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Ziegen statt Milchkühe

Hier wird gemeckert: Bei „My Goas“ in Gars dreht sich alles um Bio-Ziegen

Drei Kinder und einen Stall voll Ziegen: Bei der Familie Eisner ist immer was los. Unser Bild zeigt die Eltern Maria und Georg mit Nesthäkchen Katharina und ihren Brüdern Florian (mit Zicklein auf dem Arm) und Alexander.
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Drei Kinder und einen Stall voll Ziegen: Bei der Familie Eisner ist immer was los. Unser Bild zeigt die Eltern Maria und Georg mit Nesthäkchen Katharina und ihren Brüdern Florian (mit Zicklein auf dem Arm) und Alexander.
  • Kirsten Meier
    vonKirsten Meier
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„My Goas“ heißt die Geschäftsidee der Familie Eisner aus Gars. Die Landwirte halten 160 Ziegen, bauen das Biofutter selbst an und stellen aus der Ziegenmilch Käse und Quark her, die man am Kunden-Kühlschrank vor dem Hof bekommt.

Gars – Sie sind sehr sozial, relativ robust, intelligent, gewitzt und manchmal auch frech im positiven Sinne: Ziegen. Wenn man auf den Hof von Familie Eisner kommt, wird auch mal gemeckert. Jedoch nicht die Kinder, die sich über Homeschooling beschweren, sondern die 160 Ziegen, die zur kalten Jahreszeit im Stall stehen.

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Sobald es warm wird, dürfen sie raus auf die saftig grüne Wiese. Für Georg (43) und Maria (37) Eisner ist ein Lebenstraum wahr geworden: Seit 2008 betreiben sie ihren Ziegenhof. Das Ehepaar wurde in die Landwirtschaft hinein geboren. Georg Eisner ist Landmaschinenmechaniker und Agrar-Betriebswirt, seine Frau ist Floristin. Beide teilen die Liebe zur Natur, den Tieren und zur Landwirtschaft. Das geben sie auch an ihre drei Kinder Alexander (10), Florian (7) und Nesthäkchen Katharina (3) weiter.

Neugierig gucken die Ziegen in die Kamera.

Dass in ihren Ställen Ziegen statt Kühe stehen, ist fast ein bisschen „exotisch“. Schließlich ist der klassische Milchmarkt auf Kuhmilch ausgelegt. Die Eisners wollten ihrer Heimat jedoch etwas ganz Besonderes bieten: selbst hergestellte Produkte aus Ziegenmilch.

Ziegenhaltung bietet viele Vorteile

Manch einer weiß die Vorzüge von Ziegen gar nicht zu schätzen. Ihre Milch ist gesund und schmackhaft. Der Anteil an Fett ist in Ziegen- und Kuhmilch ähnlich hoch, Ziegenmilch unterscheidet sich jedoch in ihrer Fettsäurezusammensetzung. Sie ist schneller und leichter verdaulich als Kuhmilch.

Maria Eisner beim Käsemachen.

Besonders wertvoll ist die Ziegenmilch wegen ihres hohen Gehalts an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Dazu kommt, dass alle Produkte der Eisners Bio sind. Bei diesen Vorteilen kann man wirklich nicht meckern. Für Familie Eisner gibt es viele gute Gründe, weshalb auf ihrem Hof Ziegen leben.

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„Bei Ziegen braucht man nicht so intensive Landwirtschaft zu betreiben wie bei Rindern. Sie fressen Gras, zupfen Blätter von Büschen, schälen Rinde ab, fressen Wiesenblumen und lieben Kräuter. Alles, was die Natur hergibt, erfreut ihren Gaumen“, erzählt der Ziegenbauer. „Sie machen Landschaftspflege, man hat weniger Aufwand mit den Gerätschaften und dazu haben sie einen tollen Charakter“, setzt er fort.

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Ziegen sind zudem schlau und kennen den genauen Ablauf. Pfeift man, reagieren sie sofort. Das Melken verläuft in etwa wie bei Kühen, nur in kleinerer Ausführung. Die Tiere gehen selbstständig in den Melkstand.

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Aus der Milch stellt die dreifache Mutter dann leckere Käsespezialitäten her. Pro Sorte benötigt sie dazu etwa zwei Tage.

Kurs für Milchverarbeitung besucht

Um überhaupt Käse selbst herstellen zu können besuchte das Ehepaar einen Kurs für „Basisverarbeitung Milch“ in der Käseschule im österreichischen Rotholz. Dort ist man auf die Herstellung von Produkten mit Ziegen- und Schafsmilch spezialisiert. „Wir sind zugelassen für die Milchverarbeitung von Ziegen- Schafs- und -Kuhmilch“, sagt Eisner.

Maria Eisner bereitet den Ziegenkäse fürs Verpacken vor.

Auch Umwelt-, Klima- und Naturschutz liegt ihnen sehr am Herzen. Sie bewirtschaften 39 Hektar Wiesen und Felder. Das Heu und Getreidefutter für die Tiere stammen aus eigenem Anbau. Bei schönem Wetter stehen saftiges Grün, Wiesenblumen, Kräuter und als Schmankerl ein bisschen Fallobst auf ihrem Speiseplan.

Auf Tierschutz wird geachtet

Artgerechte Haltung ist den Eisners wichtig. Deshalb können sich ihre Tiere im Stall frei bewegen, haben einen Auslauf im Freien und sind von Frühjahr bis Herbst auf der Wiese.

Dem Klima tut die Garser Familie auch etwas Gutes: Sie gewinnt die benötigte Energie durch eine Solaranlage und Flüssiggas, bei der Käseproduktion setzt sie auf Pufferspeicher. Ab Mai soll auch die Verpackung ihres Frischkäses recyclingfähig und damit umweltfreundlich werden.

Viele Käsesorten im Kühlschrank

Aktuell stellen die Eisners Weich- und Grillkäse sowie Camembert her. Auch Quark gibt es im Kunden-Kühlschrank, der vor dem Hof steht.

Das Sortiment von „My Goas“.

Der Tag ist lang, aber die Eisners und ihre Tiere sind glücklich. Näheres zum Betrieb der Familie Eisner auf www.mygoas.de.

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Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Georg Eisner: Nach dem Aufstehen am Morgen versorgen Maria und ich zuerst die Tiere, füttern und melken. Das machen wir morgens und abends. Danach mache ich mich an die Arbeit mit der Buchhaltung, Vermarktung und dem Organisatorischen. Maria kümmert sich um die Kinder. Durch Corona ist bei den Jungs noch Homeschooling angesagt. Mittags beginnt meine Frau mit der Käseherstellung. Das Meiste machen wir gemeinsam. Am Abend, wenn die Tiere versorgt sind und die Arbeit getan, kommen wir dann endlich ein bisschen zur Ruhe.

Wie wird der Käse hergestellt?

Maria Eisner: Die Käseherstellung ist immer gleich, unabhängig davon, ob es sich um Kuh-, Ziegen-, oder -Schafmilch handelt. Das Käsen beinhaltet eine Reihe von Hauptschritten, die für die meisten Käsesorten immer gleich sind. Die Rezeptur unserer Spezialitäten ist unser Geheimnis. Sicher ist, dass sämtliche Zutaten aus unserer Region stammen. So auch die vielen leckeren Kräuter und auch das Öl. Regionalität ist uns sehr wichtig.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?

Georg und Maria Eisner: Das Allerwichtigste ist, dass alle gesund bleiben und gut durch Corona kommen. Wichtig für uns wäre, dass dass unsere Produkte überall im Handel angeboten werden: in Supermärkten, Biomärkten, Hofläden und überall, wo es guten Käse zu kaufen gibt. Natürlich würden wir uns wünschen, dass die Menschen offener werden und die Vorzüge von Ziegenmilchprodukten lieben und schätzen lernen. Viele Menschen haben ein völlig falsches Bild von Ziegenmilch. Dabei ist sie geschmacklich klasse und vor allem gesund.

Bauernverband unterstützt die Ziegenhaltung

Ulrich Niederschweiberer,Kreisobmann des Kreisverbandes Mühldorf beim Bayerischen Bauernverband (BBV), begrüßt das Engagement der Familie Eisner. „Ziegen dienen der Landschaftspflege und ihre Produkte erfreuen sich bester Nachfrage. Da ist so ein ergänzendes Angebot, wie das der Familie Eisner, beim BBV sehr willkommen. Das sind Marktnischen, die hier bedient werden. Auch die Milch der Ziegen ist gerade für Menschen mit Laktoseintoleranz eine gute Wahl.“

Auch das Landwirtschaftsministerium unterstütze aktuell die extensive Weidehaltung von Ziegen – und auch Schafen – derzeit mit der „Schaf- und Ziegenprämie Bayern“, die noch bis zum 15. Mai beantragt werden kann, als einzeltierbezogene Prämie in einer Herde ab 20 Tieren. Mit der Schaf- und Ziegenprämie fördere der Freistaat Bayern die Weidehaltung der kleinen Wiederkäuer. „Denn die extensive Beweidung mit Schafen und Ziegen sichert Lebensräume für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten“, so Niederschweiberer.

Zahlen: Milchviehbetriebe in Bayern

Kühe: Etwa 1,1 Millionen Milchkühe verteilen sich auf mehr als 27 600 Milchviehhalter. Von etwa 7,8 Millionen Tonnen Milch werden etwa 7,3 Prozent Biomilch in ganz Bayern angeliefert.

Ziegen: Etwa 26 000 Ziegen leben in 1 700 Betrieben. Der Trend zu immer größeren Beständen wächst.

Schwerpunkt der Ziegenhaltung sind Oberbayern und Schwaben.

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