Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Kunst & Kultur

Gemälde von Wasserburger Maler Gregor Sulzböck identifiziert

Ein Gemälde von Jesus bei Maria und Martha „Jesus zu Gast im Hause von Maria und Martha“, ein Geschenk des Malers Gregor Sulzböck aus dem Jahre 1690 an das Rathaus zu Dorfen. Im Bild unten zu sehen ist die Signatur des Malers G.S.P.
+
Ein Gemälde von Jesus bei Maria und Martha „Jesus zu Gast im Hause von Maria und Martha“, ein Geschenk des Malers Gregor Sulzböck aus dem Jahre 1690 an das Rathaus zu Dorfen. Im Bild unten zu sehen ist die Signatur des Malers G.S.P.

Geheimnis gelüftet: Sechs Werke des Wasserburger Barockmalers Gregor Sulzböck waren fälschlicherweise einem anderen Künstler zugeordnet.

Wasserburg – Manchmal sind es unscheinbare Fußnoten in Beiträgen, die einen hellhörig werden lassen und Nachforschungen auslösen, an deren Ende eine kleine Sensation steht. Die Notiz, dass es ähnlich wie im Wasserburger Rathaus auch in Mühldorf und Dorfen sogenannte Gerechtigkeitsbilder gebe, wobei die Gemälde im Dorfener Rathaus einem Künstler zugeordnet wurden, der mit C.S.P. signiert hat, erregte Aufmerksamkeit.

+++ Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Wasserburg finden Sie hier. +++

In einer Dissertation war knapp angedeutet worden, dass die Initialen und der Malstil nicht – wie bislang angenommen – zum Hofmaler C(aspar) S(ing) passen. So war die Frage nach der Urheberschaft von sechs barocken Gemälden weiterhin ungelöst.

Ein Lesefehler im 20. Jahrhundert

Nachdem sich der ehemalige Wasserburger Heimatpfleger und Museumsleiter Ferdinand Steffan jahrzehntelang mit den barocken Bildhauern und Malern der Stadt beschäftigt hatte, reifte der Verdacht, dass die Signatur zu Gregor Sulzböck (geboren etwa 1636 Eggenfelden, Bürgeraufnahme 1658, gestorben 1698 in Wasserburg) gehören könnte. Ein ehemaliger Kollege aus Dorfen stellte die nötigen Detailfotos der Signaturen zur Verfügung und es stand fest: Die Initialen lauten G.S.P. und durch einen Lesefehler zu Beginn des 20. Jahrhunderts war man über hundert Jahre einem Phantom nachgejagt. Mittlerweile sind auch Dorfener Forscher durch die bisherigen Veröffentlichungen in unserer Heimatzeitung zu Gregor Sulzböck auf den Künstler gestoßen.

Auch interessant: Literarischer Spaziergang mit Heimatforscher Ferdinand Steffan am Altstadtfriedhof Wasserburg

Da man vergleichbare Signaturen Sulzböcks auf Bildern in Wasserburg – wie das Auszugsbild in der Frauenkirche oder das Gerechtigkeitsbild im Sitzungssaal des Rathauses – kennt, ist die Zuschreibung der sechs Bilder in Dorfen, die zwischen 1686 und 1690 entstanden sind, an Sulzböck nun gesichert.

Abgesehen davon gibt es einen weiteren Bezug zu Wasserburg, da der Stifter des ersten Bildes vom Jahr 1686 ein Andreas Plaichshirn ist, Gastgeber und Kämmerer von Dorfen. Dieser Familienname ist auch in Wasserburg geläufig, wie die erhaltenen Epitaphe am Portal des Altstadtfriedhofs und Porträts im Städtischen Museum belegen. Zwar wird dieser Andreas Plaichshirn von einem Haager Bräuhausverwalter abgeleitet, doch dürfte die Stammfamilie in Wasserburg sitzen, wo über mehrere Generationen der Vorname Andreas vorkommt.

Für Sie interessant: Sperrung der Wasserburger Serpentinen bringt auch den Stadtbus aus dem Takt

So haben durch einen Zufallsfund die Dorfener das Rätsel um den Künstler ihrer Bilder gelöst und die Wasserburger können dem Werkverzeichnis ihres Malers sechs weitere Arbeiten hinzufügen. Auch hier konnte die Frage nach der Autorschaft der Rathausbilder erst 2010 bei einer Restaurierung beantwortet werden und die des Auszugsbildes in der Frauenkirche gar erst 2018, als das Gerüst um den Hochaltar aufgebaut war.

Sechstes Gemälde für Forschung interessant

Gregor Sulzböck gehört zu einer von mehreren Wasserburger Malerwerkstätten, die von den Pittenhartern über Strohvogl, Sulzböck, Heller, Aigner, Kurz und Bernhard(t) einen Zeitraum von 1570 bis 1836 abdeckt. Neben den typischen Motiven der Gerechtigkeitsbilder, wie sie auch im Wasserburger Rathaus zu finden sind, mit dem Urteil des Salomon und dem Prozess Jesu vor dem Hohen Rat, ist vor allem das sechste Gemälde für die örtliche Forschung interessant: Sulzböck hat hier eine (noch unbekannte) grafische Vorlage zum Aufenthalt Jesu im Hause von Maria und Martha kopiert, mit Jahreszahl und seinen Initialen auf dem Zunftschild der Maler versehen und dieses Gemälde dem Rathaus von Dorfen zum persönlichen Geschenk gemacht, während die anderen Bilder von dortigen Ratsmitgliedern und Bürgern gestiftet worden waren.

Lesen Sie auch: Aral-Tankstelle in Wasserburg wird zum dritten Mal Opfer eines Raubüberfalls

Signatur von Gregor Sulzböck auf dem Auszugsbild des Hochaltars in der Frauenkirche.

Kommentare