SCHWANGERSCHAFT UND GEBURT IN PANDEMIEZEITEN

Geburtenboom in Wasserburg: Corona stört die Lust auf Babys nicht

Freuen sich über steigende Geburtenzahlen am Romed – trotz Corona: die Hebammen Erika Diller und Caroline Schierle (von links) im derzeit nicht genutzten Kursraum des Hebammenhauses.
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Freuen sich über steigende Geburtenzahlen am Romed – trotz Corona: die Hebammen Erika Diller und Caroline Schierle (von links) im derzeit nicht genutzten Kursraum des Hebammenhauses.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Mit Maske im Kreißsaal? Nein, Hochschwangere erleben die Wehen natürlich ohne Mund-Nasen-Schutz. Und auch der Papa darf dabei sein und den ersten Schrei des Babys miterleben. Was sich in der Schwangerschaft und bei der Geburt geändert hat, erklären die Mitarbeiterinnen im Wasserburger Hebammenhaus.

Wasserburg – Es gibt zwei Theorien dazu, wie sich die Pandemie auf das Kinderkriegen auswirken könnte: positiv, weil viele Paare mehr Zeit zu zweit daheim verbringen, oder negativ, weil die Ängste zu groß sind, in diesen schwierigen Zeiten ein Kind auf die Welt zu bringen. In der Romed-Klinik Wasserburg hat sich der Trend zu steigenden Geburtenzahlen auch im Corona-Jahr 2020 fortgesetzt. Und die Hebammen stellten trotz aller Probleme fest: Die Pandemie hat für Mütter auch eine positive Seite.

2019 kamen in der Geburtsstation der Romed-Klinik Wasserburg 843 Babys auf die Welt, 2020 waren es sogar 854. „Wir hätten sogar die 900 geknackt“, sind die Hebammen Erika Diller und Caroline Schierle überzeugt. Doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung.

Vorbereitung und Rückbildung online

Das Virus hat die Lust am Kinderkriegen also nicht beeinträchtigt, obwohl die Geburtsvorbereitung komplizierter, weil anders geworden ist – ausgerechnet zum Start des Hebammenhauses am Romed, das vor genau einem Jahr eröffnete und schon wenige Wochen danach den ersten Lockdown erlebte.

Viel Zeit zum Eingewöhnen blieb nicht, es ging gleich daran, den Arbeitsalltag neu zu organisieren. Größte Herausforderung: Online-Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse. Für die Infoabende, die den werdenden Eltern auch die Entbindungsräume in Wasserburg vorstellen, drehten die Hebammen sogar einen Film. „Oskarpreisverdächtig ist der nicht, ich habe aber gehört, dass der Film auf der Longlist unseres Videokanals aufgetaucht sein soll“, berichtet Diller schmunzelnd, doch seine Aufgabe erfülle der Film gut. Einzeltermine mit den Hebammen, bei denen mögliche noch offene Frage beantwortet werden, sind außerdem weiter möglich.

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Wichtigste gute Nachricht für Eltern: Der werdende Vater darf nach wie vor bei der Geburt dabei sein – zwar mit Maske, Schnell- und PCR-Test, doch immerhin. Während der Geburt darf die werdende Mama die Maske abnehmen – also sobald es in den Kreißsaal geht.

Die Hebammen arbeiten hier jedoch mit FFP2-Maske, berichten sie. In ihrer Arbeit beeinträchtigt fühlen sie sich nicht. „Das halten wir aus“, sagen Schierle und Diller angesichts vieler Berufe, deren Mitarbeiter derzeit in Kurzarbeit sind oder gar nicht arbeiten können.

Das Wochenbett ist kürzer geworden

„Was die Geburtshilfe betrifft, hat sich für die Frauen nichts verändert“, betonen die Sprecherinnen des Hebammenhauses. Verändert hat sich dagegen der Klinikaufenthalt: Viele Mütter gehen schneller als in der Vor-Corona-Zeit heim. Denn die Väter dürfen sie auf der Station nur in Ausnahmefällen besuchen. Nach dem Verlassen des Kreißsaals heißt es Abschied nehmen. Die neuen Möglichkeiten, über das Handy mit Bildgebung zu telefonieren, helfen zwar. Doch die Aufnahmen können das emotionale Gefüh, wenn das Baby in den Arm genommen wird, nicht ersetzen.

Wochenbett oft entspannter

Schierle und Diller stellen jedoch auch fest, dass das Wochenbett entspannter verläuft. Denn die manchmal als anstrengend empfundenen Besuche der Freunde und Verwandtschaft sind nicht erlaubt, die frischgebackenen Mütter haben aus Infektionsschutzgründen Einzelzimmer. „Sie können sich ganz auf ihr Kind konzentrieren“, sagen die Hebammen.

Bei Spontan-, aber auch bei Kaiserschnittgeburten verlassen die Mütter trotzdem im Durchschnitt einen Tag eher als sonst die Klinik. Nicht alle Kinderarzttermine lassen sich in dieser Zeit organisieren, das ist dann von daheim aus zu regeln. Seit Ende Januar gibt es neben den kooperierenden Kinderärzten auch eine angestellte Kinderärztin direkt im Haus.

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Die Hebammen stellen außerdem fest, dass sie öfter als vor der Pandemie zu Wochenbettbesuchen in die Haushalte gerufen werden.

Die Rückbildung findet in Online-Kursen statt. Sie sind gut besucht – „viele wollen was für sich tun“. Die Hebammen müssen die Übungen vormachen und erklären, erklären, erklären. denn Korrekturen der Beckenbodenübungen vor Ort sind nicht möglich.

Daheim oft weniger Zeit fürs Baby

Was sie bedauern: Mütter, die schon größere Kinder haben, finden weniger Zeit für ihre Babys als früher. Denn ältere Geschwister sind derzeit oft daheim statt in der Kita, benötigen beim Homeschooling Unterstützung – Zeit, die für das Neugeborgene oft fehle. Viele Mamas vermissen nach Angaben von Diller und Schierle auch den persönlichen Austausch mit anderen jungen Müttern.

Auch die Schwangerschaft in Pandemiezeiten ist nicht so unbeschwert: Die werdenden Eltern sind besonders vorsichtig, wenn es um Kontakte geht. Viele quälen Sorgen, sich und das Kind im Bauch anzustecken. Wenn die werdende Mutter sich infiziert hat, hat dies nach Erfahrungen der Hebammen jedoch „keine Auswirkungen auf die Kinder. Sie sind klinisch unauffällig.“

Viele Schwangere verzeichnen zudem milde Verläufe der Coronavirus-Infektion. Sie werden derzeit nicht geimpft, weil bei Zulassungsstudien keine Schwangeren beteiligt waren. Es liegen nach Informationen der Romed-Kliniken einfach noch keine Daten vor, sodass die Impfung für Schwangere noch nicht empfohlen werde. Auch wenn die Infektionszahlen weiter heruntergehen würden, muss das Hebammenhaus auch deshalb noch lange auf Online-Kurse setzen.

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