Nachruf

Griesstätt trauert um Seniorchefin der Bäckerei Zeilinger

So kannte und liebte man sie: Waltraud Zeilinger war die gute Seele des Familienbetriebs. Sie verstarb im Alter von 78 Jahren.
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So kannte und liebte man sie: Waltraud Zeilinger war die gute Seele des Familienbetriebs. Sie verstarb im Alter von 78 Jahren.
  • Heike Duczek
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Abschied von Waltraud Zeilinger (78). Die leidenschaftliche Geschäftsfrau mit großem Her war über 50 Jahre die gute Seele des Familienbetriebes.

Griesstätt – Fast jeder Griesstätter hat sie gekannt: Waltraud Zeilinger war über 50 Jahre lang die gute Seele der Bäckerei Zeilinger - eine Geschäftsfrau durch und durch: stets freundlich und zugewandt. Jetzt ist die Griesstätterin im Alter von 78 Jahren verstorben.

Bis Februar hatte Waltraud Zeilinger auch im Hintergrund noch mitgearbeitet im Betrieb: Frühmorgens richtete sie Sandwiches für die Altenpflegeschule in Altenhohenau her. In Rente ging sie erst, als der erste Lockdown kam.

In den fünf Jahrzehnten, die sie Brot und Backwaren verkaufte oder an der Kasse saß, hatte sie für jeden Kunden stets ein Lächeln oder ein nettes Wort. Ältere Leute, die am Monatsende aufgrund kleiner Renten kaum noch Geld im Portemonnaie hatten, durften bei ihr anschreiben. Kinder bekamen stets eine Brezel umsonst.

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Schon frühmorgens räumte Waltraud Zeilinger die Regale ein, half beim Verkauf. Mittags kochte sie für die Familie, danach stand sie wieder im Laden. „Sie ist die Managerin unseres Familienbetriebs“, brachte Ehemann Alois das Engagement seiner Frau gerne auf den Punkt.

Diese begann 1956 ihre Ausbildung zur Lebensmittelfachverkäuferin. 1964 heiratete die gebürtige Mühldorferin in die Griesstätter Bäckerei Zeilinger ein, ein Traditionsbetrieb seit 1918. Gemeinsam mit ihrem Mann führte sie das Geschäft – Alois Zeilinger in der Backstube, seine Frau hinter der Ladentheke. Ein perfekt eingespieltes Team, unterstützt von weiteren Mitgliedern aus der Familie. Die beiden Kinder, Alois Junior und Karin Zeilinger, wuchsen quasi im Laden auf. Sie führen den Betrieb heute als Bäckerei und Cafe mit kleiner Mittagskarte weiter. Wie Waltraud Zeilinger oft erzählte, wussten die Kinder schon im Mutterleib, dass Mama im Familienbetrieb unabkömmlich ist: Alois und Karin kamen 1965 und 1967 jeweils an einem Sonntag auf die Welt, der einzige Tag damals, an dem die Backstube geschlossen blieb.

Sie führe ein arbeitsreiches und zugleich sehr erfülltes Leben, berichtete Waltraud Zeilinger 2011 der Wasserburger Zeitung, die sie damals zum Muttertag interviewte. „Wir haben halt immer zusammengehalten“, brachte Waltraud Zeilinger das Erfolgsgeheimnis ihrer Familie, zu der auch zwei erwachsene Enkel gehören, auf den Punkt. Hausfrau, Mutter, Großmutter, Geschäftsfrau: Diese Rollen füllte sie gerne aus, jeder Aufgabe wurde sie auch dank ihrer ruhigen Art und ihrem unermüdlichen Fleiß gerecht.

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Als Ruheständlerin verfolgte sie weiter mit großem Interesse, was im Betrieb und im Dorf vor sich ging. Und entdeckte eine neue Leidenschaft: Sie schaute liebend gerne Kochsendungen im Fernsehen. Tipps hatte sie eigentlich gar nicht nötig, denn sie war eine hervorragende Köchin, die oft auch für große Tischrunden am Herd stand. Waltraud Zeilinger unternahm außerdem gerne Tagesauflüge mit dem örtlichen Busunternehmen. Sie war Mitglied in fast allen Griesstätter Vereinen – eher passiv, weil die Freizeit knapp war, doch stets interessiert am Vereinsleben.

In den vergangenen Jahren setzten ihr schwere Erkrankungen mehr und mehr zu. Waltraud Zeilinger verschlief friedlich im Krankenhaus, liebevoll begleitet von der Familie. Auch die Griesstätter werden sie vermissen.

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