Gedanken eines Rotter Basketballvaters zum derzeitigen „Timeout“

Der Basketball ruht – für die Rotter Basketballer eine traurige Situation. Brandl
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Der Basketball ruht – für die Rotter Basketballer eine traurige Situation. Brandl

Rott – Vier Kinder hat Paul Brandl aus Rott. Vier Jugendliche, die normalerweise alle fleißig Basketball trainieren.

Der Papa ist Pressesprecher bei den Rotter Basketballern und hat seine privat-sportlichen Gedanken zur Corona-Krise zu Papier gebracht.

„Papa, mir ist langweilig, was soll ich machen…? Wer von den (Basketball-)Eltern kennt das nicht? Ich hab‘s ja leicht: Corona hat mein eigenes Leben nicht viel verändert… Arbeiten, Essen, Fernsehen, Schlafen… Das mach ich schon seit Jahren (nicht immer in dieser Reihenfolge) … Aber die Kinder?

Kind Nr. 1 hat sich arrangiert. Zehnte Klasse Realschule, da stehen die Prüfungen an. Lernen, lernen, lernen und dann noch Zeit für Individualsport wie Radfahren, Laufen, Inlineskaten und nicht zuletzt: Online-Athletiktraining als Angebot der Rotter Basketballabteilung. Corona hat ihr schon was weggenommen: Ein Sieg wäre noch nötig gewesen und sie wäre mit ihrer Truppe der Rotter Damen III Meister und Aufsteiger. Nach der Schule hätte sie ein Auslandsjahr über den Rotary Club Wasserburg sicher gehabt… Was ist heute schon noch sicher? Willst du nicht zu Corona und Basketball was schreiben? Der Erste Vorsitzende Basketball – ich nenne ihn in Anlehnung an James Bond-Filme einfach mal „M“ (Anmerkung der Redaktion: Martin Schreyer) hat sich vor ein paar Tagen per Whatsapp mit diesem Anliegen bei mir gemeldet… Ist gar nicht so leicht, wenn es nichts zu berichten gibt in Sachen Basketball… und über Corona schreiben schon alle Anderen.

Wär‘ schon nicht schlecht, mal wieder ein Wochenende in der Schulturnhalle zu verbringen, wie vor Corona… nur ernährt von Wurstsemmel und Kaffee… Oder mit den U12-Kids nach Traunstein zu fahren und anschließend in die entgegengesetzte Richtung mit Damen III nach Waldram Wolfratshausen. Sonntage sind seit Wochen komplett autofrei.

Kind Nr. 2 hat seine „landschaftstechnische“ Ader entdeckt. Bäume, Sträucher, Stauden werden von ihr zugeschnitten und wenn nötig entwurzelt… Da tun schon mal Knochen und Muskeln weh, wo man vorher keine Knochen und Muskeln erwartet hätte. Ein alter Basketball ist auch wieder zu Ehren gekommen: Etwas Dribbling auf der Straße vor dem Haus… natürlich nur sonntags. „Ballhandling Online“ steht demnächst als weiteres Angebot auf der Agenda. Vielleicht kann ich damit Kind Nr. 3 und Kind Nr. 4 motivieren… Athletiktraining ist irgendwie nicht so ihr Ding… Spätestens nach 15 Minuten geben sie auf, wie ich schon etliche Male von meiner Couch aus bequem beobachten konnte.

Meine Ehefrau und bessere Hälfte hat es anfangs schon genossen, am Abend alle vier Kinder um den Tisch versammelt zu haben. Normalerweise gibt es trainingsbedingt hier unter der Woche immer ein bis zwei Lücken. Jetzt, da den Kindern die Möglichkeit fehlt, sich körperlich abzureagieren, werden die Gesichter immer länger… bei allen fünf.

Letzten Mittwoch war wieder Basketballvorstandssitzung... selbstverständlich Online. Ich gebe zu, ohne technischen Support (und Handy) von Kind Nr. 1 wäre ich aufgeschmissen. Kennen Sie das, grundsätzlich auf den falschen Knopf zu drücken? Die analogen Vorstandssitzungen bei unseren Rotter Wirten gehen mir überraschenderweise ab. Jetzt tropft schon mal eine Träne in ein einsames Bier.

Wie wird es jetzt weitergehen? Gerade hab‘ ich von „M“ eine Mitteilung erhalten: Trainingsbetrieb im Freien soll bald wieder möglich sein. Individuell und unter Auflagen... Ein kleiner Schritt? Im Moment, und unter den Vorzeichen von Corona und Basketball, würde ich sagen: Ein Jump!“ Paul Brandl

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