"Geht raus, sucht Euer Glück"

Das Warten hat sich gelohnt: Magdalena Witzel bekommt als 110. ihr Zeugnis. Fotos Günster
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Das Warten hat sich gelohnt: Magdalena Witzel bekommt als 110. ihr Zeugnis. Fotos Günster

Die Zeit und die Oberflächlichkeit stellte Schulleiter Peter Rink in den Mittelpunkt seiner Rede anlässlich der Zeugnisvergabe an die Abiturienten des Wasserburger Luitpold-Gymnasiums. 110 Schüler haben bestanden, zwei werden ihre Prüfung wiederholen, der Schnitt beträgt 2,24.

Zwölf sind besser als 1,5, und 32 haben eine Eins vor dem Komma.

Wasserburg - Schulleiter Rink begrüßte vor allem die Schüler, die Eltern und viele Ehrengäste. Keine Ruhe ließ ihm ein Zwischenruf während der Abschlussfeier aus dem Vorjahr, als ihm jemand "Time", also "Zeit" zugerufen hatte, weil ihm die Rede zu lange gedauert hatte. Damit sollte er die fortgeschrittene Zeit beachten und zum Ende kommen. Genau das aber offenbare ihm eine "signifikante Verhaltensweise unserer Zeit", nämlich der fehlende Wille, sich mit etwas genauer zu beschäftigen. Das drücke sich auch in der Wegwerfmentalität aus. Etwas zu reparieren sei nicht nur ressourcenschonender, sondern befriedige durch die eigene Leistung erheblich mehr. Und es mache einen schlauer, weil die Funktion zu verstehen sei. Ein Neukauf sei zwar bequemer, gehe schneller und von der Industrie auch so gewollt, aber das "generiere neue Probleme". Den Absolventen wünschte er, öfter einmal etwas zu reparieren, "nicht immer den bequemen Weg zu gehen" und vieles, das "scheinbar kostenlos" sei, zu hinterfragen.

Für die Stadt spannte deren Zweiter Bürgermeister Otto Zwiefelhofer einen Bogen vom Rathaussaal zur früheren Mann-Villa und heutigen Ovenbeck-Villa, außerdem von den vier allegorischen Figuren an den Wänden des Saals bis in die Gegenwart. Er sah in den Bildern "starke Frauen" und den "Triumphzug der Bildung" und betonte Werte etwa wie die Wahrheit. Man solle vor allem "zu sich selber ehrlich sein".

"Die Wirtschaft und das Leben warten "

Landrat Wolfgang Berthaler hatte an diesem Tag bereits drei Abiturfeiern hinter sich und stellte fest, dass es mit 64 Schülern im Landkreis noch nie so viele Ausgezeichnete gab. "Die Wirtschaft und das Leben warten auf Euch". Aus eigener Erfahrung wisse er, der noch nicht so lange Landrat sei, dass "das Lernen nie aufhört".

Elternbeiratsvorsitzende Katja Kahles hob die Dankbarkeit hervor. Die Schule an sich sei schon "ein Geschenk", in manchen Ländern gebe es so etwas nicht. Auch die eigene Begabung für so einen Abschluss sei nicht selbstverständlich, den Lehrern dürfe man ihre Hilfe anrechnen. Dank verdienen auch die Eltern, weil sie das nicht nur finanziell unterstützen. Fehle Geld, sei in ihren Augen die Internetadresse "arbeiterkind.de" eine Anlaufstelle. "Geht raus, sucht Euer Glück", das sei nicht immer im Geldverdienen, sondern oft "in einer Freundschaft" oder "an einem Tag am See" zu finden.

Jürgen Strauß von der Luitpoldiana Fördergemeinschaft hob die Besonderheiten jeder Generation hervor. Die eigene habe unter anderem die Kommunikation und die Mobilität vorangebracht, Umweltschutz und Gerechtigkeit in der Welt seien allerdings "in einem weniger guten Zustand". Nur ein gegenseitiger Nutzen begründe einen guten Handel. Er wünsche sich, dass der Kontakt zur Schule erhalten bleibe und beglückwünschte die Abiturienten zu der Freiheit, an jeder Universität in der Europäischen Gemeinschaft studieren zu dürfen.

Für Abiturientenvertreter Matthias Eggerl waren die letzten Jahre "eine schöne Erfahrung in einer großen Gemeinschaft". Er erinnerte an manche Ausflüge, auf denen der freundliche und zuvorkommende Umgang deutlich geworden ist. Eine Besonderheit sei die Seminararbeit gewesen, "nach wissenschaftlichen Maßstäben selbst erarbeitet". Er bedankte sich für das "immer gute Auskommen" mit den Lehrern und deren Unterstützung, auch das Sekretariat empfand er als einen überaus freundlichen Ort. Er wünschte sich, dass Werte, wie Toleranz, Offenheit, Verantwortung für andere und vor allem "Herz und Charakter" erhalten bleiben. Zum Abschluss gratulierten Schulleiter Peter Rink und Oberstufenkoordinator Manfred Strobl allen Absolventen, jeder bekam in Zusammenarbeit mit der Luitpoldiana Fördergemeinschaft und dem Elternbeirat einen limitierten Druck von Willi Reichert.

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