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Aus dem Rosenheimer Gerichtssaal

40-Jähriger auf Bewährung stiehlt: Steckt ihn das Gericht in den Knast?

Anhand der IP-Adresse auf dem iPad kam die Polizei dem Dieb auf die Schliche.
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Anhand der IP-Adresse auf dem iPad kam die Polizei dem Dieb auf die Schliche.
  • VonTheo Auer
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In Rosenheim stand ein Mann vor Gericht, der wegen einer vorherigen Straftat auf Bewährung war. Doch er stahl erneut. Das ist das überraschende Urteil.

Amerang – Vor dem Rosenheimer Gericht wurde unter Vorsitz von Richterin Melanie Lanzendorfer ein Fall verhandelt, bei dem es um einen Diebstahl ging, den ein 40-jähriger Angeklagter verübt hatte, während er auf Bewährung war.

Die Anklageschrift lautete: Ende November 2020 bemerkten die Mitarbeiter einer Firma in Amerang, dass aus einer Schublade des Schreibtisches im Lager ein ipad fehlte. Ein Verdächtiger konnte zunächst nicht ausgemacht werden.

IP-Adresse des Täters half bei den Ermittlungen

Im Februar meldete die Firma Apple, dass sich auf dem iPad, dessen Käufer dem Händler bekannt war, ein Unbekannter angemeldet habe, ohne dass ein Besitzerwechsel bekannt geworden sei.

Die Polizei ging der IP-Adresse nach und stieß auf einen Mann, der erklärte, er habe das Gerät ordentlich erworben. Als Verkäufer nannte er einen 40-Jährigen, der in der Ameranger Firma gearbeitet hatte. Dieser bestritt allerdings den Diebstahl und erklärte, er habe ein Schrottgerät aus dem Elektromüll der Firma mit nach Hause genommen, und das sei erlaubt gewesen. Der wahre Dieb müsse das iPad dort platziert haben.

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Noch bevor im Rosenheimer Gerichtssaal in die Verhandlung eingetreten werden konnte, bat der Verteidiger, Rechtsanwalt Oliver Drexler, um ein Rechtsgespräch. Anstatt dieser Einlassung weiter zu verfolgen, bemühte sich der Verteidiger, die besonderen Lebensumstände des Angeklagten darzustellen. Der war nämlich im Dezember 2017 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden und hätte bei einem Widerruf derselben 22 Monate Strafhaft verbüßen müssen – plus eine etwaige neue Strafe.

Der 40-jährige Mann, zwischenzeitig in einer neuen Anstellung, bezeichne sich selber in mehrfacher Hinsicht als dumm, so der Verteidiger. Sein Mandant schwor Stein und Bein, keinesfalls erneut rückfällig zu werden. Auch versprach er dem Käufer des Gerätes, ihm den Kaufpreis umgehend zu erstatten.

Gericht, Staatsanwältin und Verteidigung einigten sich infolgedessen einvernehmlich darauf, dass der Angeklagte bei einem umfassenden Geständnis mit einer Gefängnisstrafe zu rechnen habe, die nochmals zur Bewährung ausgesetzt werden könne. So konnte auf die Vernehmung der einbestellten Zeugen verzichtet werden, da ihre Aussagen nicht mehr entscheidend waren. Lediglich der ermittelnde Sachbearbeiter der Polizei berichtete vom Gang der Ermittlungen, die das Geständnis des Angeklagten als wahr bestätigten.

Die Staatsanwaltschaft beantragte in ihrem Plädoyer, den Dieb zu einer Haftstrafe von sieben Monaten mit der letztmaligen Chance einer Bewährungszeit zu verurteilen. Der Verteidiger hielt unter den gleichen Bedingungen eine Strafe von fünf Monaten auf Bewährung für ausreichend.

Bei der nächsten Straftat zwingend ins Gefängnis

Das Gericht unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Lanzendorfer verurteilte ihn zu einer Strafe von sechs Monaten auf Bewährung. Sie machte deutlich, dass der Angeklagte das Vertrauen seines Arbeitgebers schändlich missbraucht habe. „Nur mit viel Glück haben Sie nochmals die Chance der Bewährung erhalten. Ein nächstes Mal würden Sie zwingend in das Gefängnis gehen“. Dann müssten bei einer Verlängerung der alten Bewährungszeit beide Strafen hinter Gittern verbüßt werden.

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