GEGEN AUSGELAUGTE ÄCKER

Gesunder Boden, gutes Brot – Bäckerei Finkennest in Schonstett beteiligt sich an Bildungskampagne

Simon Fink von der Bäckerei Finkennest in Schonstett setzt beim Backen auf sein eigenes Getreide.
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Simon Fink von der Bäckerei Finkennest in Schonstett setzt beim Backen auf sein eigenes Getreide.
  • Sophia Huber
    vonSophia Huber
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Die Verbindung zwischen gesundem Boden und gutem Brot zurück ins Bewusstsein zu rufen, das ist Simon Fink, Landwirt und Geschäftsführer der kleinen Bäckerei Finkennest in Schonstett, wichtig. Gemeinsam mit 43 weiteren Bäckereien beteiligt er sich deshalb an der Kampagne Boden-Brot der Freien Bäcker e.V.

Schonstett – „Unsere Böden sind sehr ausgelaugt“, findet Fink. „Mit der Aktion wollen wir ein Bewusstsein dafür schaffen.“ Dabei gehe es nicht nur darum, die Problematik dem Verbraucher näher zu bringen, die Freien Bäcker wollen vor allem die Landwirte dafür sensibilisieren. „Mit jedem verkauften Brot ist eine Spende von einem Euro verbunden, der dann in ein Bildungsprogramm für Landwirte eingeht“, erklärt Fink. Denn laut den Freien Bäckern sei – neben der Versiegelung fruchtbarer Böden durch Umwandlung in Siedlungs-, Gewerbe- und Verkehrsflächen – vor allem die intensive Landwirtschaft der Hauptgrund für den Verlust von Böden und Bodengesundheit.

„Der Boden braucht einen bestimmten Humus-Gehalt, damit wir gutes Brot backen können“, erklärt Fink. Humus sei wichtig, um die Bodenfruchtbarkeit, die Erträge und die Wasserspeicherfähigkeit der Böden zu fördern, Ziel sei, ihre Erosionsanfälligkeit zu mindern.

Winzige Lebewesen im Boden sind wichtig

„Die Verfügbarkeit und die Vielfalt unsere Nahrung hängen tatsächlich von unzählige, winzigen Lebewesen ab, die die oberste Schicht des Bodens beleben“, erklärt auch Anke Kähler, Vorstandsvorsitzende der Freien Bäcker, „Im Verborgengen versorgen sie die Pflanzen mit Nährstoffen und Wasser, wandeln organisches Material zu Humus um und sorgen dafür, dass CO2 im Boden gespeichert wird.“

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Bei der Aktion Boden-Brot backen auch deshalb nur Handwerks-Bäckereien mit, die ihre Brote mit Getreide backen, das direkt von den regionalen Erzeugern kommt. Dazu gehört auch das Finkennest. „Ich nehme nur mein eigenes Getreide“, erklärt Fink, der neben der Bäckerei auch eine Biolandwirtschaft betreibt. Für einen gesunden Boden sorge bei ihm das Anbauen in drei Fruchtfolgen. Er setzt außerdem auf Blühwiesen, um den Humus-Gehalt im Boden aufrecht zu erhalten.

Dass die Gesundheit des Bodens wichtig für ein gutes Brot und das Bäckerhandwerk ist, bestätigt auch Wolfgang Sattelberger, Obermeister der Bäcker-Innung Rosenheim. „Wir brauchen einen gewissen Humus-Gehalt.“

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Die Situation bei den Landwirten verbessere sich aber derzeit. „Es gibt viele Biobauern, die darauf achten und mit den entsprechenden Fruchtfolgen anbauen“, so Sattelberger. Auch bei den Bäckereien gibt es einige, die Wert darauf legen würden, woher ihr Getreide komme. Die Situation habe sich vor allem in den vergangenen Jahrzehnten stark verbessert. „In den Siebzigerjahren haben die Bäckereien fast gar kein Getreide aus Deutschland oder Bayern gekauft. Da wurde es von Kanada herverschifft.“

Ziel: Getreide von regionalen Bauern

Dennoch sind es weiterhin meist kleinere, handwerkliche Bäckereien, die das Getreide von regionalen Landwirten beziehen. „Ich schätze, in unserer Innung sind das an die fünfzehn Prozent“, so Sattelberger. „Aber der Begriff regional ist dehnbar, wenn wir den Bezug von Getreide aus Miesbach hinzunehmen, sind es viel mehr.“

Die geplante Bildungskampagne, bei der geschulte Boden-Profis in die Berufsschulen für Landwirte geschickt werden sollen, macht laut Josef Bodmaier, Kreisobmann des Bauenverbands Rosenheim, durchaus Sinn. „Das ist ein wichtiges Thema“, sagt der Bio-Landwirt.

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Bodmaier selbst achtet neben den Fruchtfolgen auch darauf, mit welchen Geräten er auf seine Felder fährt. „Bei den schweren Maschinen heißt es zwar, dass sie durch die großen Reifen ihr Gewicht verteilen, doch der Druck auf den Boden ist trotzdem enorm.“ Dennoch gibt Bodmaier zu bedenken, dass der Lehrplan an den Landwirtschaftschulen auch jetzt schon sehr dicht sei und Inhalte auch in diese Richtung habe. „Da muss man natürlich schauen, was der Lehrplan hergibt.“

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