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Günther Knoblauch: Karriere als Politiker geht zu Ende

Vorbilder und Lehrmeister, jetzt folgt ihnen Knoblauch in den politischen Ruhestand: Der ehemalige SPD-Abgeordnete in seinem Bürgerbüro vor einem Bild, das ihn mit Willy Brandt und Seban Dönhuber zeigt. hon

Am Dienstagabend ist eine der beeindruckendsten kommunalen Politiker-Karrieren zu Ende gegangen: Mühldorfs Altbürgermeister Günther Knoblauch verpasste den erneuten Einzug in den bayerischen Landtag. Aber: „Es wird mir sicher nicht langweilig“, sagt er.

Mühldorf – Von Alltag kann im Bürgerbüro Knoblauchs in der Hutterergasse am Tag danach keine Rede sein. Die beiden Mitarbeiterinnen wirken schockiert, traurig, fassungslos, dass schon bald, nach fünf Monaten Übergangsfrist, alles vorbei ist.

Und im Büro nebenan, wo der Landtagsabgeordnete seinen Schreibtisch hat, ist es ein Satz, der immer wieder fällt: „Es ist halt so.“ Ihn sagt Knoblauch, wenn er zuvor über das geredet hat, was er noch gerne erreicht hätte; was in seinen Augen noch so wichtig ist für die Politik im Freistaat; welche Sorgen ihn angesichts der AfD umtreiben. „Es ist halt so.“

Bis 2020 ist Günther Knoblauch im Kreistag und stellvertretender Landrat. Eine erneute Kandidatur wird es wohl nicht geben.

Seine Karriere als Politiker geht definitiv zu Ende. Seit 1978 zunächst als ehrenamtlicher Stadtrat, seit 1990 hauptberuflich als Bürgermeister und seit fünf Jahren als Abgeordneter für die SPD, ist er einer, der nie zur Ruhe kam, nie Ruhe gab, immer in Bewegung war. Bis 2020 ist er im Kreistag und stellvertretender Landrat. Eine erneute Kandidatur wird es wohl nicht geben. Auf keinen Fall will er für den Mühldorfer Stadtrat kandidieren.

Und doch: Nichts tun wird Günther Knoblauch nicht. Denn auch für den Politikrentner gilt: „Wenn man etwas erreichen will, ist es egal, ob man ein Amt hat oder nicht.“ Sagt er, und schränkt nur ein bisschen ein: „Leichter wäre es natürlich mit.“

Anfragen aus der Wirtschaft gebe es, er habe viele Kontakte, kenne eine Menge Menschen. Den Verein „Ja zu A 94“ will er zumindest bis zur Eröffnung der Autobahn führen, auch das Heimatfilmfestival möchte er noch einrichten. Er habe Pläne. Denn: „Man muss wissen, was kommt, egal ob eine Wahl so oder so ausgeht“ – noch so ein Satz der häufig fällt und den er schon früher oft gesagt hat.

Nicht immer kann Knoblauch die Enttäuschung über den Wahlausgang verbergen. Er ist ihm ins Gesicht geschrieben: der lange Vorabend mit dem bangen Blick auf die Auszählungsergebnisse in den Münchner Wahlbezirken, der Moment, als feststand, dass alles Hoffen vergeblich war.

Wenn man ihn fragt, wa rum die Wähler ihm die fehlenden 1500 Stimmen nicht gegeben haben, zuckt er die Schultern, spricht über seinen Einsatz für die Region, über das, was er in den fünf Jahren erreicht und angestoßen hat. Und darüber, wie wichtig es wäre, im Freistaat die Interessen der ländlichen Regionen kraftvoll zu vertreten, vor allem aus der Rolle der Opposition heraus, die einer urbanorientierten Staatsregierung Paroli bieten könne. Er sagt, dass er um vier Plätze besser abgeschnitten habe als vor fünf Jahren, im SPD-Niedergang aber mitgerissen worden sei. Und wieder: „Es ist halt so.“

Oder wenn man wissen will, ob es ihn trifft, dass Rechtspopulist Oliver Multusch, der bisher nicht durch besonderes Engagement aufgefallen ist, mehr Stimmen bekommen hat als er. Dann schaltet er um auf Angriff, nennt die Auftritte der AfD bodenlos, sieht gravierende Gefahren für Demokratie und Gesellschaft. Es ist beides: Enttäuschung über den Wahlausgang und der feste Wille, sich nicht zufrieden zu geben, noch etwas zu bewegen.

Deshalb ist es schwer vorstellbar, dass Knoblauch künftig nur noch auf seinem Balkon sitzt, Zeitung liest, nachmittags die Enkel hütet und Ruhe gibt. „Es wird sicher nicht langweilig“, sagt er. Wenn es um Dinge geht, die ihm wichtig sind, wird er ruhelos bleiben.

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