NACH 52 JAHREN: HANS GARTNER ÜBERGIBT FAMILIENBETRIEB

Die Glaserei in die Wiege gelegt

Übergabe: Nach über fünf Jahrzehnten sagen Helga und Hans Gartner „Servus“, Hannes Fellermayr übernimmt die Glaserei Gartner. re
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Übergabe: Nach über fünf Jahrzehnten sagen Helga und Hans Gartner „Servus“, Hannes Fellermayr übernimmt die Glaserei Gartner. re

„Nein, ganz auf null fahr ich natürlich nicht runter“, lacht Hans Gartner. „Mit 66 Jahren ist es aber langsam Zeit, die Geschäfte in jüngere Hände zu übergeben.“ Über fünf Jahrzehnte leitete Gartner zusammen mit seiner Frau Helga die Geschicke eines der ältesten Wasserburger Handwerksbetriebe – der Glaserei am Weberzipfel.

Wasserburg – Wann hagelt es eigentlich für Glasereien die meisten Aufträge? „Logisch, wenn’s hagelt oder stürmt“, schmunzelt Hans Gartner. Wie 1984, als am 12. Juli eine Hagelfront über Stadt und Altlandkreis Wasserburg zog. „Wir hatten danach vier Wochen lang alle Hände voll zu tun. Akkordarbeit war angesagt“, so Hans Gartner. Auch Bruder Werner, der heutige Zweite Bürgermeister der Stadt, half damals fleißig mit.

Los ging es übrigens für den Familienbetrieb in der Altstadt 1913 mit einem Haushaltswarengeschäft, das 1938 um die Glaserei erweitert wurde. „Glas, Spiel- und Haushaltswaren – das gehörte schon immer zusammen. Auch Ski- und Filmstar Toni Sailer hat genau das gleiche Geschäft in Kitzbühel betrieben“, weiß Helga Gartner, die übrigens ihrem Mann nicht sofort in den Ruhestand folgt. „Ich bleibe dem Familienbetrieb im Büro und in Rahmen-Geschäft erhalten“, sagt sie. Das erleichtere auch dem neuen Geschäftsführer den Übergang.

Einer der härtesten Einschnitte in der Geschichte der Firma Gartner war 2014 die Schließung der Haushaltswaren-Sparte nach 101 Jahren. „Das haben wir uns nicht leicht gemacht, aber die Zeit war einfach reif dafür“, sagt Hans Gartner rückblickend. Der heute 66-Jährige, dem die Glaserei quasi in die Wiege gelegt worden war und der mit 14 Jahren in den elterlichen Betrieb einstieg, ist vielen Wasserburgern auch als ehemaliger Stadtrat für den Wasserburger Block und vor allem als Sportler bekannt. Seit unzähligen Jahren ist er der Kapitän der Tennismannschaft Herren 50 des TSV. Früher war Gartner auch als Basketballer im Einsatz – nicht wenige Korbrekorde stehen in den Anfangsjahren des Wasserburger Basketballs für ihn zu Buche.

Gelernt hat Gartner sein Handwerk von der Pike auf. Von der Ausbildung an der Bundesglasfachschule bei Frankfurt über die Übernahme des Geschäftes 1978 bis zum Goldenen Meisterbrief waren es allerdings ein paar Jahrzehnte. Dazwischen gab’s für Hans und Helga Gartner auch jede Menge familiäres Glück, wie die Geburt der Zwillinge Johannes und Helena vor 30 Jahren.

„Wenn man seinen Job mit Leib und Seele macht, überträgt sich das auf die Mitarbeiter.“ Hans Gartner

Zahlreiche Auszubildende, Gesellen und Meister beschäftigte das Familienunternehmen Gartner im Laufe der Jahre. Nicht wenige Auszeichnungen gab es für Lehrlinge wie Mitarbeiter. Viele von ihnen sind auch heute noch dem Betrieb eng verbunden. „Wenn man seinen Job mit Leib und Seele macht, überträgt sich das auch auf die Mitarbeiter“, so Gartner, der an seinem Beruf vor allem eines liebt: „Die Abwechslung. Vom Bilderrahmen bis zur Dachverglasung gibt es da eine wahnsinnig große Spanne.“ Und auch jede Menge Anforderungen: Wie zum Beispiel die körperliche. „Glas hat das gleiche spezifische Gewicht wie Beton. Da muss man schon richtig anpacken können.“

Langweilig wird’s Hans Gartner auch im Ruhestand sicher nicht. Skitouren, Schafkopfen, Tennis und Reisen – seine Hobbys haben eine Bandbreite wie sein Beruf. Mit dem ist jetzt am heutigen 31. Januar Schluss.

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