung und Sponsoren weitere Neststandorte finden und aufbauen. Finden die Störche kein Nest, ziehen sie weiter, schlimmstenfalls gibt es keine Brut. Wenn sie keinen Platz finden, suchen sie sich selbst etwas Geeignetes.

Kraftwerke Haag mit ihrem Rüstwagen beim Aufbau des neuen Storchennestes.

Perfektes Beispiel dafür ist das alte Storchenpaar Don Camillo und Donna Camilla, das eigentlich auf dem Turm der ehemaligen Gerberei Rössler leben sollte. „Denen gefiel der Turm nicht, vor allem weil auch noch ein Gerüst dort angebracht ist. Also haben sie vor etwa vier Wochen damit begonnen auf dem Kirchendach ihr Nest zu bauen“, erzählt Günsche. Die Störche stecken mitten im Nestbau.

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Das Nest auf dem Kirchendach zeigt, wie clever die Tiere sind. Anfangs war man skeptisch, ob das hält, aber die Störche bauten ein massives Nest, das jedem noch so starken Sturm trotzt. Unweit der Kirche lebt Don Camillos Freund Storch Peppone mit seiner Partnerin. Die beiden sind auf dem Rathausdach heimisch. Den Namen gaben ihm die Storchenfreunde. Sobald die gefiederten Afrika-Rückkehrer das Domizil auf dem Areal „Im Moos“ erspähen, wird es vermutlich nicht lange dauern, bis auch dieses bezogen wird.

Wer brachliegende oder Feuchtflächen hat, kann sich beim Landratsamt melden

Wer Nistplätze zur Verfügung stellen möchte, sollte beachten, dass so dem Landratsamt das Einverständnis gegeben wird, dass ein Nest aufgebaut werden darf. Das Landratsamt nimmt das Projekt in die Hand. Erfüllt ein Grundstück ein naturschutzrechtliches Ziel oder kommen besondere Pflanzen- oder Tierarten darauf vorkommen und es ist finanzierbar, übernimmt das Landratsamt die Pflege. Das wird größtenteils durch Fördergelder vom Bezirk Oberbayern mitfinanziert.

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Wer brachliegende oder Feuchtflächen hat, kann sich an Matthias Nirschl vom Landratsamt Mühldorf wenden unter matthias.nirschl@lra-mue.de oder unter Telefon 08631/699318. Gemeinsam mit ihm wird dann geschaut, ob auf der Fläche etwas für den Naturschutz getan werden kann.

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