Einzelhandel im Lockdown

Warten auf Staatshilfen, Internet kann nicht alles auffangen: „Haag aktiv“ kritisiert fehlende Perspektive

Online einkaufen; die Haager Geschäftsleute bieten „Click & Collect“ an – vor Ort.
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Online einkaufen; die Haager Geschäftsleute bieten „Click & Collect“ an – vor Ort.
  • vonLudwig Meindl
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„Fast die ganze Hauptstraße sitzt zuhause“, bringt „Haag aktiv“-Vorsitzender Thomas Sax die Situation im nun weiter verlängerten Lockdown in der Marktgemeinde auf den Punkt. Viele Geschäftsleute warten außerdem noch auf die versprochenen Staatshilfen. Was ihnen fehlt: eine Perspektive, bedauert Sax.

Haag – Systemrelevante Betriebe wie Lebensmittelgeschäfte, Arztpraxen und und Sanitätshäuser sind geöffnet. Dagegen müssen nicht systemrelevante Geschäfte immer noch geschlossen bleiben. Deshalb sitzen Haager Geschäftsleute auf liegengebliebener Wintermode und auf Wintersportartikel. Dies kann nach Erfahrungen von Sax auch die neue Internetvariante des „Click and Collect“ nicht auffangen: „Damit erreichen die Geschäftsleute nicht alle Generationen.“ Und das Onlineshopping könne ein Chef allein schultern, da bräuchte er keine Angestellten mehr. Trotzdem sei für das Überleben der Geschäfte der Grundsatz „online kaufen, aber beim Händler vor Ort“ wichtig.

Fehlende Fußplfege hat Folgen

Im Rückblick seien so manche Verordnungen der Regierungen oft unlogisch und nicht nachvollziehbar ausgefallen – etwa als zum Beispiel Friseure öffnen durften, Fußpfleger dagegen nur unter bestimmten Voraussetzungen. Jetzt haben beide Dienstleister geschlossen. Eine Konsequenz lautet nach Erfahrung von Sax: „Die fehlende Fußpflege führt zu deutlichen gesundheitlichen Verschlechterungen bei vielen Betroffenen, die nicht selten ärztlich behandelt werden müssen.“

Kritisiert die Corona-Politik, die den Einzelhandel einseitig belaste: Thomas Sax, Vorsitzender von „Haag aktiv“.

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Probleme gibt es auch bei der Gewährung der Staatshilfen. „Viele warten noch auf die Unterstützung.“ Dazu komme, dass diese staatlichen Gelder mit Hilfe eines Steuerberaters beantragt werden müssten: „Der kostet wiederum auch etwas.“

„Haag aktiv“-Chef Sax ist überzeugt, dass am Ende „der kleine Mann“ die Zeche bezahle. Er werde trotz vieler Hygienemaßnahmen in den Betrieben in Kurzarbeit geschickt, obwohl der Bedarf vor allem bei Dienstleistungen gegeben sei und „der Mitarbeiter arbeiten möchte“.

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Sax versteht, nicht, warum viele Geschäfte schließen müssen, obwohl seiner Meinung nach „die Ansteckungsgefahr im Einzelhandel und beim Discounter gleich hoch ist“. Für die Geschäftswelt vermisse er eine Zukunftsperspektive, die Hoffnung bereite: „Eine klare Zielansage, ab der es wieder aufgeht“.

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Die Einbußen für die Geschäftswelt werden nach Meinung Sax Auswirkungen auf das Gesellschafts- und Vereinsleben haben: „Es braucht kein Verein mehr die Geschäftsleute um eine Spende fragen, wenn sie ums Überleben kämpfen.“

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