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„Enkeltauglich wirtschaften“

GWÖ-Regionalgruppe Wasserburg sagt, „auch Kommunen müssen weg von Geiz is‘ geil“

„Es gibt viel zu tun - packen wir‘s an“, sagen Albert Bernstetter und Judith Landes von der Regionalgruppe Gemeinwohl-Ökonomie für den Altlandkreis Wasserburg. Sie wollen Kommunen im Landkreis Rosenheim ermutigen, sich gemeinwohlorientiert auf den Weg zu machen – und sich zertifizieren zu lassen.
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„Es gibt viel zu tun - packen wir‘s an“, sagen Albert Bernstetter und Judith Landes von der Regionalgruppe Gemeinwohl-Ökonomie für den Altlandkreis Wasserburg. Sie wollen Kommunen im Landkreis Rosenheim ermutigen, sich gemeinwohlorientiert auf den Weg zu machen – und sich zertifizieren zu lassen.
  • Andrea Klemm
    VonAndrea Klemm
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„Gemeinwohlorientierte Kommune, das bedeutet, alle Entscheidungen, etwa im Rathaus, im Bürgermeisterzimmer oder im Stadt- oder Gemeinderat werden in einem Kontext betrachtet: Ist das nachhaltig, dient es allen, wirtschaften wir so, dass es enkeltauglich ist?“, erklärt Albert Bernstetter von der GWÖ-Regionalgruppe Altlandkreis Wasserburg.

Wasserburg – Abwarten und aussitzen, das ist nicht ihr Ding: Albert Bernstetter und Judith Landes. Die beiden bilden gemeinsam mit Bernhard Furtner das Dreigestirn der Regionalgruppe Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) Altlandkreis Wasserburg und engagieren sich seit Juni 2020 mit dem Projekt „Lebenswerte Zukunft – Gemeinwohl in unseren Kommunen umsetzen“.

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GWÖ-Themen, die alle angehen, seien etwa Wohnungsbau, Energieversorgung, Klimawandel, Beschaffung und Artenschutz.

Lieber Rendite oder besser doch nachhaltig?

„Gemeinwohlorientierte Kommune, das bedeutet, alle Entscheidungen, etwa im Rathaus, im Bürgermeisterzimmer oder im Stadt- oder Gemeinderat werden in einem Kontext betrachtet: Ist das nachhaltig, dient es allen, wirtschaften wir so, dass es enkeltauglich ist?“, so Bernstetter.

Als Beispiel nennt er Überschüsse, die eine Kommune investieren kann. „Lieber nachhaltig und gemeinwohlorientiert? Oder interessiert nur hohe Rendite und das Geld fließt beispielsweise in ausbeuterische Kapitalanlagen“, so Bernstetter, der in Edling wohnt. Oder etwa, packt ein Bauamt Nachhaltigkeitskriterien in seine Ausschreibungen?

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Ihm und seinen Mitstreitern geht es darum, diese Wertewelt wieder in die Denke und Entscheidungsprozesse der Kommunen zu bringen. Plakativ sagt er, die Gesellschaft sollte weg von „Geiz ist geil“. „Nicht das billigste Angebot bei einer Ausschreibung ist das beste. Sondern am Ende oft das nachhaltigste, weil es am längsten hält – auch, wenn es zunächst teuerer ist.

Positive Impulse geben

Dabei gehe es nicht darum, den Finger in die Wunden zu legen und zu sagen, „das macht ihr falsch“, sagt Judith Landes aus Halfing. „Wir wollen positiv rangehen, zeigen, wo es schon gut läuft und auch, was noch alles möglich wäre“, ergänzt sie.

Die Region Wasserburg sei sehr lebendig, attraktiv und lebenswert. Generell gelte jedoch, dass alle Kommunen attraktiv bleiben müssen, wenn sie Landflucht verhindern wollen. „Attraktiv für junge Leute, für Familien und Senioren gleichermaßen. Mit den GWÖ-Themen kann man hier Pflöcke setzen, Entscheidungen junger Leute beeinflussen, sich hier anzusiedeln“, so Landes.

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Doch da dürfe man nicht abwarten und aussitzen und sich von „Katastrophen überrollen lassen, die man nicht wollte kommen sehen. Zum Beispiel den Klimawandel“, mahnt Bernstetter. Er fordert. „Wir alle müssen anpacken und ins Tun kommen.“

Im September endet das Projekt mit den Kommunen, an dem bisher rund 180 Teilnehmer in virtuellen Foren und Workshops teilnahmen und viele Beispiele aus der Praxis kennenlernten und inzwischen ein Netzwerk bilden, das sich austauscht.

Wegen Corona Austausch nur virtuell

Wegen Corona kamen die Bürgermeister, Gemeinderäte und Verwaltungsvertreter nur online zusammen. Die „Stiftung Mitarbeit“ hat die Regionalgruppe der GWÖ mit dem „Förderfonds Demokratie“ finanziell unterstützt, damit beispielsweise Referenten bezahlt werden konnten. Für die Zukunft werden weiterhin Sponsoren benötigt werden.

Nun soll neben weiteren Zoom-Veranstaltungen als krönender Abschluss am 11. September eine Exkursion nach Kirchanschöring, zur ersten gemeinwohlzertifizierten Kommune Deutschlands, alle Beteiligten noch einmal inspirieren.

Seit den 1990er Jahren hat Kirchanschöring durch einen konsequenten Weg in Richtung Bürgerbeteiligung und Nachhaltigkeit die Weichen gestellt, um auf die Herausforderung der Zukunft vorbereitet zu sein, erklärt Bernstetter, der in engem Austausch mit Bürgermeister Hans-Jörg Birner steht.

„Die Themen Wohnraum, Leben im Alter, Soziale Unterstützung, Artenvielfalt und vieles mehr werden in Kirchanschöring mit unterschiedlichsten Ansätzen und Projekten angegangen. Die Gemeinwohl-Ökonomie hat bei der Gemeindeentwicklung einen festen Platz“, berichtet Judith Landes. Man müsse nicht das Rad neu erfinden, sondern lerne bestehende Lösungen kennen, die vielleicht auch in anderen Städten und Gemeinden umsetzbar seien.

Neue Wohnkonzepte

So arbeite Kirchanschöring mit innovativen Architekten und der TU München in Sachen „nachhaltiges Landmanagement und bezahlbares Wohnen“ zusammen. Flächensparend und genossenschaftlich – so könne das gelingen. „Neue Wohnkonzepte können eine Alternative sein, betrachtet man den hohen CO2-Ausstoß, den ein Einfamilienhaus verursacht“, so Landes.

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Sie und Bernstetter werben für Bürgerbeteiligung. Sie könne eine Chance sein, völlig neue Blickwinkel und Ideen auf den Tisch zu bekommen. Bürgermeister Birner erkläre in seinen Vorträgen, dass sich hier erst eine Kultur entwickeln müsse. „Dass ein Bürgerprojekt auch mal scheitern kann und darf, das gehört zu dieser Entwicklung dazu“, so Bernstetter.

Bürgerräte in Kirchanschöring

Wichtig sei eine externe Begleitung eines solchen Prozesses. Kirchanschöring hat seit Herbst 2020 auch Bürgerräte, um direkte Demokratie zu fördern.

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Bernstetter wisse aus Erfahrung, dass es, wenn es darum geht, die GWÖ-Themen mitzudenken und umzusetzen, zunächst Widerstände in Verwaltungen und Gremien der Kommunalpolitik gebe. „Aber dann sind sie doch alle begeistert, was alles machbar ist.“

Wie die Stadt Wasserburg zur Zertifizierung steht, wird in einem gesonderten Beitrag behandelt. Aufgrund der Urlaubszeit waren Bürgermeister Michael Kölbl und Kämmerer Konrad Doser für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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