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GRÄBER WERDEN TEURER

Haag setzt neue Bestattungskosten fest: Exhumieren kostet jetzt 720 Euro

Der Friedhof in Haag. Zur Ruhe gebettet sein wird teurer.
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Der Friedhof in Haag. Zur Ruhe gebettet sein wird teurer.
  • VonLudwig Meindl
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Zur Ruhe gebettet sein wird teurer – auch in Haag. Der Gemeinderat hat zuerst die Kalkulation für die Friedhofsgebühren festgelegt und jetzt auch einzelne Bestattungskosten. Exhumieren einer Leiche kostet jetzt 720 Euro, 220 Euro werden fällig, wenn Gebeine ausgegraben werden müssen.

Haag – Nach Festlegung der neuen Kalkulation für die Friedhofsgebühren legte der Haager Gemeinderat nun auch die einzelnen Bestattungskosten fest. Sie entsprechen den „marktüblichen Durchschnittspreisen“. Wer sich zu Lebzeiten schon ein Grab erwerben möchte, zahlt 30 Euro.

In einer vorangehenden Sitzung hatte das Gremium die zuletzt 2005 durchgeführte Gebührenkalkulation erneuert. Die Anpassung an einen 100-prozentigen Deckungsgrad nach aktuellem Stand hätte eine Verdoppelung gebracht. Diese wurde nach Anregung von Egon Barlag (Freie Wähler) auf eine Deckung von 75 Prozent reduziert. Der Beschluss zu dieser Erhöhung erfolgte einstimmig.

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Mit 16 gegen vier Stimmen erhob der Rat 30 Euro für das Nutzen der Aussegnungshalle und mit 19 gegen eine Stimme 90 Euro für das Leichenhaus. Bürgermeisterin Sissi Schätz erklärte: Als Aussegnungshalle gilt in Haag die Friedhofskapelle. Hier werden Verabschiedungen durchgeführt, die nicht in der Kirche stattfinden. Einstimmig fanden der kalkulatorische Zinssatz von zwei Prozent Befürwortung und die Dauer der Erneuerung bis 2023.

Gebühren für die Grabnutzung sind festgelegt

Markus Wagner, Leiter des Standesamtes, legte die neu berechneten Gebühren in den Rubriken Bestattung, Grabnutzung, Sonstiges und Verwaltung vor. Die Grundgebühr der Bestattung beträgt 60 Euro. Die Grabherstellung kostet 395 Euro, die Urnenerdbestattung 120, die Urnenbestattung in der Nische ebenfalls. Für die Benutzung des Leichenhauses sind pro Tag mit 90 Euro berechnet. Weitere Festsetzungen gelten für Frostzuschlag und Kühlung. Teuer wird das Exhumieren: 720 Euro einer Leiche, 220 Euro von Gebeinen, 120 für Urnenausgrabung.

Die jährliche Nutzung ist pro Einzelgrab auf 51 Euro festgesetzt, pro Doppelgrab auf 98 und Dreifachgrab auf 146 Euro. Die Urnennische kostet im Jahr 60 Euro, das Urnenerdgrab 56, die Unterbringung im anonymen Grabfeld 18, im Kindergrab 22 Euro.

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Im Detail aufgelistet sind die Dienstleistungen für Aufbahren, Leichenträger, Läuten der Friedhofsglocke, Umbettungsgenehmigung, Friedhofskapellenbenutzung, Überführen der Urnen und sonstige Leistungen. Den Abschluss der neuen Satzung bilden die Verwaltungsgebühren.

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So berechnet man für den Erwerb des Nutzungsrechtes eines Grabes ohne aktuellen Sterbefall 30 Euro, für die Übertragung dieses Rechtes auf andere Personen dieselbe Summe, für die Genehmigung zur Errichtung oder Änderung eines Grabmals 40 Euro, für eine Ausnahmegenehmigung der Bestattungsfrist 30 und für die vorzeitige Rückgabe des Nutzungsrechts ebenfalls 30 Euro. Die neue Ordnung gilt für die Friedhöfe des Gemeindebereichs in Haag und in Oberndorf.

In die Historie geblickt: Teuer war Sterben schon immer

Während die Bestattungskosten für die Hinterbliebenen heute einheitlich sind, gab es vor 100 Jahren unterschiedliche Gebühren für die Klassen. Die „ortspolizeilichen Vorschriften über den Friedhof“ für Haag traten 1920 in Kraft mit der Einteilung in eine erste, zweite, dritte und vierte Klasse. Damals kostete ein Grab erster Klasse auf eine „Stiftzeit von sechs Jahren“ – das ist die Belegdauer 45 Mark. Das war nicht wenig, wenn man bedenkt, dass die Mass Bier nur ein paar Pfennige kostete. Für ein Grab zweiter Klasse musste man 36 Mark zahlen, für eines dritter Klasse 27. Eine Verbilligung rundum beschloss der Gemeinderat 1932. Die Klasseneinteilung galt in Haag nach wie vor und man zahlte für die erste Klasse 18 Reichsmark, für die zweite 14 und für die dritte zehn.

Ähnliche Abstufungen wie heute gab es 1920 bereits für die verschiedenen Dienstleistungen. Der Leichenwächter bekam beim Begräbnis erster Klasse 15 Mark, bei vierter Klasse nur acht Mark. Der Fahnenträger ging bei vierter Klasse leer aus. Auch sparte man sich das „Schlossgeläute“. Gebühren zu zahlen hatte man ferner für die „Seelnonne“, die spätere Leichenfrau, für den Totengräber, die Leichenträger, die Leichenbeschau und die Fahnenträger.

Noch weiter differenziert hat die Begräbnisse Pfarrer Weinsteiger mit seiner „Stolgebührenordnung“. Die nach ihm heute benannte Weinsteigerstraße führt zum Seniorenheim St. Kunigund. Die Kosten begründete er damit, dass die Kirche dem Staat immer mehr zahlen müsse, dass sie von den Gaben der Gläubigen nicht mehr leben könne und ihr in der Säkularisation eh das Vermögen genommen worden sei.

So gab es damit einen „Seelengottesdienst“ in der siebten Klasse um 9,50 Mark. In der sechsten Klasse kostete die Lesung schon 25 Mark und in der ersten Klasse 44 Mark. Für die letzte Klasse sang kein Chor und spielte kein Musiker. In der ersten Klasse gab es ein Amt, eine Beimesse, eine Vigil, also ein Nachtgebet, und ein Libera-Gebet, das Beten um Befreiung der verstorbenen Seele.

Dazu zelebrierten mit dem Pfarrer Kooperatoren. Berechnet wurde die Zahl der Ministranten, der Kerzen, Sänger und Musiker. Der besondere Vorzug bestand schließlich darin: „Bei Beerdigungen nach erster Ordnung ist großes Geläute, Aussegnung durch einen oder drei Priester, drei heilige Ämter …“ Der Pfarrer persönlich nahm in Haag nur die Bestattungen erster und zweiter Klasse persönlich vor.

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