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Drei Bäume einfach weg

Griesstätter Umweltreferent ist sauer: Birken am Sportplatz ohne Rücksprache gefällt

Zu spät: Die drei Birken am Sportplatz in Griesstätt wurden bereits gefällt. Umweltreferent Martin Hofmeister ärgert sich maßlos
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Zu spät: Die drei Birken am Sportplatz in Griesstätt wurden bereits gefällt. Umweltreferent Martin Hofmeister ärgert sich maßlos.
  • VonKarheinz Rieger
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  • Sophia Huber
    Sophia Huber
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Martin Hofmeister, Umweltreferent in Griesstätt, ist sauer: Drei Birken am Sportplatz wurden einfach gefällt - ohne mit ihm Rücksprache zu halten. Er fragt sich: Wie konnte es dazu kommen?

Griesstätt – Wer derzeit beim Sportplatz in Griesstätt vorbeikommt, wird drei Birken im Bereich der Stockschützenbahn vermissen. Der Grund: Laut Beurteilung durch einen Wasserburger Baumpflegebetrieb habe sich kurzfristig Gefahr im Verzug zumindest bei der größten Birke ergeben. Aufgrund von Löchern in deren Stamm sei die Bruchsicherheit nicht mehr gewährleistet gewesen. Gefällt wurden aber gleich drei Bäume. Die Genehmigung dafür wurde vonseiten der Gemeinde kurzfristig erteilt. Umweltreferent Martin Hofmeister ist sauer.

Von einer Nacht- und Nebelaktion spricht das Gemeinderatsmitglied (Grüne), selbst seit 20 Jahren erfahrener staatlich geprüfter Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung und Sachverständiger für Verkehrssicherheit bei Bäumen. Noch im Februar 2022 habe er selbst die betroffenen Stämme am Sportplatz begutachtet und keine ausreichende Notwendigkeit gesehen, die drei, auch ortsprägenden Birken zu beseitigen, bestätigt er auf Nachfrage.

Missachtung der Fachkenntnis

Er selbst hätte jederzeit die Verantwortung für die Bruchsicherheit der Bäume, auch für die der bemängelten Birke übernommen. Dass seine Begutachtung nicht berücksichtigt worden sei, die Stellungnahme eines anderen Betriebes offensichtlich als maßgeblicher erachtet wurde als seine eigene, ärgere ihn.

Dass die festgestellten Löcher angeblich plötzlich die Standfestigkeit gefährdet hätten und das wohl bei allen drei Bäumen, sei unglaubwürdig, so Hofmeister in einem Gespräch mit der Wasserburger Zeitung. Für ihn sei das keine ausreichende Begründung und völlig unmöglich. Die Genehmigung durch Bürgermeister Aßmus sei ohne weitere persönliche Rücksprache mit ihm oder nach Diskussion im Gemeinderat erfolgt. Er empfinde dies auch als Missachtung seiner Fachkenntnis und seiner Funktion als Umweltreferent durch die Gemeindeverantwortlichen.

Obendrein bemängelte Hofmeister die Fällung der Birken während der Vogelbrutzeit und die nicht erfolgte Untersuchung betreffs Biodiversität. Das Argument, für eine angeblich fehlende Bruchsicherheit gelte das Prinzip „Gefahr im Verzug“, lasse er als Grund für eine Ausnahmegenehmigung nicht gelten.

Tatsachen am Sportplatz geschaffen

Letztlich seien durch die Fällaktion unwiderruflich Tatsachen geschaffen worden. Die Vorgeschichte begann bereits im Februar vergangenen Jahres. Damals war von der Gemeinde schon beim Landratsamt bezüglich Fällung von Bäumen am Hartplatz eine Anfrage gestellt worden, welche einige Tage später um zwei Birken an der Stockschützenanlage und vier Laubbäume am Fußballplatz ergänzt wurde.

Die Begründungen für die erweiterte Anfrage waren damals unter anderem hauptsächlich die Sicherheitsgefährdung bei einseitigem Schnitt, die zeitintensivere Rasenpflege, aber auch die vermehrte Durchwurzelung und der Wasserentzug am Rasenspielfeld. Hofmeister hatte daraufhin damals unverzüglich die Gemeinde darüber in Kenntnis gesetzt, dass es sich bei allen zusätzlich für eine Fällung vorgesehenen Bäumen um ökologisch sehr wertvolle handele, die stand- und bruchsicher seien. Lediglich Pflegeaufwand bestünde.

Eine Fällung der sechs Bäume an der Schmidsteige und an der Stockschützenanlage sei absolut undiskutabel. Der Gemeinderat hatte sich daraufhin in der Sitzung vom 18. Februar 2021 lediglich mit den Bäumen am Hartplatz beschäftigt.

Noch ein Jahr später, in der Gemeinderatssitzung vom 20. Januar 2022, hatte der Sportvereinsvorsitzende und dritte Bürgermeister Jürgen Gartner (GfuG) noch ein maximal verträgliches Zurückschneiden der vier Laubbäume an der Schmidsteige und der zwei Birken beantragt. Zur großen Birke an den Stockbahnen betonte damals Bürgermeister Robert Aßmus (parteilos) sogar noch, dass diese ihm besonders am Herzen läge und ein Rückschnitt eher in geringem Umfange erfolgen solle.

Dass jetzt bei einem Ortstermin am 31. März plötzlich die Situation bei drei Bäumen gleichzeitig eine völlig andere gewesen sein soll, will Hofmeister nicht glauben – vor allem auch, weil er bei dem entscheidenden Treffen mit Vertretern von Bauhof, Sportverein und alternativer Baumpflegefirma als Umweltreferent nicht hinzugezogen worden war.

Forderung nach Ersatzpflanzungen

Da die Fällung nicht rückgängig gemacht werden kann, fordert Hofmeister nun mit noch mehr Nachdruck, die längst versprochenen Ersatzpflanzungen im Bereich von Schule, Kindergarten und Sportplatz zu tätigen. Hier dränge zumindest betreffs Pflanzung im Frühjahr die Zeit. Außerdem zeigte er sich generell unzufrieden mit der Umsetzung der örtlichen Grünpläne als „Garantie für Lebensqualität von morgen“. Er fordere mehr „ökologischen Patriotismus“.

Das sagt der Bürgermeister

Bürgermeister Robert Aßmus

„Ich stehe zu meiner Entscheidung“, betont Bürgermeister Robert Aßmus auf Anfrage. „Der Baum wurde geschnitten, weil Gefahr im Verzug war. Ich möchte nicht, dass irgendjemandem etwas passiert.“ Die Absprache über die Fällung sei zwischen ihm, dem Verpächter und dem Sportverein abgelaufen. Dieser habe auch entdeckt, dass der Baum schwer beschädigt gewesen sei und ihn, den Bürgermeister, daraufhin informiert, „ich habe grünes Licht gegeben.“ An eine Absprache mit dem Umweltreferenten habe er in jenem Moment nicht gedacht, auch um die Arbeiten nicht weiter zu verzögern. „Das war mein Fehler“, gibt Aßmus zu, „beim nächsten Mal werde ich es anders halten.“

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