Fürs Auge und die Seele

Wie Yvonne Streicher aus Soyen und andere Frauen mit selbst Genähtem schwer kranken Kindern helfen

Ihre Freizeit verbringt Yvonne Streicher zum Großteil vor der Nähmaschine und unterstützt damit kranke Kinder und Jugendliche.
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Ihre Freizeit verbringt Yvonne Streicher zum Großteil vor der Nähmaschine und unterstützt damit kranke Kinder und Jugendliche.
  • Sophia Huber
    vonSophia Huber
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Bunte Taschen, Kissen, Decken, Beutel stapeln sich bei Yvonne Streicher. Alles selbst genäht, in liebevoller Handarbeit. Damit unterstützt die junge Mama aus Soyen kranke Kinder und bringt Farbe in den Kinderklinikalltag.

Soyen – „Die wahren kleinen Helden haben derzeit etwa fünfzehn aktive Näherinnen“, erklärt die Mutter aus Soyen stolz. Wahre kleine Helden das sind, wie Streicher erklärt, Kinder und Jugendliche, die heldenhaft gegen die unterschiedlichsten Krankheiten kämpfen. Für sie näht die Gruppe Lagerungskissen oder Taschen, in denen sich Urin- oder Infektionsbeutel gut verstecken lassen. „Wir wollen den Eltern und Kindern eine kleine Freude bereiten“, erklärt Streicher, „und ein wenig Farbe in den tristen Klinikalltag bringen.“

Kämpfen ist das neue cool sein“, das wird den wahren kleinen Helden auf den Weg gegebenen.

Vier Stationen werden beliefert

Inzwischen beliefert die Organisation „Nähen für wahre kleine Helden“ vier Kinderkliniken, „Wir arbeiten mit dem Palliativteam Landshut, der Klinik Schwabing, der Klinik Vogtareuth und natürlich dem Haunerschen Kinderspital zusammen.“

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In Letzterem hat alles vor drei Jahren angefangen. „Im Kindergarten von meinem Sohn ist damals ein Kind an Krebs erkrankt“, erklärt die Gründerin der Gruppe, „und da macht man sich natürlich Gedanken. Ich habe lange überlegt, was ich tun kann. Nach einigem Hin und Her habe ich dann seine Mama angeschrieben und gefragt, ob ich etwas für ihn nähen soll.“ Dabei entstand die erste Tasche für den Infektionsbeutel. Anschließend habe sie noch eine Mütze genäht. „Das machen wir immer, wenn die Haare ausfallen.“

Mit dem Haunerschen Kinderspital fing alles an

Die Klinik habe sich daraufhin an Streicher gewandt und gefragt, ob sie so etwas öfter machen würde. „Die Mutter hat wohl mit einer der Pflegerinnen gesprochen und erzählt, dass ich den Beutel genäht habe.“ Die gelernte Krankenpflegerin ging dem Wunsch der Klinik gerne nach.

„Trotzdem hatte ich zu dem Zeitpunkt nicht den Plan eine Organisation zu gründen“, erklärt sie. Sie habe sich bei einigen Nähgruppen auf Facebook lediglich Tipps und Bauwollstoffreste holen wollen. „Bis dahin war ich nämlich eher die Jersey-Näherin“, sagt sie.

Mit schrillen Mustern wird der triste Alltag in der Kinderklinik ein wenig bunter.

Benötigte Materialien kommen von Stoffspenden

Über die Facebookgruppe habe sie dann aber einige ihrer Mitstreiterinnen kennengelernt. „So ist dann entstanden. Jetzt organisieren wir alles zu dritt“, erklärt Streicher. Neben den Organisatorinnen kommen noch die Näherinnen hinzu. „Das wechselt aber immer wieder, mal kommt jemand dazu, dann geht wieder jemand.“

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Die benötigten Materialien erhält die Gruppe vor allem über Stoffspenden. „Einmal haben wir auch eine Versteigerung veranstaltet, um Geld für das Porto zu sammeln.“

Die Mutter ist selbst Krankenpflegerin und weiß, was die Kinder und Eltern benötigen. „Vor einigen Jahren war ich Schulbegleiterin und habe schwerbehinderte Kinder und Jugendliche betreut. Einige mussten auch beatmet werden. Damals habe ich mir oft Halstücher gewünscht, die man um die Kanüle legen kann“ Sie sei aber noch nicht darauf gekommen diese selber zu nähen. „Mit dem Nähen habe ich erst nach der Geburt meines zweiten Sohns angefangen.“

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5.000 Stücke werden jährlich verschenkt

Inzwischen kommt es vor, dass Streicher einem Krankenhaus 30 bis 40 Kisten gefüllt mit den Nähwerken schickt. In einem Jahr näht ihre Organisation etwa 4000 bis 5000 Stücke. „Die Krankenhäuser brauchen natürlich sehr viel. Denn alles, was wir nähen, ist ein Geschenk an die Kinder.“

Das Ziel ihrer Gruppe sei es, vor allem etwas für die „Großen“ zu nähen. „Es gibt viele Gruppen, sogar bundesweit, die sich auf Frühchen und kleine Kinder spezialisiert haben“, erklärt sie. Diese zu unterstützen sei natürlich wichtig, „aber es wird doch oft vergessen, dass es in einer Kinderklinik auch ältere Kinder und Jugendliche gibt. Die Kliniken sind schließlich für Patienten bis 18 Jahre zuständig.“ Und diese Kinder bräuchten eben auch genähte Unterstützung.

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