Essigfabrik

Wenn der Lehrer mit Hilfe der Schüler Graffiti sprüht - in Wasserburg ist das ganz legal

Felix Rutkowsky verwendet unter anderem die Stencil-Methode, bei der Schablonen zuvor ausgeschnitten und anschließend übersprüht werden.
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Felix Rutkowsky verwendet unter anderem die Stencil-Methode, bei der Schablonen zuvor ausgeschnitten und anschließend übersprüht werden.
  • Sophia Huber
    vonSophia Huber
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Das „Freiluftatelier“ an der ehemaligen Essigfabrik in Wasserburg nimmt weiter Gestalt an. In der vergangenen Woche war dort Felix Rutkowsky, ein lokaler Künstler aus Gars, tätig. Hilfe bekam der Lehrer auch von seinen Schülern.

Wasserburg – Wer öfter an der Fabrik vorbeikommt, hat mit Sicherheit schon mehr Werke von Rutkowsky gesehen, ob diese dem Künstler auch zugeordnet werden konnten, ist eine andere Frage. Denn einen festen Stil hat Rutkowksy nicht. „Ich experimentiere gerne“, sagt der 40-Jährige. Nicht nur im Graffiti, wo er unter anderem schon Schriftzüge und größere, bunte Bilder an die Wand gebracht hat, sondern generell in der Kunst. „Ich bin auch in der Fotografie und Malerei tätig.“ Er bewundere es zwar, wenn sich Künstler einem ganz bestimmten Stil widmen und diesen mehr und mehr perfektionieren. „Aber für mich wäre das nichts.“

Verwendet unter anderem Schablonen

Feste Titel für seine Graffitikunst vergibt Rutkowsky ebenfalls nicht, sein neuestes Werk an der Essigfabrik ist aber inspiriert von den Worten: „Im Mittelpunkt steht immer der Mensch“.

Das schwarz-weiße Werk befindet sich in fünf Metern Höhe und wurde mit der Stencil-Methode erarbeitet. Bei dieser Art des Graffitis werden Schablonen vorbereitet und die Anteile, welche farbig – in diesem Fall schwarz – werden sollen, werden ausgeschnitten und anschließend übersprüht.

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Es ist ein Stil, der bei illegalen Graffiti-Sprayern beliebt ist, wie Rutkowsky verrät, da die Zeit, die wirklich an der Wand verbracht wird, im Vergleich eher kurz ist. „Aber im legalen Bereich, in dem ich tätig bin, ist sie auch beliebt.“

Schablonen stammen auch von Schülern

Die Schablonen, die Rutkowsky nun verwendet hat, kommen aber nicht nur aus seiner Hand. „Zwei sind von Schülern von mir“, erklärt der Kunstlehrer. Denn das Werk ist das Ende eines Projekts, das Rutkowsky mit einer Klasse am Luitpold-Gymnasium Wasserburg durchgeführt hat. „Es war nicht immer ganz einfach für die Schüler dieses Projekt umzusetzen, deshalb finde ich das nun einen sehr passenden Abschluss.“

Werk beschäftigt sich „mit Zahlen, die unser Leben bestimmen“

Die insgesamt fünf Figuren sollen sie das Spannungsverhältnis zwischen den starren Strukturen der Gesellschaft und der Wandelbarkeit des Lebens darstellen. „Die Personen tragen alle gestreifte Oberteile, die beinahe aussehen wie Barcodes“, sagt Rutkowsky. Die Streifen sollen die festen Strukturen der Gesellschaft symbolisieren. Gleichzeitig möchte er auch die Frage aufwerfen: Welche Zahlen bestimmen unser Leben? „Gerade in den jetzigen Zeiten gibt es so viele Zahlen, die uns kontrollieren. Die sagen, wann wir wieder raus und uns mit anderen treffen können.“

Das Kunstwerk an der Fabrik wurde inspiriert von den Worten „Im Mittelpunkt steht immer der Mensch.“

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Gleichzeitig wollte Rutkowsky den Kampf um die Individualität einfangen. „Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass die Figuren ihre Oberteile ausziehen“, erklärt er. Auch die Barcodes werden beweglicher, je weiter der Blick nach oben geht. „Dieses Verhältnis zwischen den Strukturen, die es auch ja auch braucht, und dem individuellen Leben, finde ich sehr interessant.“

Aufgewachsen ist Rutowsky in Dorfen, nach mehreren Jahren in München, zog es ihn wieder hinaus aufs Land. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und drei Kindern in Gars.

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Ausstellung „Essigfabrik“ im September

Die von ihm gesprühte Personengruppe wird für die nächsten Wochen die Essigfabrik zieren, bis sie, wie im Graffiti üblich, übermalt wird. Im September plant der Kunstverein Ak 68, der die Wand betreut, außerdem eine Ausstellung mit dem Namen „Essigfabrik“, wo Fotografien der Kunstwerke, gezeigt werden sollen.

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