Gust Voit gibt Amt als Bürgermeister nach 20 Jahren ab – Amerang aus Verschuldung geführt

An seinem Lieblingsplatz: Gust Voit auf der Bank vor dem Rathaus. Auer

Amerang – Nach 20 Jahren als erster Bürgermeister der Gemeinde Amerang hört Gust Voit auf. In seiner Amtszeit hat er viele wichtige Projekte umgesetzt und die Gemeindefinanzen saniert. „Aufhören, wenn‘s am schönsten ist“, sagt Gust Voit überzeugt. Schließlich gehe es immer irgendwie weiter. Darum sei es wichtig, für sich den richtigen Schlusspunkt zu setzen. Leicht ist ihm dieser Entschluss jedoch nicht gefallen.

. Vielmehr habe er sich bei seiner Entscheidung, bei den Kommunalwahlen nicht mehr anzutreten, „schwer gequält“ , gibt der scheidende Rathauschef unumwunden zu. Er habe sich durchaus vorstellen können, weiterzumachen, denn es laufe gutin der Gemeinde Amerang. Nun freut er sich auf mehr Zeit für Familie, Freude und Hobbys, obwohl er seinem Abschied aus dem Rathaus auch ein wenig wehmütig entgegensieht.

In 20 Jahren habe er mit so vielen Menschen in der Gemeinde und in in Behörden gut zusammengearbeitet. „Schade, dass ich mich in Zeiten von Corona von vielen nicht persönlich verabschieden kann“, bedauert Voit. Ganz aus der Kommunalpolitik wird er sich freilich noch nicht zurückziehen. Als Kreisrat ist er weiterhin politisch aktiv. Zudem kann er sich gut vorstellen, weiterhin im Zweckverband zur Wasserversorgung der Schonstetter Gruppe ehrenamtlich mitzuwirken.

Was war Ihr größter Erfolg oder das für Sie wichtigste Vorhaben, das Sie umsetzen konnten?

Gust Voit: Zu Beginn meiner Bürgermeistertätigkeit hatte ich mir neben vielen Zielen zwei wichtige wirtschaftliche und menschliche Hauptpunkte gesetzt: Die Gemeinde aus der tiefen Verschuldung herausführen und das gesellschaftliche Zusammenleben in der gesamten Gemeinde stärken. Angefangen bei den Bürgern bis hin zu den Vereinen und Institutionen.

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Was hätten Sie gerne noch in ihrer Amtszeit realisiert, was haben Sie nicht geschafft?

Voit: Trotz der guten Entwicklung der Gesamtgemeinde ist auch in unserer Gemeinde ein besonderes Augenmerk auf die soziale Entwicklung zu legen. Dies betrifft alle Altersgruppen. Besonderer Anstrengungen bedarf es bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum (ob Wohneigentum oder Miete) gerade für die jungen Familien in unserer Gemeinde und der Umgebung. Wichtig ist aus meiner Sicht auch die Verbindung der Ortsteile mit Geh- und Radwegen, um die Sicherheit unserer Bürger zu erhöhen. Unsere Vereine sind ein unverzichtbarer und wichtiger Grundpfeiler der gesellschaftlichen und sozialen Vernetzung. Seit Jahren bemühen wir uns gemeinsam um ein Haus für unsere Vereine. Das ist uns bisher nicht gelungen.

Aus Ihrer Erfahrung heraus: Welchen Ratschlag haben Sie für Ihren Nachfolger?

Voit: Das Wichtigste: Ungefragt Ratschläge wird es von meiner Seite nicht geben! Wenn eine Unterstützung oder Rat gebraucht wird, stehe ich gerne zur Verfügung.

Was wünschen Sie Ihrer Gemeinde für die Zukunft?

Voit: Die Menschen in der Gemeinde sollen sich wohlfühlen können und sich eingebunden fühlen. Das geht nur in einer intakten und aktiven Lebensgemeinschaft aller Bürger und Bürgerinnen in allen Altersgruppen, zusammen mit den Vereinen, Institutionen und Berufsgruppen. Gerade jetzt in der Zeit von Corona zeigt es sich, dass eine starke örtliche Gemeinschaft solch eine Krise besser überstehen kann. Diesen sozialen Zusammenhalt wünsche ich unserer Gemeinde, den Bürgerinnen und Bürgern.

Wie wirkt sich Corona aus derzeitiger Sicht auf die Gemeindefinanzen aus? Wie muss der Haushalt korrigiert werden?

Voit: Nach den ersten Gesprächen mit unseren Betrieben ist in diesem Haushaltsjahr mit gravierenden finanziellen Einbrüchen nicht zu rechnen. Dank einer nachhaltigen und vorausschauenden Betriebsführung. Gerade sie haben verantwortlich nicht die Gewinne „kapitalisiert“, um dann in einer Krise Schulden zu „sozialisieren“, sondern sie haben in der guten Zeit sinnvoll investiert. Die gemeindlichen Bauvorhaben sind bereits in der Realisierung und können umgesetzt werden. Auch in der Bauwirtschaft sind derzeit die Auftragsbücher unserer Betriebe noch gut gefüllt. Teils große Einbußen aber haben viele kleinere Betriebe, Geschäfte, Dienstleister und insbesondere die Gastronomie zu verzeichnen. Diese gilt es jetzt besonders zu unterstützen, da sie nach dieser Zeit sehr wichtige und unverzichtbare Partner in der Gemeinde sind. Für die weitere Zeit wird es darauf ankommen, wann Corona einen Übergang zu einem annähernd normalen Leben wieder zulässt. Aufgrund der immensen finanziellen Stützmaßnahmen der Regierung ist jedoch in der Folgezeit mit großen Einschränkungen zu rechnen, die sich auf unser tägliches Leben auswirken können. Es gilt, den Haushalt danach zu prüfen und auszurichten. Den Gemeinden wird womöglich dabei eine sehr wichtige Rolle zukommen. Sie müssen dann trotz finanzieller Einbrüche als Investitions- und Wachstumsmotor gerade für die regionalen Betriebe da sein und die Konjunktur ankurbeln. Da kann es durchaus notwendig sein, antizyklisch zu reagieren und in eine überschaubare Verschuldung zu gehen. Kaputtsparen wäre nicht der richtige Weg. Hierzu bedarf es aber sicherlich der Unterstützung von Land und Bund.

Gibt es eine vorläufige Gesamtplanung für das Areal von den Sportflächen bis hin zum Gewerbegebiet am Kroit?

Voit: Die planerischen Weichen hierzu sind gestellt. Die Aufgabe des neuen Gemeinderates wird es sein, zusammen mit den Verantwortlichen des Sportvereins für das Sportareal eine Planung zu erstellen. Die Umsetzung kann in Abschnitten erfolgen. Für die Gemeinde ist vordringlich der Bau der Straßenspange von der neuen Gewerbestraße in östliche Richtung mit der Einbindung in die Staatsstraße 2360. Das Areal von den Sportflächen in Richtung Kammer östliche der Gewerbestraße Am Kroit kann zu gegebener Zeit mittels einer Bauleitplanung als Gewerbegebiet geplant und ausgewiesen werden.

Interview: Christa Auer

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