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Entsorgtes Unfallauto fährt wieder

50 Jahre lang war er im Wald vergraben: Jetzt hat der „Waldkäfer“ aus Unterreit sogar wieder TÜV

Flo Rauscheder hat mit seiner Freundin Laura Ubrig eine Partnerin an seiner Seite, die seine Liebe zu dem Waldkäfer teilt.
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Flo Rauscheder hat mit seiner Freundin Laura Ubrig eine Partnerin an seiner Seite, die seine Liebe zu dem Waldkäfer teilt.
  • Andrea Klemm
    VonAndrea Klemm
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An die 50 Jahre war der VW Käfer im Wald in Unterreit vergraben, bis ihn Bastler aus Kraiburg entdeckten. Mehrere 1000 Kilometer hat er bereits auf dem Buckel und fährt immer noch, sogar mit TÜV.

Kraiburg/Unterreit – „Ich hatte Bammel vor dem TÜV-Termin“, berichtet Flo Rauscheder aus Kraiburg. Eine Vollabnahme nach Paragraf 21 stand an, das ist Pflicht für Fahrzeuge, die länger als sieben Jahre außer Betrieb waren. Und das war der Waldkäfer, denn der fristete sein Dasein als entsorgtes Unfallauto, verschüttet und vergraben in einem Wald bei Unterreit an die 50 Jahre lang. Bis ihn der Schrauber Flo Rauscheder zusammen mit seinem Bruder Markus ausgegraben hat – teilweise mit der Hand.

Jetzt ist er komplett restauriert und hat schon mehrere 1000 Kilometer auf dem Buckel. Denn am Tag nach dem TÜV-Termin ging es von Kraiburg nach Hannover zum Maikäfertreffen, dann nach Holland und über die Normandie zurück nach Hause. Natürlich pannenfrei, versteht sich.

Als Eigentumsnachweis dient ein Kaufvertrag über „Schrott“

Flo kennt jede Schraube. Sämtliche Schweißnähte sind von ihm selbst gesetzt. Jedes noch so kleine Teil hat er gewartet und instand gesetzt. Darum zitterte Rauscheder vor der Vollabnahme auch nicht wegen der Verkehrstüchtigkeit seines „Rollin‘ Wonders“. „Trotzdem war es der Wahnsinn. Die Hürde war, dass ich einiges eintragen lassen musste, also den Motor, der eine Feuerwehrpumpe ist, Fahrwerk, Felgen. Außerdem gab es keine Papiere, weil es sich ja ursprünglich um ein illegal entsorgtes Auto handelte. Alles etwas kompliziert“, sagt der Kraiburger.

Ohne Eigentumsnachweis könnte ja jeder daherkommen. Darum muss man beim „Paragrafen fahren“ einiges beachten. Also hat Rauscheder mit dem Pächter des Waldes, in dem der Käfer von Unbekannten vergraben worden war, einen Kaufvertrag über „Schrott“ abgeschlossen.

Viele 1000 Stunden in liebevoller Handarbeit gewerkelt

Ein Stapel Papierkram war nötig. „In dem Moment, in dem in der Behörde dann das TÜV- und das Zulassungspickerl auf meine Nummerntaferl geklebt wurden, fiel mir ein tonnenschwerer Stein vom Herzen.“ Die Erleichterung ist ihm anzusehen.

Wie viele Stunden liebevoller Handarbeit der 40-Jährige seit der Bergung im September 2019 bis heute in sein verrücktes Projekt gesteckt hat, das kann er nicht genau sagen. Mehrere Tausend seien’s gewiss gewesen, sagt er und lacht.

Kurz vor der TÜV-Abnahme: Der Waldkäfer ist bereit. Hier steht er noch in der eigenen Werkstatt in Kraiburg von Flo Rauscheder.

Viel Geld habe er nicht investieren müssen. Fast alles besteht aus Schrott, den er recycelt,, aus anderen Waldfunden herausgeschnitten oder mit anderen Bastlern getauscht hat. Nur Bremsen und Verschleißteile sind neu, Sicherheit geht vor, sagt Rauscheder. Optisch ist alles alt und rostig, mit Owatrol konserviert. Der gewollte „Rat-Look“ zieht die Blicke auf sich. Erbsengroße LED-Blinkerlichter mit Straßenzulassung sind dezent in den Stoßstangenhörnern angebracht.

Vogelnest dient als Deko

Als er seinen Waldkäfer ausgegraben hatte, waren einige Teile sogar noch intakt und wiederverwendbar, etwa das Zündschloss, ein Winker-Blinker, die Innenraumleuchte und Teile der Innenverkleidung. Auch das Nest, das ein Vogel in den Himmel des Wagens gebaut hatte, durfte bleiben und der Fuchskieferknochen, der im Fußraum gelegen hatte, fand als Deko seinen Platz. Flo war es wichtig, die Geschichte des alten Kugelporsches auf seine Art zu würdigen.

Das ist eine Liebe zu diesem Kernschrott-Kunstwerk auf vier Rädern, die nicht jeder versteht. Die ein oder andere Beziehung hat das nicht ausgehalten. Manchmal verschwand Flo stundenlang in seiner Werkstatt, um technische Probleme zu lösen oder knifflige Schweißarbeiten vorzunehmen. Er war wie besessen von der Idee, aus dem Schrott etwas Schönes zu schaffen. Nicht jede Partnerin hat auf Dauer Verständnis für so ein Hobby.

Die Liebe zu alten Dingen schweißt zusammen

Laura Ubrig (26) aus Burghausen sieht das anders, sie ist seit einigen Monaten die große Liebe von Flo Rauscheder. Kennengelernt haben sich die beiden bei der Post, wo sie als Zusteller ihre Brötchen verdienen. Laura mag auch alte Dinge, schätzt es, wenn sie erhalten werden. Ressourcen schonen, aus Nichts etwas machen, das ist ihr Ding.

Kein Wunder also, dass sie es toll fand, als er ihr beim Kennenlernen einen alten Fahrradscheinwerfer aus dem Jahr 1920 in Geschenkpapier eingewickelt zu Weihnachten überreichte. „Der Rest steht bei mir daheim, wenn du dich traust, komm und hol’s dir ab“, sagte er zu ihr, der sich selbst ein Presto-Rad aus dem Jahr 1935 hergerichtet hatte.

Roadtrip nach Holland und Frankreich pannenfrei geschafft

Sie folgte der Einladung. So kamen sie zusammen und restaurierten für Laura das hundert Jahre alte Fahrrad gemeinsam, das auch aus diversen Schrott-Teilen besteht. Die junge Frau lernte sogar schweißen.

Das Fernsehen ist da: Schrauber Flo im Käfer wird gefilmt vom Fernsehteam Wolfram Wittstock, Jürgen Neumann und Benedikt Preisinger (von links).

Und sie begleitete ihren Flo auf dem Roadtrip nach Hannover, Holland und Frankreich. „Wenn wir nichts zum Übernachten finden, pennen wir im Auto“, sagte Flo vorab lachend. „Man muss sich schon mögen, in so einem engen Wagen“, findet Laura.

Sie packten Ersatzteile in den Kofferraum: Keilriemen, Zündkerzen, Unterbrecher, Verteiler, Vergaser, eine Handvoll Schrauben, Panzertape und Draht. Für alle Fälle. In Schrauberkreisen kursiert der Spruch: „Mit Hammer, Zange, Draht, kommst bis nach Leningrad.“ Ein Waldkäfer aus der Rauscheder’schen Werkstatt hat das nicht nötig.

Waldkäfer ist inzwischen eine Berühmtheit

Durch die Berichterstattung der Wasserburger Zeitung ist der Waldkäfer inzwischen zu einer kleinen Berühmtheit geworden. Neben der Autobild-Classic, die eine Langzeit-Doku machte, sowie diversen anderen Magazinen ist nun das Fernsehen zu Gast in der Kraiburger Hinterhofwerkstatt von Flo Rauscheder gewesen. An zwei Tagen entstand mit einem Team des Bayerischen Rundfunk ein Porträt über den Schrauber und seine „Rostlauben“. Und auch beim Maikäfertreffen in Hannover wurden Flo und sein Wagen von anderen Käfer-Freaks belagert und am Vorabend zur Cruise Madness mitgenommen. Youtube- und Instagram-Größen der Käfer-Szene quatschten Flo und Laura an, sie kamen kaum von ihrem Wagen weg, Videos und Storys wurden erstellt, neue Fans kamen dazu. „Der Wahnsinn“, berichtet Flo. „Überwältigend“, sagt Laura über das Erlebnis.

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