Gebäude aufstocken in Wasserburg? Das ist leichter gesagt als getan

Aufstocken ist gar nicht so einfach iin einer Stadt, deren Kern unter Ensemble-Denkmalschutz steht.
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Aufstocken ist gar nicht so einfach iin einer Stadt, deren Kern unter Ensemble-Denkmalschutz steht.

Aufstocken, um Wohnraum zu schaffen? In Wasserburg sind die Möglichkeiten dafür begrenzt. Das hat viele Gründe. Und sorgte in der jüngsten Haupt- und Finanzausschusssitzung für Unmut.

Von Andrea Klemm

Wasserburg – Die Stadtratsfraktion von Bündnis90/Die Grünen hatte beantragt, bezahlbaren Wohnraum durch Aufstockung bestehender Gebäude zu schaffen. Robert Mayerhofer, Leiter des Liegenschaftsamtes, stellte im Haupt- und Finanzausschuss eine Präsentation vor, anhand derer er die 200 von der Stadt verwalteten Wohnungen analysierte und erklärte, warum eine Aufstockung nicht geht oder verworfen wurde. Und auch, wo sie bereits umgesetzt wurde. Wie etwa im Bahnhofsgebäude Reitmehring, in das 2010 rund zwei Millionen Euro gesteckt und zwei zusätzliche Wohneinheiten mit 180 Quadratmetern Gesamtfläche im Dachgeschoss realisiert wurden.

Der Großteil der rund 50 kommunalen Wohn- und Geschäftsgebäude, in denen die Stadt Wohnungen vermietet, eigne sich jedoch aufgrund bau- und denkmalschutzrechtlicher sowie wirtschaftlicher Aspekte nicht für eine Aufstockung, so Mayerhofer.

Mayerhofer: „Unser Bestand ist gut verwaltet“

Bei den Objekten Brunhuberstraße 20 bis 24, Klosterweg 9 bis 19, Dionys-Reithofer-Straße 8/10, Friedrich-Ebert-Straße 1 bis 6, Bürgermeister-Winter-Straße 1/3 sowie Am Wuhrbach 5, 7 und 9 wurde bereits im Grundstücks- und Wohnungsausschuss beziehungsweise im Haupt- und Finanzausschuss über Modernisierungskonzepte beraten. Die Aufstockung dieser Gebäude sei jedoch nicht befürwortet worden, so Mayerhofer, der ergänzte, „unser Bestand ist gut verwaltet. Wir haben Wohnraum durch Nachverdichtung geschaffen, siehe unsere Wohnanlage in der Ponschabaustraße. Man muss Kräfte bündeln und schauen, was geht.“

Nicht immer geht jedoch was, vor allem in einer Altstadt, die unter Ensembleschutz steht, und in einer Stadt, deren Flächen durch die Lage in der Innschleife sehr begrenzt sind. Hier tut sich eine Kommune schwer mit der Nachverdichtung, zeigte der Leiter des Liegenschaftsamtes auf.

Deutlich war Mayerhofer und Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) anzumerken, dass die Initiative der Grünen sie ein wenig verärgert hat. Laut Antrag sollte die Verwaltung beauftragt werden, eine Übersicht zu erstellen, bei welchen Wohngebäuden im Eigentum der Stadt oder städtischer Stiftungen aufgestockt werden könnte. Denn die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum sei eine der größten Herausforderungen, argumentierten die Grünen.

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„In den vergangenen zwei Wahlperioden haben wir uns intensiv damit auseinandergesetzt, unseren Bestand abzuklopfen, wo eine Aufstockung sinnvoll oder möglich wäre. Das haben sich die Antragsteller wohl nicht klar gemacht. Wir sind nicht auf irgendeiner Suppe daher geschwommen, sondern machen unsere Arbeit“, sagte Kölbl sichtlich verärgert. Bei manchen Dächern sei nicht mal eine PV-Anlage statisch möglich gewesen, geschweige denn, ein Geschoss drauf zu setzen.

„Da die Prüfung des kommunalen Gebäudebestands bereits erfolgt ist, wird der Antrag hinsichtlich einer erneuten Prüfung abgelehnt“, hieß der Beschlussvorschlag der Verwaltung, dem alle, auch Steffi König von den Grünen, zustimmten.

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Sie erklärte, dass viele Beschlüsse, die Mayerhofer angesprochen hatte, ja mehr als zehn Jahre alt seien und sich das Bauen und die Gegebenheiten verändert haben könnten. Daher müsse man nach einer Neubewertung fragen dürfen.

Diverse Festsetzungen im Bebauungsplan oder eine Stellplatzsatzung – die zu ändern habe der Stadtrat ja in der Hand. „Unser Antrag war nicht so gemeint, dass unsere Verwaltung ihre Arbeit nicht macht“, betonte König.

Dritte Bürgermeisterin Edith Stürmlinger (Bürgerforum) erinnerte daran, dass bei Privatgebäuden Aufstockpotenzial vorhanden sei und man diese den Privatleuten nach Möglichkeit genehmigen sollte. CSU-Fraktionsvorsitzende Heike Maas schlug in dieselbe Kerbe. Bürgermeister Kölbl antwortete, „wir unterstützen private Nachverdichtung immer, wenn es geht“.

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