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Katholische Bücherei wird kommunal

„Darf die neue Bücherei-Leitung in Haag schwul sein?“- So reagiert die Kirche

Hier in den Haager Zehentstadel soll die Bücherei Haag im Jahr 2025 umziehen. Bis dahin muss allerdings eine Übergangslösung her.
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Hier in den Haager Zehentstadel soll die Bücherei Haag im Jahr 2025 umziehen. Bis dahin muss allerdings eine Übergangslösung her.
  • Sophia Huber
    VonSophia Huber
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Die katholische Bücherei in Haag wird ab 2025 kommunal. Bis dahin braucht sie aber eine neue Leitung. Die vorgeschlagene Übergangslösung stößt manchen sauer auf.

Haag – Gleich bei mehreren Tagesordnungspunkten des Haager Gemeinderats schwang der Zehentstadel im Hintergrund mit. Wie berichtet, wurden zum einen die Pläne für den Ostteil besprochen, der Westteil wurde jedoch auch nicht ausgespart. Hier ging es um die Zukunft der Bücherei.

Bekanntermaßen handelt es sich um eine Pfarrbibliothek, die von der katholischen Kirche betrieben wird. Ab 2025 soll sie allerdings in die Hände der Gemeinde übergehen und in den Westteil des Zehentstadels umziehen. Bis es soweit ist, musste die Gemeinde allerdings eine Übergangslösung finden, denn es tauchte ein Problem auf. Die bisherige Leitung, Getrud Grabmeyer-Lanzl, möchte zum Ende des Jahres ihr Amt niederlegen.

Ordinariat übernimmt keine Personalkosten

Bürgermeisterin Sissi Schätz (SPD) erläuterte: „Frau Grabmeyer-Lanzl hat die Bücherei bisher ehrenamtlich geleitet und aufgebaut. Ich glaube, uns allen ist klar, dass es sehr schwierig sein wird, hier einen Nachfolger zu finden – vor allem ehrenamtlich.“

Problem sei allerdings, dass das Ordinariat die Personalkosten für eine Büchereileitung nicht übernehme, so Schätz. „Wir wollen aber nicht, dass die Bücherei leidet oder gar im Betrieb eingeschränkt werden muss“, stellte Schätz fest. Zumal die Gemeinde ja plane, die Bibliothek zu übernehmen. Die Idee sei nun, den Zuschuss – bisher über 2.500 Euro jährlich – übergangsmäßig so zu erhöhen, dass die Kosten gedeckt seien. Ein Vorschlag, der auch auf Skepsis stieß.

Kirche als Arbeitgeber

„Wer wäre denn dann der Arbeitgeber? Wir oder die katholische Kirchenstiftung?“, fragte Siegfried Maier (SPD). „Und in welche Tarifgruppe wird die Person denn eingeordnet?“

Sowohl Schätz als auch Babara Wieland von der Kirchenverwaltung Haag erklärten, dass die katholische Kirche bis 2025 noch als Arbeitgeber und Vorgesetzte fungieren würde und die Angestellte erst dann in das Personal der Gemeinde übergehen würde. „Wir können nicht per se Arbeitgeber sein, weil es noch keinen Kooperationsvertrag für die Bücherei gibt“, erklärte Schätz.

Auch Quereinsteiger willkommen

Bezüglich der Vergütung könne noch wenig Konkretes gesagt werden, da die Ausschreibung ja noch nicht erfolgt sei. „Das kommt auf die Qualifikation der Person an“, meinte Wieland. „Aber wir sind nicht unbedingt auf der Suche nach einem Bibliothekar oder einem Akademiker. Es können auch Quereinsteiger sein“, erklärte sie. Dann wäre die Vergütung entsprechend geringer. „Das kommt jetzt ganz darauf an, wer sich meldet.“

Maier zeigte sich weiterhin skeptisch. „Das ist also ein ähnliches Vorgehen wie bei den Bischöfen. Die Kirche sucht aus, und wir zahlen“, meinte er und fragte, ob es nicht eine Teilzeitkraft der Gemeinde gäbe, die die angedachte Arbeit von 20 bis 30 Stunden übernehmen könnte.

Bürgermeisterin Schätz erläuterte, dass sich natürlich jeder auf die Stelle bewerben könne, auch gemeindliche Teilzeitkräfte. Das Problem sei allerdings, dass die Hauptarbeitszeit der Büchereileitung auf den Vormittag beschränken werde, also genau dann, wenn die gemeindlichen Teilzeitkräfte ebenfalls im Einsatz seien.

Gemeinde soll bei Personalentscheidung mitentscheiden

Dr. Florian Haas (PWG) fragte, ob die Gemeinde bei der Personalentscheidung denn Mitspracherecht habe. Wieland versicherte, dass dies der Fall sein würde. Schließlich sei es das Ziel, dass die Person auch nach der Übergabe der Bücherei die Leitung übernehme.

„Und der Vertrag ist dann nach kirchlichen Recht?“, fragte Maier. „Darf denn eine Büchereileitung in Zukunft auch schwul sein? Darf sie geschieden sein? Darf sie evangelisch sein?“ „Natürlich“, war die Antwort der Kirchverwaltung.

Zuschuss wird verzwanzigfacht

Auch Stefan Högenauer (CSU) war nicht begeistert von der Lösung. „Es tut mir in der Seele weh, dass wir hier etwas, was ehrenamtlich war, in das Hauptamt verlagern“, meinte Högenauer und plädierte an die Kirchenverwaltung, eine „bescheidene Lösung“ zu finden. „Wir reden hier über einen Zuschuss, der sich verzehnfacht oder sogar verzwanzigfacht.“

Hans Urban (CSU) fragte nach den restlichen Ehrenamtlichen. „Ist denn eine Ehrenamtspauschale angedacht?“, fragte er. Denn es könnte „viel Pulver“ dahinterstecken, wenn eine Person aus ihren Reihen plötzlich bezahlt würde und die anderen nicht. Wieland versicherte, dass die Entscheidung die Büchereileitung in Zukunft hauptamtlich zu bezahlen, mit den anderen Ehrenamtlichen besprochen und von diesen auch begrüßt worden sei.

Einstimmig entschloss sich der Rat, den Zuschuss für die Bücherei übergangsmäßig zu erhöhen. Die genaue Höhe der Förderung werde dann bekannt gegeben, wenn die neue Stelle besetzt und deren Vergütung geklärt sei, erklärte Bürgermeisterin Schätz.

Zehentstadel bekommt eine Übergangsheizung

Eigentlich soll der Zehentstadel per Fernwärme beheizt werden. Doch da die Bücherei 2025 einziehen wird, kamen nun Zweifel auf, ob das neue Netz bis dahin fertig sein wird. In der jüngsten Gemeinderatssitzung schlug deshalb das Ingenieur-Büro Bauer und Hofstetter mehrere Möglichkeiten für Übergangslösung vor.

Dominik Keutel vom Büro erläuterte den Ratsmitgliedern, dass es verschiedene Möglichkeiten gäbe. Zum einen seien bei den Energieträgern unterschiedliche Alternativen möglich. Aber auch beim Standort der Übergangsheizung gäbe es verschiedene Möglichkeit. Man könne die Heizung in einem Container außerhalb des Stadels unterbringen. Oder mit einem Hackschnitzel-, Pellet- oder einer Kombination aus beidem fest im Keller verbauen.

Bürgermeisterin Sissi Schätz (SPD) plädierte für eine fest verbaute Variante. „Draußen verschandeln wir unseren Zehentstadl und das ohne Not, weil wir ja drinnen genügend Plätz hätten.“

Das sah Hans Urban (CSU) jedoch anderes. „Bei einer fest verbauten Heizung verabschieden wir uns ja komplett von unserer Fernwärme“, meinte er. Ein Container hinter dem Zehentstadel würde doch keinen stören. Zumal bei einer festverbauten Hackschnitzelheizung die Anlieferung schwierig werden könnte. „Wer so eine hat, weiß, wie viel Staub da aufwirbelt.“ Schätz war jedoch anderer Meinung: „Ich gebe zu bedenken, dass wir auch eine Außengestaltung planen“, sagte sie, „und hier wäre der barrierefreier Zugang gedacht.“

Josef Hederer (PWG) stellte grundsätzlich infrage, ob die Planung überhaupt nötig sei. „Warum planen wir denn 2022, was wir 2025 für einen Kessel brauchen? Wann soll denn dann die Fernwärme kommen?“, fragte er. „Wir brauchen einen Vorlauf“, erklärte Schätz. Außerdem könne die Heizung auch im Nachhinein zur Notversorgung dienen.

Mit elf zu vier Stimmen entschied sich der Rat für den Inneneinbau einer Kombinationsheizung aus Pellets und Hackschnitzelbetrieb. Nach einer reinen Pelletheizung im Innenbereich (abgelehnt mit sechs zu neun) ist es die zweitteuerste Variante. Nach zwei Jahren Betrieb werden die Gesamtkosten von Bau und Betrieb auf 265561 Euro geschätzt

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