Griesstätter Bäcker muss für „Dinkelsonne“ büßen – und fühlt sich abgezockt

Der Griesstätter Bäckermeister Alois Zeilinger mit seinem „Dinkelsonnenblumenkernbrot“, das früher anders hieß und die Anwälte der Hofpfisterei auf den Plan rief. Weithofer
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Der Griesstätter Bäckermeister Alois Zeilinger mit seinem „Dinkelsonnenblumenkernbrot“, das früher anders hieß und die Anwälte der Hofpfisterei auf den Plan rief. Weithofer
  • Winfried Weithofer
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Alois Zeilinger, Chef der gleichnamigen Traditionsbäckerei aus Griesstätt, fühlt sich abgezockt von einem großen Konkurrenten, der Hofpfisterei München. Es geht um den Namen für ein Brot. Es heißt jetzt anders, doch der Ärger ist geblieben.

Griesstätt – 3617 Euro und einen Cent musste Alois Zeilinger an die „Hofpfisterei“ zahlen: Die Unterlassungsklage der Münchner Großbäckerei lautete auf diesen Betrag. Damit war Zeilinger vor mehr als einem Jahr wohl einer der ersten Bäcker in der Region, dem solch eine saftige Rechnung präsentiert wurde. Und das nur, weil er in seinem Angebot ein Brot führte, das „Dinkelsonne“ hieß – diesen Namen hat die „Hofpfisterei“ für sich reserviert.

Zeilinger: „Das Menschliche bleibt auf der Strecke“

„Wenn die Münchner mich angerufen oder ein kurzes E-Mail geschickt hätten mit dem Hinweis, dass ich unberechtigt den Namen ,Dinkelsonne‘ verwende und dafür dann 100 Euro als Arbeitsaufwand in Rechnung gestellt hätten, wäre ich damit einverstanden gewesen“, sagt Zeilinger. So aber habe er das Gefühl, dass die „Hofpfisterei“ einfach nur abkassieren wollte. Dabei mache die Firma mit über 1000 Mitarbeitern im Jahr über 85 Millionen Euro Umsatz. „Das Menschliche bleibt komplett auf der Strecke“, empört sich Zeilinger. „Was soll das? Haben die in der Corona-Krise nichts anderes zu tun, als die kleinen Bäcker zu verklagen, die eh schon am Existenzminimum stehen?“

Erst kürzlich hatte es einem Bäcker aus Reit im Winkl getroffen, der eine Rechnung von 800 Euro erhielt. Er hatte ein dunkles Schwarzbrot mit dem Namen „Sonnenkorn“ im Internet beworben.

Teure Markenverletzung: Die Bäckerei Zeilinger fühlt sich abgezockt.

Eine Möglichkeit, sich gegen die Unterlassungsklage juristisch zu wehren, gebe es nicht, sagt der Griesstätter Bäcker. „Laut Anwalt hat man da überhaupt keine Chance.“ Zur Geldstrafe seien noch Kosten für den Anwalt und den Steuerberater gekommen.

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Sein Brot hat der Chef des Traditionsbetriebes, der seit 1918 in Griesstätt beheimatet ist, in der Zwischenzeit umbenannt in „Dinkelsonnenblumenkernbrot“. Das ist rechtlich okay, denn „Sonnenblumenkern“ stellt ein zusammenhängendes Wort mit eigener Sinneinheit dar.

Neuer Name: „Dinkelsonnenblumenkernbrot“

Zeilinger hat ausgerechnet, wie viele Brote er verkaufen muss, um die Strafe wettzumachen: 952 Stück. In seinem Ärger weist er auf den verstorbenen Hofpfisterei-Chef Siegfried Stocker hin, der sich für die „Hofpfisterei“ vor Jahrzehnten die Bezeichnung „Dinkelsonne“ habe schützen lassen. „Der hat aber nie was gemacht.“ Erst die Tochter habe nach dessen Tod vor vier Jahren die juristischen Mühlen in Gang gesetzt.

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Nicole Stocker, die Sprecherin der Hofpfisterei, erklärte bereits im Fall des Bäckers aus Reit im Winkl: „Wir müssen rechtlich gegen Produkte vorgehen, die unsere Markenrechte verletzen.“ Dazu gehöre auch eine Unterlassungserklärung. „Theoretisch könnten wir sogar Schadensersatz verlangen“, betont sie. Das tue die Hofpfisterei jedoch nicht.

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