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Interview mit Alexander Skiba

Stiftung Ecksberg aus Mühldorf hält Impfpflicht für „gefährliches Signal“

Alexander Skiba, Vorsitzender der Stiftung Ecksberg, äußert sich im Interview zur Impfpflicht in medizinischen Einrichtungen.
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Alexander Skiba, Vorsitzender der Stiftung Ecksberg
  • VonAnja Leitner
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Die Impfpflicht für Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen steht bevor. Im Gespräch äußert sich Alexander Skiba, der Vorsitzende der Stiftung Ecksberg, zur aktuellen Lage und befürchtet „kollaterale Effekte“.

Haag/Gars/Reichertsheim – In der Dunkelheit flackerten vor der Stiftung Ecksberg dutzende Kerzenflammen. Die rund 150 Lichter standen für die ungeimpften Mitarbeiter der Einrichtung, die nach dem Willen der Regierung ihre Stelle verlieren, wenn sie sich bis 15. März nicht impfen lassen. Wie ist angesichts dieser drohenden Gefahr die Lage in den Wohngemeinschaften der Stiftung Ecksberg in Haag, Gars, Au und Ramsau? Die Wasserburger Zeitung hat nachgefragt beim Vorsitzenden der Stiftung, Alexander Skiba.

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Herr Skiba, die Wohngemeinschaften Ramsau, Haag, Gars und Au der Stiftung Ecksberg haben etwa 125 Mitarbeiter. Wie viele davon haben wegen der Impfpflicht gekündigt?

Alexander Skiba: Uns liegen wegen der Impfpflicht derzeit weder Kündigungen vor, noch sind uns irgendwelche konkreten Kündigungsabsichten bekannt. Wir hoffen daher, dass die betroffenen Mitarbeiter vor ihrer endgültigen Entscheidung nochmals den Dialog mit uns suchen.

Wie kann ein möglicher Ausfall der Mitarbeiter kompensiert werden?

Alexander Skiba: Derzeit ist keine Kündigungswelle erkennbar. Ob, und falls ja, in welchem Umfang in den nächsten Monaten ein impfpflichtbedingter Mitarbeiterausfall eintreten wird, können wir voraussichtlich erst im Laufe der Monate März und April abschätzen. Die Frage, wie ein etwaiger Mitarbeiterausfall kompensiert wird, können wir folglich auch erst beantworten, wenn wir mehr Informationen haben.

Sind Sie der Hoffnung, dass die Politik aufgrund des drohenden Pflegekollaps die Impfpflicht zurücknimmt?

Alexander Skiba: Die Politik hat die einrichtungsbezogene Impfpflicht relativ schnell entschieden, mit – aus unserer Sicht – kollateralen Effekten, für die die Politik bis dato noch keine Antworten angeboten hat. Die einrichtungsbezogene Impfpflicht greift aus unserer Sicht zu kurz und sendet ein gefährliches Signal. Zu kurz greifen meint, dass die Impfpflicht für die Mitarbeiter der Branche nur eingeschränkt hilft, wenn die gefährdeten Bewohner unkontrollierte und ungeschützte Kontakte zu stiftungsfernen Personen pflegen – die Teilhabe am Leben der Gesellschaft von Bewohnern (Stichwort Inklusion) ist aber grundsätzlich begrüßenswert und Kernauftrag der Eingliederungshilfe. Das politische Signal ist aus unserer Sicht ein Gefährliches. Zum einen erleben die ungeimpften Mitarbeiter, die bisher den gleichen Einsatz gezeigt haben, das Gesetz wie „einen Schlag ins Gesicht“. Zum anderen haben extreme Randgruppen die Sprengkraft des Gesetzes erkannt und versuchen, die betroffenen Mitarbeiter für ihre Interessen zu gewinnen. Wir meinen daher, dass eine allgemeine Impflicht mehr Wirkungspotenzial zur Beendigung der Pandemie und zur Teilhabe der Bewohner gehabt hätte.

Für eine substanziell begründete Hoffnung auf eine plötzliche Kehrtwende gibt es aus Sicht des Vorstands keine Anhaltspunkte. Zur Engpasssituation lässt sich seriös erst etwas sagen, wenn die Frist zur Nachweispflicht abgelaufen ist und die weitere Vorgehensweise der Gesundheitsämter geklärt ist.

Für jeden von Entlassung bedrohten, ungeimpften Mitarbeiter flackerte eine Kerze. Der Vorstand der Stiftung Ecksberg sucht weiterhin mit allen Mitarbeitern das Gespräch.

Wie ist die Stimmung der Mitarbeiter und der Bewohner der Wohngemeinschaften?

Alexander Skiba: Die lange Phase der Coronapandemie ist an allen Mitarbeitern nicht spurlos vorübergegangen. Die letzten 22 Monate zehren sehr an den Ressourcen. Die Erfüllung mancher Kernaufträge wie die Ermöglichung von Teilhabe wurde durch viele Coronaeinschränkungen erschwert. Mitarbeiter und Bewohner würden sich deshalb wie alle anderen Bürger sehr wünschen, dass die Zeit der eingeschränkten Kontakte absehbar zu Ende geht. Auf diesem Hintergrund stellt die Debatte und Unsicherheit, die mit der einrichtungsbezogenen Impfpflicht kommt, eine zusätzlich Belastungsprobe dar und schafft große Unsicherheiten bei den Ungeimpften, aber auch bei den Geimpften, die unter Umständen mit einer dünneren Personaldecke den Betrieb stemmen müssen.

Unsere Aufgabe sehen wir daher darin, Gespräche für ungeimpfte Mitarbeiter anzubieten, Lösungen auszuloten und Klarheit über die Konsequenzen zu schaffen. Falls die nicht auszuschließenden Engpasssituationen kommen, sind wir gleichzeitig verpflichtet, mit den und für die Mitarbeiter(n) Maßnahmenpläne zu entwickeln und umzusetzen, um den Qualitätsstandard für die Betreuung unserer Bewohner und Förderstättengänger bestmöglich zu halten (das gilt bereits schon für die anrollende Omikronwelle). Dabei können Maßnahmen zum Einsatz kommen, die sich schon in früheren Wellen der Pandemie bewährt haben.

Dessen ungeachtet sind die Mitarbeiter mittlerweile sehr routiniert im Umgang mit den Einschränkungen. Die zuständige Wohnheimleiterin Marianne Osl wie auch der Vorstand sind deshalb der Meinung, dass die Wohngemeinschaften Ramsau/Gars/Haag und Au auch diese Phase der Pandemie gut überstehen werden, solange alle Seiten konstruktiv zusammenarbeiten.

Interview: Anja Leitner

Das sagen Mitarbeitende der Stiftung Ecksberg: „Zeigen, wie ungerecht Pflegekräfte von der Politik behandelt werden“. „Die Plakat- und Lichteraktion ist nicht gegen den Vorstand von Ecksberg abgezielt“, betont eine Mitarbeiterin, die lieber anonym bleiben will, gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. „Wir wollen zeigen, wie viele betroffen sind. Nach außen tragen, wie ungerecht Pflegekräfte von der Politik behandelt werden.“ Mit der Gefährdung der beruflichen Existenz werde Druck auf die Ungeimpften ausgeübt. Viele würden sich dem beugen: „Wer kann es sich schon leisten, arbeitslos zu werie ungeimpften Mitarbeiter wollen auch auf die Folgen für die von ihnen betreuten Menschen aufmerksam machen. „Mit der Impfpflicht wird in Kauf genommen, dass Bewohner ab dem 16. März nicht mehr so versorgt werden können, wie es jetzt getan wird.“ Die ungeimpften Fachkräfte würden im Betrieb fehlen.

„Wir Ungeimpften wollen die geimpften Kollegen nicht im Stich lassen“, so die Angestellte der Stiftung. Seit zwei Jahren würde in Ecksberg unter Corona-Bedingungen gearbeitet. „Das hat doch bisher auch funktioniert.“ Die täglichen Schnelltests vor Dienstantritt seien lästig, gäben aber auch Sicherheit. Geimpfte müssten sich nur zweimal pro Woche testen und könnten genauso andere anstecken. Sie selbst und viele ihrer Kollegen hätten sich bereits bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend gemeldet. „Mir blutet mein Herz. Ich mache meine Arbeit gerne, und die Stiftung Ecksberg war immer mein Traumarbeitgeber“, erklärt die Mühldorferin und lacht bitter. „Ich hatte gehofft, hier bis zur Rente arbeiten zu können. Bis jetzt hatte ich einen krisensicheren Job.“

Sie betont, dass sie selbst weder das Virus negiere, noch Querdenkerin sei. Sie wolle aber auch als Pflegekraft über ihren Körper selbst entscheiden, so wie der Rest der Republik das auch dürfe. Deshalb hoffe sie darauf, dass die Politik angesichts der Folgen für ihren zu Beginn der Pandemie so hochgelobten Berufsstand und vor allem für die Gepflegten noch ein Einsehen hat und die Impfpflicht für Pflegende überdenkt.

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