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Kirchen im Lockdown? Gottesdienste aus Albaching werden live gestreamt

Was zu Ostern gut gelang, soll auch Weihnachten funktionieren: In Albaching werden Gottesdienste live gestreamt. Unser Bild zeigt die Installation der notwendigen Technik.
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Was zu Ostern gut gelang, soll auch Weihnachten funktionieren: In Albaching werden Gottesdienste live gestreamt. Unser Bild zeigt die Installation der notwendigen Technik.

In Corona-Zeiten wird der Pfarrverband Ablaching kreativ: Gottesdienste werden über Youtube ins Internet übertragen. Doch die Klickzahlen stehen für Initiator Heinz Hüll nicht im Vordergrund.

Albaching/Pfaffing – „Ich gehe in die Kirche, Liebling“, ruft der Mann nach oben und fährt sich durch die noch ungekämmten Haare. „Mach das“, sagt seine Frau, ohne seiner ausgeleierten Jogginghose, einen zweiten Blick zu würdigen. Er verlässt den Raum und schließt die Türe hinter sich. Der Mann ist ein bisschen spät dran, die Orgelmusik zum Einzug ist bereits verklungen, doch das stört ihn wenig. Mit der Maus in der Hand spult er die verpassten Minuten zurück. Ein Livestreamgottesdienst hat doch auch seine Vorteile.

Es geht nicht um die Klickzahlen

So oder so ähnlich könnte am vergangenen Sonntag eine Szene in einem Albachinger Haushalt abgelaufen sein, denn dort finden seit Kurzem wieder Gottesdienste über die Online-Plattform YouTube statt. Für die Mitglieder des Pfarrverbandes nichts Neues, denn bereits zu Ostern gab es ein solches Angebot und das war mehr als erfolgreich, wie Heinz Hüll, Initiator des Projekts, verrät.

„Mir geht es nicht um die Klickzahlen“, schickt er gleich voraus. Der Erfolg eines Online-Gottesdienstes hänge für ihn nicht davon ab, ob fünf oder fünfzig Personen einschalten. Im Gegenteil: „Wenn ich einer Person den Gang in die Messe ermögliche, ist das für mich genug. Dann war ich erfolgreich.“

Vage Zahlen verrät er nach ein paar Minuten dann aber trotzdem. „Mehrere hundert“, sagt er bescheiden. In jedem Fall mehr, als in die Albachinger Pfarrkirche hineinpassen – auch ohne Abstandsregeln. Im Vergleich zum Münchner Dom sei das natürlich wenig, so Hüll, „aber unser Pfarrverband ist ja auch viel kleiner. Wenn man das im Verhältnis sieht, dann ist das doch ganz ordentlich.“

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Vor allem freut ihn die Reichweite. „Albaching wird global. Wir haben Zuschauer aus den USA und aus Tokio“, so Hüll. Bekannte von ihm, die dort lebten, hätten von den Gottesdiensten erfahren und sich dazu geschalten. Das Internet macht es möglich trotz Hunderttausend Kilometern Entfernung und Zeitverschiebung. „Der Stream wir ja hochgeladen“, so Hüll, „dadurch können sie ihn dann nachher ansehen.“

Gelernt hat die kleine Gruppe, die hinter den Gottesdiensten steckt ebenfalls etwas. „Wir müssen nicht mehr so viel proben“, sagt Hüll. Das Team sei inzwischen eingespielter. Die Technik sei beinahe gleich geblieben. „Ein paar kleine Verbesserungen, aber nichts Nennenswertes.“

Projekt soll auch in Zukunft weiterlaufen

Und in Zukunft? Wenn es nach Hüll ginge, dann sollten die Livestream-Gottesdienste auch nach Corona angeboten werden. „Als Zusatz zur normalen Kirche.“ Vor allem bei Hochfesten finde er die Idee gut. „Zum Beispiel könnte man den Fronleichnamsgottesdienst und die Prozession filmen und inszenieren.“ Schließlich gäbe es ja auch nach Corona Menschen, die nicht in die Kirche kommen könnten. „Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben.“ Das Alter, Krankheiten, der Wohnort. Aber auch die Beziehung zur Kirche sieht als Hindernis, das durch die Online-Gottesdienste verringert werden kann. „Es gibt sicherlich viele Menschen, die gläubig sind, aber nicht in die Kirche gehen wollen. Ein Live-stream-Gottesdienst kann die Hürde vielleicht abbauen.“ Hüll ist bereits mit dem Pfarrgemeinderat und der Kirchenverwaltung von Albaching-Pfaffing im Gespräch. „Ich würde mir das für die Zukunft wünschen. Wir werden sehen, was daraus wird.“

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