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Jeden Abend ein Bier

Felizitas Janssen aus Haag feiert ihren 100. Geburtstag

Felizitas Janssen
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Felizitas Janssen
  • VonLudwig Meindl
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Jubilarin Felizitas Janssen freute sich im Familienkreis und im Bürgerheim St. Kunigund über einen Gratulationsreigen von morgens bis abends. Anfangs wollte sie weder nach Haag, noch ins Altenheim. Heute ist die Jubilarin über beides recht glücklich.

Haag – „Ich habe schon vieles erlebt“, erzählt Felizitas Janssen, doch zum 100. gab es noch eine faustdicke Überraschung, als die Ramsauer Trachtenblaskapelle der Jubilarin ein Ständchen spielte.

Jubiläumstorte von St. Kunigund

Alle gratulierten, Pflegedienstleiter Josef Kühnstetter brachte eine Jubiläumstorte und kommentierte: „Wir sind froh, beigetragen zu haben, dass Frau Janssen 100 geworden ist.“

Den Schritt nach St. Kunigund wagte sie nur unter Vorbehalt. Heute ist sie froh: „Da bin ich wieder richtig auf die Beine gekommen.“ Sie fühle sich nun seit vier Jahren „nur von netten Pflegern“ umgeben. Bis zum 96. Lebensjahr erledigte Felizitas Janssen ihren Haushalt alleine: „Ich bin zum Einkaufen gegangen, habe gekocht und zum Schachenwald einen Spaziergang gemacht.“ Doch dann spürte sie: „Ich schaffe es nicht mehr allein.“

Die Feier im Familienkreis mit Tochter Brigitte Wosnitzka, Schwiegersohn Thomas Wosnitzka, vier Urenkeln und zwei Enkeln fand im Haager Weißbierstüberl statt.

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Doch nach Haag zog es die Jubilarin ursprünglich nicht: „Mein Mann wollte immer da her, ich nicht, das ist keine Stadt, da gibt es kein Theater.“ Doch als 1999 ihr Mann Fritz starb, wollte sie nicht alleine im Norden Deutschlands bleiben, während ihre Familie im Süden lebte.

Sie bezog 79-jährig in Haag eine eigene Wohnung und knüpfte überraschend schnell Kontakte, vor allem durch Anschluss an die „Fröhliche Frauenrunde“: „Wir waren im Hofgarten, Café Bauer, Café Wanger und Freundl.“

Anfangsschwierigkeiten hatte die Neu-Haagerin mit dem Dialekt: „Die bayerische Sprache mussten sie mir immer erklären.“

Eine alte Gewohnheit behielt sie bei: Jeden Donnerstag besuchte sie mit dem Bus den Viktualienmarkt in München. Daneben machte die rüstige Rentnerin Ausflüge in die Berge und Urlaub auf Mallorca.

Geboren wurde Felizitas Janssen in Breslau, wo sie die Handelsschule besuchte und in den Beruf der Kontoristin und Sekretärin einstieg. Später arbeitete sie auf dem Schulschiff „Gneisenau“, wo sie „viel Steno“ schrieb, was die anderen dann zu tippen hatten.

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Ihre Leidenschaft galt dem Sport. Schon mit 14 galt sie als gute Wettkampfschwimmerin, übte daneben Eiskunstlauf aus und Weitsprung. Das sportliche Talent scheint sie ihrer Tochter Brigitte Wosnistzka vererbt zu haben, die in Haag als Sportlehrerin in den 90er Jahren die erste Garde gründete. Sehr interessiert ist Felizitas Janssen an Fußball: „Ich schaue mir alle Spiele der deutschen Mannschaft an.“

Mit ihrem Mann Fritz hatte sie drei Söhne und eine Tochter. Hart war für sie, den Tod aller drei Söhne erleben zu müssen. Die schwierigste und gefährlichste Zeit hatte sie als junge Mutter während der Bombardierung von Wilhelmshafen verbracht: „Die erste Bombe warfen die Engländer auf Wilhelmshafen. Dann wurden wir wegen der Kriegsschiffe ständig bombardiert.“ Sie verbrachte mit ihrem Säugling die Nächte im Bunker: „Der Kleine hat immer geschrien.“

Zum Tagesschluss gibt‘s abends ein Bier

Bürgermeisterin Sissi Schätz will der Jubilarin mit besten Glückwünschen vom Rathaus noch eine Urkunde und einen Gutschein schicken. Eine Freude hatte Felizitas Janssen immer, wenn Bürgermeister Dumbs zum runden Geburtstag kam: „Der hat einmal Wein mitgebracht. Da hab‘ ich ihm gesagt, ich trinke Bier. Dann haben wir Bier getrunken.“

Heute noch steht im Zimmer von Felizitas Janssen stets ein voller Kasten Bier: „Jeden Abend habe ich meine Flasche. Das hat mir mein Hausarzt geraten“, verrät sie gern.

Ihr erfolgreiches Lebensmodell lautet: „Ich freue mich auf jeden Tag und danke Gott dafür.“

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