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Gegen die Wegwerfgesellschaft: Wasserburger lobt Handwerker als Allroundtalent

Wahre Multitalente:. Aktive Ehrenamtliche werkeln im Wasserburger Repaircafé (von links): Thomas Feiler, Wolfgang Zollorsch, Jürgen Burkhardt und Beatrix Folkers.
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Wahre Multitalente:. Aktive Ehrenamtliche werkeln im Wasserburger Repaircafé (von links): Thomas Feiler, Wolfgang Zollorsch, Jürgen Burkhardt und Beatrix Folkers.
  • vonPetra Maier
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Ein Handwerker, der alles reparieren kann ist ein Traum und geradezu ein Botschafter gegen die Wegwerfgesellschaft. Das findet auch Dr. Raimund Arnold aus Wasserburg, der seinen Handwerker, der eine riesige Bandbreite anbietet, lobt. Auch das Wasserburger Repaircafé setzt auf Allrounder.

Wasserburg– Das kennt wohl jeder: Die neue Telefonanlage funktioniert nicht, der Fernseher fragt ständig nach einer PIN-Nummer, die alte Waschmaschine gibt ihren Geist auf. Was tun? Die wenigsten Menschen haben in solchen Fällen direkt eine Lösung parat – und der Anruf beim Hersteller bedeutet oft stundenlanges Warten in der Hotline.

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Wie gut, wenn man in solchen Situationen einen sogenannten Allrounder in nächster Nähe hat. Dr. Raimund Arnold aus Wasserburg kennt so einen praktisch veranlagten Handwerker und freut sich immer wieder riesig über seine Unterstützung: „Wir haben vor Ort einen Mann, der eine ungeheure Bandbreite an Leistungen anbieten kann, wie ich es mir für ganz viele andere Sparten auch so wünschen würde“, berichtet Dr. Arnold.

Von Fotovoltaik bis „Spezialbirnchen für medizinisches Gerät“

Die Rede ist von Helmut Hermann (Inhaber von Elektro Bösch). „Er hat mir in den vergangenen Jahren beispielsweise die Fotovoltaik-Anlage auf das Dach montiert, die Waschmaschine repariert, oder noch besser: mir Tipps gegeben, wie ich sie selber wieder zum Laufen bringe, die Telefonanlage in der Praxis eingerichtet und dort die Netzwerkkabel gezogen. Genauso kann man dort seinen Staubsauger reparieren lassen und alte Elektrogeräte werden im Austausch entsorgt.

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Sogar für ein ausgefallenes Spezialbirnchen für ein medizinisches Gerät gab es dank eines besonderen Kataloges den passenden Ersatz.“

Dr. Raimund Arnold aus Wasserburg freut sich über die ungeheure Bandbreite seines Elektrikers.

Voll des Lobes

Dr. Arnold überschlägt sich fast vor lauter Lob. Er schätzt den kleinen Betrieb vor Ort, der immer schnell erreichbar ist. Für ihn ist er auch ein Musterbeispiel an Nachhaltigkeit.

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„Leider muss ich sonst oft die Erfahrung machen, dass sich viele nur noch auf das Naheliegende und Gewinnträchtigste spezialisieren, und man dann als Verbraucher in der Luft hängt und auch das Internet nicht weiterhilft“, klagt er.

Maria Hessdörfer, Initiatorin des Wasserburger Repaircafés in der Burgau, kann dem nur zustimmen. Sie hat seit der Eröffnung im Jahr 2018 viele Besucher ratlos kommen und begeistert wieder gehen sehen.

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„Inzwischen haben wir acht aktive Mitarbeiter, darunter drei Elektrotechniker, einen Fahrradspezialisten, einen Herrn für Fragen rund um den PC und eine Schneiderin“, schwärmt sie. Die ehrenamtlich arbeitenden Mitarbeiter seien meistens schon etwas älter, so Hessdörfer. „So können sie beim Umgang mit den Geräten oft auf ihre jahrelange Erfahrung zurückgreifen. Da staunt so mancher Junior, was sich ein Senior alles traut.“ Erst kürzlich sei ein Mann, „so Mitte zwanzig“, mit einem defekten Plattenspieler seiner Oma im Repaircafé aufgetaucht. Gemeinsam habe man das alte Gerät wieder funktionstüchtig gemacht. „Der junge Mann hätte sich allein nie getraut, das Gehäuse aufzuschrauben, aber der Senior-Berater hatte den Mumm“, beschreibt Hessdörfer die erfolgreiche Aktion.

Mit Fantasie eine Lösung finden

Manchmal ist Fantasie nötig, um die Lösung für ein spezielles Problem zu finden oder ein fehlendes Teil fachgerecht zu ersetzen. Geduld bei der Fehlersuche darf zudem nicht fehlen. Um Nachhaltigkeit und gegenseitige Hilfe gehe es außerdem im Repaircafé. Die Initiatorin kann es kaum erwarten, dass sich die Türen samstags wieder öffnen dürfen. Das Corona-Virus hat auch hier noch seinen Daumen drauf. Aber auch nach Corona werden Staubsauger Socken fressen, Porzellanvasen in tausend Teile springen, das Kleid nicht mehr zugehen und der Toaster das Brot nicht mehr ausspucken. Dann wird es wieder Zeit für ein Loblied auf zupackende Handwerker.

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