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Entwicklung

Griesstätter und Rechtmehringer entwickeln Schlammsaug-Technik für Gewässer

Die beiden Gründer und Geschäftsführer Georg Linner (links) und Florian Dörfler stehen im Einlauf des Schlamms in das Absetzbecken, das etwa 1 ha groß ist. Hierin setzt sich der ausgepumpte Schlamm ab und das Wasser läuft zurück in den See.
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Die beiden Gründer und Geschäftsführer Georg Linner (links) und Florian Dörfler stehen im Einlauf des Schlamms in das Absetzbecken, das etwa 1 ha groß ist. Hierin setzt sich der ausgepumpte Schlamm ab und das Wasser läuft zurück in den See.
  • VonFranz Manzinger
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Es ist etwas ganz Neues, was Florian Dörfler aus Griesstätt und Georg Linner aus Rechtmehring in den vergangenen fünf Jahren auf die Beine gestellt haben. Wobei „auf die Beine gestellt“ nicht ganz richtig ist. Eigentlich müsste es „ins Wasser gestellt“ heißen.

Rechtmehring – Florian Dörfler aus Griesstätt und Georg Linner aus Rechtmehring haben einen Schlammsauger für verschlammte Seen, Teiche, Weiher und langsamfließende Gewässer entwickelt. Ein Novum, denn ähnliche Anbieter arbeiten mit Schlammbaggern und Fräsen.

Verschmutzung wird schlimmer

Den meisten Firmen, die sich um verschlammte Gewässer kümmern, gehe es vor allem darum, die Wasserstraßen schiffbar zu halten, so Döfler und Linner. Nicht jedoch ihnen. Für sie ist auch die Ökologie wichtig„Viele Gewässer haben ein Problem mit dem Verlanden von Schlamm“, sagen Döfler und Linner. Grundsätzlich sei es ein normaler Vorgang, dass die Gewässer durch die Zuläufe mehr Material erhalten.

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Die intensive Landnutzung der vergangenen Jahrzehnte mit hohen Düngefrachten, der Wegfall bracher, unverdichteter Flächen zur Wasseraufnahme, sowie die schwindende Wassersäule würden das Schlammproblem jedoch verschärfen. „Die hohen Nährstoff und Düngewerte im Wasser fördern das Wachstum von Algen und Wasserpflanzen“, erklären die beiden, nach deren Absterben der Algen entstünden Humus und Erde im Wasser. „Es gibt Berichte, dass die Verlandung der Gewässer in den letzten 100 Jahren dasselbe Ausmaß hatte, wie die 8.000 bis 10.000 Jahre seit der letzten Eiszeit.“

Mit diesem Sauger befreien die beiden Geschäftsführer die Gewässer vom Schlamm.

Das Problem, das sich daraus ergebe, liege „für jeden naturverbundenen Menschen auf der Hand.“ Für einen Fischer sowieso. Denn in den verschlammten und verkrauteten Tümpel werde langsam „vor sich hingestorben.“

Vorteil: Orientierung am Gewässergrund

Mit ihrer Firma „Schlammsaug GmbH“ wollen sie dies verhindern. Der Name ist dabei Programm, denn die beiden haben einen Sauger, entwickelt, der die Gewässer von der Verschmutzung befreit. Der Schlamm wird abgesaugt und das Gemisch an Land mittels eines Absetzbeckens getrennt. Das Oberflächenwasser fließt dann zurück in das Gewässer, der Schlamm wird getrocknet und nach Laboruntersuchungen auf landwirtschaftliche Flächen gebracht.

Der Vorteil dieser Technologie bestehe vor allem darin: „Entgegen aller anderen Marktteilnehmer orientieren wir uns am Gewässergrund und nicht von der Gewässeroberfläche aus.“ Somit sei ihr Sauger ökologischer als die Schlammbagger.

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Fischerei-Fachberater bestätigt: Saugmethode ist schonend

Das bestätigt Doktor Bernhard Gum, Fischerei-Fachberater beim Bezirk Oberbayern. Die Saugmethode sei relativ schonende und damit in vielen Fällen eine gute Alternative. „Sie hat auf alle Fälle den Vorteil, dass nicht mit schwerem Gerät am meist nassen und sensiblen Ufer gearbeitet werden muss. Durch den Rechen beziehungsweise Sieb beim Einsaugen werden zumindest größere Muscheln davon abgehalten. Die Fische schwimmen meist von selber weg.“

Natürlich müssten noch Erfahrungen gesammelt werden, meint Gum. „Wichtig ist vor allem die Jahreszeit. Die Fische müssen schon selber schwimmen können und dürfen damit nicht zu jung sein.“ Gleichzeitig sollte kein Mensch nicht zu nahe ans Ufer ran. Aber das geben meist auch die Genehmigungen schon vor.

Haager Naturfreibad gereinigt

Auftraggeber für die Maßnahmen sind meist Kommunen, Wasserkraft-Unternehmen, Fischereivereine oder Privatleute, sagen Dörfler und Linner. In der Regel verlangen sie zwischen fünf und zehn Euro je Kubikmeter transferierten Schlamm. Hinzu kommen Kosten der Verfrachtung, Verwertung und im schlimmsten Fall Entsorgung des Schlamms. „Danach herrscht in aller Regel aber für 25 bis 40 Jahre Ruhe am Wasser.“

Auch in der Region waren sie vor Kurzem im Einsatz, das Haager Naturfreibad wurde abgesaugt. Martin Kleinle, von der Marktgemeinde, ist zufrieden. „Kein Vergleich mit konventionellen Methoden mit Bagger und Muldenkipper“ meint er. „Und das Schöne ist auch, dass sich diese Firma auch um die oft aufwendigen Formalitäten mit den Behörden kümmert.“

Denn die Absaugung muss genehmigt werden. Zwar ist der Gewässerunterhalt grundsätzlich genehmigungsfrei. „Meist ist aber zu lange nichts am Wasser passiert“, sagen Döfler und Linner. So könne oft von regelmäßigen genehmigungsfreien Unterhalt nicht die Rede sein.

Die Technik des Schlammsaugers

Es ist ein Gespann aus zwei Fahrzeugen, dem Schlammsauger und dem „Amphi“. Der Sauger arbeitet komplett unter Wasser und funktioniert wie ein Klopfstaubsauger auf Raupenketten. Er trägt eine Saugglocke, die Kehrbürste, Muschelrechen und Häcksler beinhaltet. Diese Einheit reinigt GPS überwacht bahnen- und schichtweise den Gewässergrund ab. Man kann es sich als „Unterwasserkehrmaschine“ vorstellen. An der Oberfläche schwimmt das „Amphi“, es beinhaltet Aggregat sowie den Pilotenstand. Die beiden sind mit einem Hydraulikschlauchpaket und dem Saugschlauch mit 20 cm Durchmesser miteinander verbunden.

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