Gedenken an die Opfer des KZ-Außenlagers Mittergars: „Gegen das Vergessen“

Am Denkmal für die Opfer des KZ-Außenlagers Mittergars sprach unter anderem der Garser Bürgermeister Robert Otter (rechts)
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Am Denkmal für die Opfer des KZ-Außenlagers Mittergars sprach unter anderem der Garser Bürgermeister Robert Otter (rechts)
  • vonBruno Münch
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Am Denkmal für die Opfer des KZ-Außenlagers Mittergars haben Vertreter des öffentlichen Lebens und Bürger an die Gräueltaten erinnert. Bei der Gedenkfeier, zu der der Verein „KZ-Gedenkstätte im Mühldorfer Hart e. V.“ eingeladen hatte, stand der Appell im Fokus, das Geschehene nicht zu vergessen, um daraus bis heute zu lernen.

Gars – Im Namen des Vereins dankte Gerti Schuch Günther Sebald dafür, dass er das Grundstück für das Mahnmal überlassen hat, und der Gemeinde Gars für die kürzliche Instandsetzung des Areals, die auf Initiative des Vereinsvorsitzenden Franz Langstein in Angriff genommen worden war. Ebenso würdigte Schuch die Leistung von Markus (Max) Voglmaiers aus Mittergars, der sich über Jahrzehnte hin engagiert für die Weitergabe der Erinnerung eingesetzt habe und Mitinitiator des Denkmals sei.

„Nie mehr Krieg und Völkermord“

Die Rednerin erinnerte an das „unermessliche Leid“, das Menschen im KZ-Außenlager Mittergars zugefügt worden sei und schloss mit einem Wort des Holocaust-Zeitzeugen Max Mannheimer, der Schülern gegenüber gesagt habe: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was damals geschehen ist, aber dafür, dass es nicht wieder geschieht, seid ihr verantwortlich.“

Den Appell „Nie mehr Krieg und Völkermord!“ machte sich Maria Maier, Bürgermeisterin von Jettenbach, in ihrer Rede zu Eigen. Der Friede sei nur zu bewahren, wenn die Gräueltaten nicht vergessen würden. Mit einen Zitat von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier stellte sie fest: „Nicht die Erinnerung ist eine Last, sondern die Verdrängung.“

Verantwortung für das Menschsein in der Zukunft

Der Garser Bürgermeister Robert Otter berief sich auf Richard von Weizsäcker, der gesagt habe, wer vor der Vergangenheit die Augen verschließe, werde blind für die Gegenwart und anfällig für neue Ansteckungsgefahren. Otter blickte zurück auf die unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen, denen die Häftlinge im Waldlager ausgesetzt waren und die der „Vernichtung durch Arbeit“ im „Todeslager“ Mittergars zum Opfer fielen. Auch grausame Details ersparte er den Hörern nicht, um sie zum „Innehalten und Nachdenken“ aufzufordern. Schließlich gehe es heute weniger um Schuld und Unschuld in der Vergangenheit als um die Verantwortung für das Menschsein in der Zukunft.

Tiefe Wunden in der Seele hinterlassen

Dekan Ulrich Bednara erinnerte an die Millionen Opfer des Völkermords, die im Frühling 1945 die Befreiung nicht mehr erleben konnten. Bei den Überlebenden habe der alte Ungeist tiefe Wunden der Seele und des Körpers hinterlassen. Ein Vergessen-Wollen könne keine echte Befreiung bringen, stellte Bednara fest und ergänzte, dass nach dem Krieg zwar die politischen Strukturen beseitigt worden seien, dass aber das Innere der Menschen nicht verändert worden sei.

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Der Dekan zitierte das Buch Jesus Sirach aus dem Alten Testament, in dem gezeigt werde, dass der Mensch seine Würde durch getanes Unrecht gefährde. . Der Mensch müsse das Böse in sich entmachten und als Abbild Gottes von innen heraus der „Mensch“ werden, der diesen Namen verdiene..

Eine Bläsergruppe aus Gars gab der Gedenkfeier am Mahnmal in Mittergars einen feierlichen und würdevollen Rahmen.

Mauerreste des Lagers – am 14. November wird ein Geschichtskurs des Gymnasium Gars die noch vorhandenen Reste der Bauten des KZ-Außenlagers wieder freilegen.

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