An den Grundschulen im Wasserburger Land gibt es Montag ein großes Hallo – unter Auflagen

Sabine Obermaier-Tanner, neue Rektorin der Grundschule Am Gries in Wasserburg, ist gleich im ersten Jahr ganz besonders gefordert. Doch sie sagt: „So schnell bin ich nicht aus der Ruhe zu bringen. Wir schaffen das.“ Weithofer
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Sabine Obermaier-Tanner, neue Rektorin der Grundschule Am Gries in Wasserburg, ist gleich im ersten Jahr ganz besonders gefordert. Doch sie sagt: „So schnell bin ich nicht aus der Ruhe zu bringen. Wir schaffen das.“ Weithofer

Endlich geht es wieder zurück in die Schule – zuerst für die Viertklässler. Ein Start unter anderen Rahmenbedingungen als gewohnt: Kinder müssen Abstand zu ihren Klassenkameraden halten, auf den Gängen Mundschutz tragen. Doch die Grundschullehrer im Wasserburger Land sind sicher: Es wird klappen.

Von Heike Duczek, Karlheinz Günster und Petra Maier

Wasserburg/Reichertsheim/Rott – Jede Stunde an der Grundschule Wasserburg beginnt ab Montag mit einem Ritual: Hände waschen. Damit die Kinder in der Schlange vor dem Becken nicht zu nah aufeinander rücken, markieren Klebepunkte auf dem Boden den Abstand. Das und viele weitere Regeln bereiten Rektorin Sabine Obermaier-Tanner wenig Sorgen. Sie ist sicher, dass sich die Einhaltung der neuen Auflagen einspielen wird. Doch der Unterricht wird sich grundlegend ändern – Rolle rückwärts sozusagen: wieder zurück zum Frontalunterricht. Gruppenarbeit, das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen in Teams, Austausch von Materialien und Pädagogen, die von Bank zu Bank gehen und Schülern über die Schultern schauen: All dies ist erst einmal nicht mehr möglich. „Eine große Umstellung“, sagt die Rektorin. Sie ist überzeugt, „es wird dauern, bis wir wieder im Rhythmus sind“.

Zuerst nur Unterricht in Kernfächern

Geliebte Fächer wie Sport, Musik oder Kunst sind außerdem noch nicht wieder im Lehrplan. Unterrichtet werden nur Deutsch, Mathematik, Heimat- und Sachkunde. Mit den Freunden herumtoben auf dem Pausenhof: Auch das soll es noch nicht geben. Nach nur drei Stunden geht es schon wieder heim.

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An der Grundschule Am Gries werden die vierten Klassen in zwei Gruppen eingeteilt: Die erste kommt von der ersten bis dritten Stunde, die zweite von der vierten bis sechsten. Nach dem Unterricht heißt es: Klassenzimmer desinfizieren. Das Sitzen auf Abstand ist in der Grundschule Am Gries gut möglich: Die Klassenräume im historischen Altbau sind groß, freut sich Obermaier-Tanner.

Ab dem 18. Mai geht es dann weiter mit der Rückkehr der übrigen Jahrgänge. Die Klassen wechseln wochenweise – zwischen Präsenzunterricht und Homeschooling. Auch sie sind wöchentlich nur 18 Stunden in der Schule.

„Ein Mail oder ein Video können die persönliche Beziehung zum Lehrer nicht ersetzen“

Montag steht erst einmal nicht die Stoffvermittlung im Vordergrund, sondern das Wiedersehen. Die Kinder sollen zuerst erzählen, wie es ihnen ergangen ist, was sie erlebt und geschafft haben, so die Rektorin der Wasserburger Grundschule. Mit einem klaren Nein kann sie bereits jetzt auf die Frage antworten, ob die virtuelle Schule die analoge ersetzen kann. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass der Lernerfolg davon abhängt, wie die Beziehung zum Lehrer ist. Und diese persönliche Beziehung kann nicht durch ein Mail oder eine Videobotschaft ersetzt werden.“

Ein weiteres Problem des Homeschoolings: Die Unterrichtsbedingungen daheim sind sehr unterschiedlich. Es gibt Familien, in denen können sich Eltern kümmern, da gibt es gute technische Ausstattungen – und Familien, da schlägt die Bildungsungerechtigkeit voll durch, so die Erfahrung.

Unter welchen Bedingungen die Kinder jetzt wieder durchstarten und wie sich der Alltag mit neuen Regeln gestalten wird, all dies müssen die nächsten Tage zeigen, sagt die Rektorin. Aus der Notbetreuung, die 20 Kinder besuchen, weiß sie, dass die Abstandsregelungen relativ gut eingehalten werden. Dass es an der einen oder anderen Stelle haken wird bei der Umsetzung der Regeln, ist Obermaier-Tanner bewusst: „Das sagt mir mein Realitätssinn.“

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Heute beginnt nun auch für die vierten Klassen der Ramsauer Grundschule in Reichertsheim wieder der Unterricht. Das betrifft 23 Kinder aus der Regelklasse und neun aus der Kombiklasse. Probleme seien keine zu erwarten, teilt Rektorin Claudia Rude mit, der Platz reiche für mehr Abstand untereinander aus, die Zahl der Lehrer auch. Allerdings wird es Einschränkungen für die Kinder geben, etwa eine Maskenpflicht im Schulbus und „immer wenn sie ihren Platz verlassen“. Sogar beim Einzelgespräch mit dem Lehrer sollen beide eine Maske tragen. Die Pause findet im Klassenzimmer statt. Täglich sind hier vier Schulstunden Unterricht vorgesehen.

Unterricht vorerst nur in den Kernfächern

Der Schwerpunkt wird auf die Hauptfächer gelegt. Sport findet keiner statt, Werken auch nicht. Für den Übertritt an Realschule und Gymnasium zähle dieses Jahr grundsätzlich der Notendurchschnitt bis zum 13. März. Wer nicht sicher sei, besuche einen Probeunterricht, auf den jetzt vorbereitet werde.

Dann ab dem 18. Mai sollen die ersten Klassen mit insgesamt 47 Kindern die Schule besuchen. Das werde „komplizierter“, befürchtet Rude. Glücklicherweise habe man vor Jahren Hygienespender für die Toiletten angeschafft, über Einweghandtücher verfüge die Grundschule sowieso.

Die zweiten und dritten Klassen folgen voraussichtlich erst nach den Pfingstferien, „aber dann gehen uns aufgrund des größeren Platzbedarfs die Räume und die Lehrer aus“.

Gut funktioniere derzeit der Unterricht daheim. Die Ausstattung der Kinder und die Unterstützung der Eltern seien erfreulich gut in Reichertsheim. Die Schule schnüre wöchentlich Pakete mit Aufgaben für die Kinder, die im Austausch gegen die gelösten der Vorwoche von den Eltern gebracht und abgeholt würden. Nur beim Ausdrucken gab es teilweise Probleme, denn die große Nachfrage nach Tinten und Papier ließ Lieferengpässe aufkommen.

Personell wird es ab dem 18. Mai enger

Personell an ihre Grenzen könnte die Grund- und Mittelschule Rott geraten. Der Bildungseinrichtung steht nach Angaben von Rektorin Manuela Strobl nur eingeschränktes Personal zur Verfügung, weil Pädagogen zu Risikogruppen gehören. Hier finden Quali-Prüfungen mit Abstandsregeln statt – eine Herausforderung – ebenso wie die Busplanung.„Im Moment ist aufgrund der eingeschränkten Jahrgangsstufen und Klassen ab 11. Mai alles noch regelbar. Ab 18. Mai wird es fast unmöglich, vor allem aufgrund der Notwendigkeit, zusätzlich eine Notbetreuung durch die Lehrerschaft bereitzustellen“, sagt Strobl. Probleme, die Auflagen umzusetzen, sieht sie vor allem bei den Grundschülern, „da hier der Bewegungsdrang sehr hoch ist“.

Unter der Beschulung zuhause haben nach ihren Erfahrungen vor allem Schüler ohne digitale Möglichkeiten beziehungsweise ohne Internetanbindung gelitten. „Auch Schüler, deren Eltern beruflich oder persönlich so eingebunden sind, dass sie nicht beim Lernen zu Hause unterstützen können, fallen hier zurück“, bedauert Strobl.

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