Gegen Corona-Ferien-Langeweile: Kinderbuch-Skizzen aus Ramerberg zum Ausmalen

Bilder, die den Blick des Betrachters nicht sofort sättigen, weil so viel zu sehen, zu entdecken ist. Solche Bilder zeichnet und malt Bernhard Oberdieck. Sie zieren rund 300 Kinderbücher.
  • Andrea Klemm
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„Wie lange dauert dieses Corona noch?“ Eine Frage, die viele Eltern von ihren Kindern in den Wochen des Lockdowns schon einmal gehört haben. Kinderbuchillustrator Bernhard Oberdieck aus Ramerberg hat eine prima Idee: Er stellt aus seinem Repertoire Skizzen als Ausmalbilder in der Zeitung zur Verfügung, die als kleine Serie erscheinen.

Ramerberg – Unter den Kontaktbeschränkungen haben die Mädchen und Buben besonders zu leiden, die Langeweile wird zum Frust. Kinderbuchillustrator Bernhard Oberdieck aus Ramerberghat eine prima Idee: Er stellt aus seinem RepertoireSkizzen als Ausmalbilder in der Zeitung zur Verfügung, die als kleine Serie erscheinen. Eine tolle Beschäftigung für die Pfingstferien.

Erste Skizze zum Ausmalen: die Maus

Los geht es mit der Maus. „Das war die Vorzeichnung, die ich für eine Fernsehgeschichte für den BR vor 20 Jahren angefertigt habe“, sagt der Ramerberger Künstler, der 71 Jahre alt ist. Ursprünglich stammt er aus Oerlinghausen in Westfalen, machte nach der Schule eine Ausbildung zum Lithografen und studierte dann Freie Grafik und Visuelle Kommunikation an der Fachhochschule in Bielefeld.

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Über einen Umweg als Kunsterzieher an einer Schule im Sauerland, verschlug es Oberdieck nach München, um dort in Werbeagenturen neue Erfahrungen zu sammeln. Parallel war er als freiberuflicher Illustrator tätig. „Mehr als 300 Bücher habe ich für deutsche und ausländische Verlage illustriert.“ Seine Bilder wurden in Sammel- und Einzelausstellungen in Europa, Asien und den USA gezeigt.

Spezielle Buntstifftechnik

Bekannt ist Bernhard Oberdieck für seine spezielle Buntstifttechnik. Eine sehr zeitintensive und aufwendige Methode, die aus tausenden sehr kurzen Strichen besteht. „Mit Buntstift und Pastellkreide hab ich Strich für Strich aneinandergesetzt, schraffiert und übereinandergelegt, ohne zu wischen, bis schließlich aus tausenden von kleinen Farbstrichen einfühlsame, warme Bilder entstanden“, beschreibt er seine Lieblingstechnik. Es sind Bilder, die viel bieten: Fantasie und Verstand haben zu tun, alles zu erfassen. Wie das Bild „Der Zirkus in der Stadt“, das in der Grundschulzeitschrift „Eulengespenst und Mäusespuk“ zu finden ist. 450 Stunden hat Oberdieck in die liebevolle, detailreiche Szenerie gesteckt.

Gestatten, Maus! Die Skizze hat Bernhard Oberdieck vor 20 Jahren für eine BR-Fernsehgeschichte gezeichnet. Sie eignet sich hervorragend zum Ausmalen für Kinder, die in Corona-Zeiten viel zu Hause sein müssen.

Im Kinderbuchbereich gehörte Oberdieck mit dieser Technik zu einer ganz kleinen Minderheit. „Bei einem Honorar von 3 bis 5 Euro pro Stunde für ein Kinderbuch, kann man das nicht lange machen.“

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So stieg er auf Aquarell um und vor etwa zehn Jahren auf den Computer. „Da kann man beliebig oft korrigieren, muss nicht immer wieder ganz von vorne anfangen“, so Oberdieck, der alle Auftragsarbeiten am Grafiktablet erledigt. „Für freie, eigene Arbeiten werde ich oldschool bleiben“, sagt er augenzwinkernd.

Inzwischen seit 5 Jahren Rentner

Oberdieck illustrierte stets fast ausschließlich Kinderbücher. Ein Beruf, von dem man heute kaum noch leben könne, vor allem nicht, wenn man so aufwendig arbeite, wie er es gewohnt sei. In der Branche gebe es mehr oder weniger feste Honorarsätze für bestimmte Buchformen, für ein normales Bilderbuch bekomme man in der Regel zwischen 3000 und 5000 Euro – dafür müsse man mindestens drei bis vier Monate Arbeitszeit einplanen.

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„Man kann das eigentlich nur schaffen, wenn man schlecht oder sehr schnell arbeitet oder einen Comicstil verwendet. Manche können das gut, viele aber eher schlecht.“

Das sei in seinen Augen der Grund, warum heutzutage das Niveau der Kinderbuchillustrationen in der Masse miserabel sei. Leider interessiere das in vielen Verlagen niemanden mehr, so seine Erfahrung. „Die alten Buchverleger sind bis auf wenige Ausnahmen ,ausgestorben‘ “, stellt er fest. Auch vor diesem Hintergrund habe er sich aus dem Bereich fast komplett zurück gezogen. Inzwischen sei er seit fünf Jahren Rentner und mache nur noch das, was ihm wichtig sei.

SO ARBEITET OBERDIECK

Zunächst schaut sich Bernhard Oberdieck den Text an, zu dem er eine Illustration erstellt. „Ich suche mir Passagen aus, von denen ich annehme, dass dort eine Ilustration sinnvoll wäre“, sagt der Künstler. Beim Lesen des Textes macht er sich schon kleine, aber noch recht grobe Skizzen. Im zweiten Arbeitsgang werden die Skizzen etwas größer und genauer angelegt. Dabei arbeitet er überwiegend mit einem sehr weichen Bleistift. „Zu einer Illustration entstehen mehrere Fassungen, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden bin“, so der Ramerberger. Es reiche nicht, eine Idee zu haben, die das Bild aussehen soll, sondern auch, wo der Text platziert werden soll. Dazu klebt er sich Dummies zurecht. Erst wenn er so das ganze Buch-Layout durchgearbeitet hat, werden aus „Kritzeleien“ Skizzen. Erst dann beginnt die eigentliche Arbeit des Illustrierens.

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