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GEMEINDERAT PFAFFING

Geplantes neues Baugebiet in Pfaffing sorgt für Konflikte und viel Kritik

Das geplante Baugebiet auf dieser Wiese trifft nicht nur auf Zustimmung.
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Das geplante Baugebiet auf dieser Wiese trifft nicht nur auf Zustimmung.
  • vonKarlheinz Günster
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Eine schwere Geburt erlebt das geplante neue Baugebiet in Pfaffing südwestlich des Hauptortes. Es gibt viel Kritik – nicht nur von den Behörden, sondern auch von Bürgern. Doch der Gemeinderat sieht keine Alternative zum Vorhaben.

Pfaffing – Auf vier Hektar soll sich das neue Baugebiet mit bis zu 80 Parzellen über einen Zeitraum von zehn Jahren ausdehnen. Die Hälfte der Parzellen sind für Einheimische vorgesehen. Betroffen vom Vorhaben ist ein 50 Meter entfernter Bauernhof bei Werfling, dessen Betriebsgeräusche und Geruch sich auf die neuen Nachbarn auswirken könnten.

Hunde könnten für Konfliktpotenzial sorgen

Diese Problematik sprachen Vertreter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes an. „Konflikte“ seien möglich, auch durch die Hunde der neuen Bewohner, die ihren Kot in den Wiesen hinterlassen könnten. Die Verwaltung schlug ein Gutachten dazu vor, das die Thematik „vertiefend“ prüfen soll.

Der Bayerische Bauernverband forderte ein Wegenetz auch für „überbreite landwirtschaftliche Fahrzeuge“. Der Gemeinderat sicherte zu, dass die Wege erhalten bleiben. Stromleitungen könnten in die Erde verlegt werden, vermutete Martin Niedermeier vom Bauamt, als es um die 20-Kilovolt-Leitungen des Bayernwerks und dessen Stellungnahme ging.

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Die Auswirkungen auf die Umwelt thematisierte der Bund Naturschutz. Er vermisste Maßnahmen zum Klimaschutz angesichts der Einfamilienhäuser und des damit verbundenen hohen Flächenverbrauchs. Das „Schutzgut Klima“ sei nicht betrachtet worden, meinte die Institution, das Baugebiet sei in dieser Form „nicht zeitgemäß“.

Der Rat antwortete darauf, dass diese Fläche „keine herausgehobene Bedeutung besitzt“, hingegen habe der Wohnbedarf „gesteigertes Gewicht“. Zudem stünden Flächen innerorts nicht zur Verfügung.

Gemeinderat Maximilian Wegmaier (UBG) hakte nach, was mit dem weiteren Vorwurf, des BUND, „nicht europarechtskonform“ zu handeln, gemeint sei. Das betreffe ein andersartiges Verfahren, denn für das geplante Baugebiet verfüge die Kommune über Ausgleichsflächen, erklärte Bürgermeister Josef Niedermeier (FWF).

Regierung: Vorhaben problematisch

Gemeinderat Klaus Wagenstetter (FWF) betonte: „Wir brauchen Wohnungen, das ist enorm wichtig“, zur Lösung dieses Mangels seien Mehrfamilienhäuser besser geeignet als Einfamiliengebäude.

Das Landratsamt in Rosenheim bemängelte die „nicht gelöste Nutzungskonfliktsituation“ in Bezug auf die Landwirtschaft. Eine Trennung“ von Landwirtschaft und Wohnen sei möglich“, lautete die Antwort der Gemeinde, doch erst später beim Bebauungsplan würden Details wie auch die „definierte Eingrünung“, die von der Unteren Naturschutzbehörde vermisst wurde, umgesetzt.

Während die Gemeinde von steigenden Einwohnerzahlen ausgeht sowie vor einer Abwanderung von Bürgern aufgrund fehlender Baumöglichkeiten warnt, ist das Vorhaben für die Regierung von Oberbayern als „problematisch einzustufen“. Nach Einschätzung der Behörde sei die Bevölkerungszahl mit „Tendenz stagnierend“ zu bezeichnen.

Einheimische sollen nicht abwandern

Ohne dieses Baugebiet müssten „ortsansässige Bürger abwandern“, antwortete die Verwaltung darauf.

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Angesichts der Menge der Einsprüche fragte Maximilian Wegmaier (UBG), ob das bei neuen Baugebieten so üblich sei. Martin Niedermeier aus der Verwaltung sah hierin nichts Außergewöhnliches, bisherige Konflikte seien stets zu lösen gewesen. Weiterhin erkundigte sich Wegmaier nach der Auslastung des ortsansässigen Arztes. Verwaltungsleiter Christian Thomas antwortete, die Gemeinde sehe kein Problem bei der Versorgung.

Der Billigungsbeschluss fiel einstimmig. Kleinere Änderungen werden eingearbeitet, dann wird dieser Entwurf wieder ausgelegt.

Das sagen die Kritiker

18 Stellungnahmen aus der Bevölkerung und von einem Anwaltsbüro aus München waren zum geplanten neuen Pfaffinger Baugebiet eingegangen. Weil sich die Schreiben teilweise gleichen, erklärte Martin Niedermeier vom Bauamt, sei im Gemeinderat nach Argumenten sortiert worden. Es gab außerdem Einwendungen, die den Bebauungsplan betrafen. Sie werden erst bei dessen Aufstellung behandelt.

Bürger in Sorge, ob die Infrastruktur ausreicht

Bemängelt haben die Bürger unter anderem, dass die Infrastruktur in Pfaffing ihrer Meinung nach nicht genügend ausgestattet ist. Die Kläranlage sei ausreichend, lautete die Antwort, das Abwasser könne sogar durch die höhere Auslastung im Preis sinken. Die Kindergärten würden sowieso derzeit erweitert, auch die Schule biete genügend Raum.

Die Straßen würden ebenfalls nicht über Gebühr belastet. , es werde mit 600 Fahrten täglich gerechnet. Damit seien „keine unzulässigen Beeinträchtigungen zu erwarten“, hieß es im einstimmig gefassten Beschluss zu dieser Abwägung.

Für eine ausreichende Zufahrt zum Baugebiet und zur angrenzenden Landwirtschaft werde gesorgt. Auch deren Emissionen würden noch untersucht. Der Anwalt des betroffenen Landwirts sah hingegen unter anderem „unauflösbare Konflikte“ kommen.

Unterschiedliche Interpretation der Bevölkerungsentwicklung

Dass der gemeindliche Anteil an den Grundstücken nur 50 Prozent betrage, sei nicht zu ändern, mehr habe man nicht erhalten, antwortete Bürgermeister Josef Niedermeier (FWF) auf einen entsprechenden Einwand. Diese Parzellen biete man hiesigen Bürgern im Rahmen eines Wohnbaumodells an.

Kritische Einwender kommen nur auf einen Anteil von bestenfalls 30 Prozent. Die Gemeinde geht von der Zunahme der Bevölkerungszahlen aus, den Bedarf decken aber nicht diejenigen, die ihre Häuser aufgeben, lautete ein Argument der Verwaltung.

Während sämtliche Beschlüsse in dieser Abwägung einstimmig erfolgten, gab es beim Thema Bedarf zum Bauland für Einheimische und sparsamer Umgang mit Grund und Boden jeweils eine Gegenstimme im Rat.

Notwendigkeit in Frage gestellt

Bemängelt wurde außerdem die nach Meinung der Kritiker auftretende Verschwendung von Flächen, die Vernichtung von landwirtschaftlichem Grund, der „gering geschätzte Umweltschutz“, der versperrte Ausblick in die Berge und überhaupt: Weshalb erweitere man nicht im Norden Pfaffings?

Enttäuscht sind Einwender aus der Bürgerschaft angesichts der ihrer Meinung nach mangelnden Transparenz bei der Entscheidungsfindung.

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