Gottesdienst „Dahoam“

In Zeiten von Corona benötigt die Kirche Kreativität, wenn es darum geht, die geistlichen Angebote aufrecht zu erhalten, sagt Pfarrer David Mehlich aus Obing. Er kam zum Interview mit unserer Mitarbeiterin in ihren Garten, wo die beiden mit räumlichem Abstand miteinander sprachen. Auer

„You’ll never walk alone“ – die Musikballade, die kürzlich von allen europäischen Radiosendern gleichzeitig gespielt wurde, war auch Teil eines Instagram-Posts des Pfarrverbands Obing. „Glaube und Musik verbinden Menschen und gerade in Zeiten, wo es einem nicht gut geht, ist es wichtig, zu wissen, dass man nicht alleine ist“, sagt Pfarrer David Mehlich.

Von Christa Auer

Obing – Dieser Song solle allen Kraft und Mut zusprechen, die im Moment eine unglaubliche Arbeit im Gesundheitswesen leisteten, die krank oder einsam seien. Besonders in der aktuellen Situation brauche es Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung und Zuwendung.

Zusammenhaltund Zuwendung

„Nicht leicht, wenn man gleichzeitig Abstand halten und persönliche Kontakte vermeiden soll“, findet der Obinger Pfarrer. Kirche lebe von der Gemeinschaft und den Gottesdienstfeiern. Gerade in Notzeiten sei sie häufig ein Anker für die Menschen, für Trauernde und Trostsuchende, die im Gebet zusammenrückten. Durch Corona stehe die Kirche nun vor der großen Aufgabe, die Verbindung zwischen Gott und den Menschen untereinander nicht abreißen zu lassen. „Da braucht es kreative Kontaktaufnahmen“, betont Mehlich.

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Die Kirchen im Pfarrverband sind weiterhin zu den üblichen Öffnungszeiten geöffnet. Dort liegen auch „Fürbittenbücher“ für die Gebete der Gläubigen bereit. Unter dem Motto: „Wir halten zusammen“, ist der Pfarrverband Obing auf den sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram aktiv; Gottesdienstvorschläge für „dahoam“ werden verlinkt. Das Angebot soll noch erweitert werden, auch wenn es natürlich nur eine Notlösung sei, so der Pfarrer. Vor allem auch die älteren Mitbürger, die nicht so in den modernen Medien zuhause seien, dürfe die Kirche dabei nicht aus dem Blick verlieren, betont Mehlich. Zumal nun auch die regelmäßigen Krankenbesuche bei den Senioren nicht stattfinden könnten. „Das persönliche Gespräch per Telefon mit den örtlichen Seelsorgern oder der Telefonseelsorge wird viel wichtiger.“ Das Erzbistum bietet täglich Gottesdienste aus dem Münchner Dom per Live-Stream oder über das Münchner Kirchenradio sowie geistliche Videoimpulse im Onlineformat an.

Erzbistum bietet täglich Gottesdienste an

Mehlich selbst hält täglich abwechselnd in den Kirchen des Pfarrverbands eine nichtöffentliche Messe, um die geistliche Verbindung der Pfarrgemeinde mit Gott aufrecht zu erhalten und die Gedanken der Gläubigen aus den Fürbittenbüchern in seine Gebete miteinfließen zu lassen. „Der Blick auf die leeren Kirchenbänke erfüllt mich dabei mit einem Gefühl großer Traurigkeit“, sagt der Obinger Pfarrer. Zumal das eigentliche Bestreben ja sei, die Gotteshäuser mit Menschen und Leben zu füllen. Aber in Zeiten wie diesen bedeute gegenseitige Fürsorge eben Abstand halten und aktive Nächstenliebe, also daheim zu bleiben.

Schwierige Trauerarbeit

Der 37-Jährige sieht sich als Seelsorger nicht nur im alltäglichen Miteinander in der Pflicht. Er ist im ständigen Austausch mit seinen Seelsorgekollegen und dem Erzbischöflichen Ordinariat, um neue Wege während der verschärften Ausgangsregelung zu beschreiten. Sakramente wie Taufen oder Eheschließungen müssen vorerst verschoben werden, die Firmung im Pfarrverband ist ohnehin erst im kommenden Jahr vorgesehen. Allerdings habe man nicht alles selbst in der Hand. „Es ist noch nicht absehbar, wie lange die Situation so bleibt, was mit den Erstkommunionen sein wird oder wie genau wir Ostern feiern werden“, bedauert er. „Es ist mir ein großes Anliegen, auch geeignete Möglichkeiten zu finden, Sterbende und Trauernde trotz Corona-Krise zu begleiten.“

Beerdigungen müssen ohne Requiem stattfinden

Natürlich müsse man die gesetzlichen Vorschriften halten, stellt Mehlich klar. Aber gerade in so schweren Momenten könne man die Menschen nicht alleine lassen. Der Glauben biete Halt und Hilfestellung. Gottesdienste, Rosenkranz und Andachten für Verstorbene böten Trost und Zuspruch sowie einen Platz für die Trauer und den Schmerz des Abschieds. Sie würden wichtige Rituale in der Trauerbewältigung darstellen. Das alles sei derzeit in gewohnter Form nicht möglich. Beerdigungen müssten ohne Requiem stattfinden.

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Das sei ein tiefer Einschnitt, denn die Trauerfeier könne nur im engsten Familienkreis an der Aussegnungshalle abgehalten werden. Der Trauergottesdienst könne zu einem späteren Zeitpunkt jedoch nachgeholt werden, sagt Mehlich. „In solchen Situationen merke ich, wie groß die Herausforderungen wirklich sind. Hier spüre ich aber auch, dass die Menschen wirklich stark zusammenhalten – über alle Zwei-Meter-Regeln hinweg. Und hier erlebe ich, dass Gott wirklich bei uns ist und zu uns auf seine Art sagt: ‚You‘ll never walk alone‘.“

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