Garser Bürgermeister Strahllechner verabschiedet sich nach 12 Jahren im Amt

Findet, Gars steht in allen Bereichen nicht schlecht da: Bürgermeister Norbert Strahllechner, der nach 12 Jahren aufhört. Münch
+
Findet, Gars steht in allen Bereichen nicht schlecht da: Bürgermeister Norbert Strahllechner, der nach 12 Jahren aufhört.

Nach 12 Jahren nimmt er seinen Hut: Bürgermeister Norbert Strahllechner. Im Abschiedsinterview mit der Wasserburger Zeitung blickt er zurück. Er wünscht sich, dass Gars so lebens- und liebenswert bleibt, wie es ist.

Gars – Nach 12 Jahren nimmt er seinen Hut: Bürgermeister Norbert Strahllechner. Im Abschiedsinterview mit der Wasserburger Zeitung blickt er zurück.

Was war Ihr größter Erfolg oder das für Sie wichtigste Vorhaben, das Sie umsetzen konnten?

Das war ohne Zweifel der neue Kindergarten, das Kinderhaus St. Antonius, das im Jahr 2012 fertiggestellt und eröffnet werden konnte. Der frühere Kindergarten in kirchlicher Trägerschaft hatte nur drei Kindergruppen, diese reichten bei Weitem nicht mehr aus und der Pfarrei wären von Seiten des Ordinariats nicht mehr Gruppen und nicht mehr Personal bewilligt worden. Deswegen haben wir damals einen neuen gemeindlichen Kindergarten mit sechs Kindergruppen geschaffen. Dazu kommt noch eine Außengruppe in Au am Inn. Eingerichtet wurde auch eine Kinderkrippe mit heute zwei Gruppen und im Jahr 2017 kam noch der Familienstützpunkt dazu.

Die Gemeinde wurde ja nicht Träger...

Als ganz großer Glücksfall, den ich heute sogar als besondere Fügung betrachte, erwies sich damals, dass die Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen von Au für die Trägerschaft des Kinderhauses gewonnen werden konnte. In eigener Trägerschaft hätte die Gemeinde den Kindergarten wohl kaum führen können. Glücklicherweise umfasst das Leitbild des Ordens die Arbeit mit nicht behinderten und behinderten Kindern. Die im Kinderhaus St. Antonius angestellten Fachkräfte arbeiten heute mit ihren Schutzbefohlenen integrativ und an den Maßstäben der Inklusion orientiert. Dabei muss natürlich der Betreuungsschlüssel eingehalten werden, ein Problem, das immer wieder aktuell zu lösen ist.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Mittlerweile wächst der Bedarf weiter...

Die projektierte Größe des Kinderhauses war damals ausreichend, mittlerweile wurden jedoch in der Gemeinde neue Baugebiete erschlossen und auch die Migration trug dazu bei, dass die Zahl der zu betreuenden Kinder die Erwartungen deutlich übertroffen hat. Derzeit läuft die Planung für eine Erweiterung des Kindergartens in einem neuen Gebäude an Stelle der alten Grundschule. Die für ein solches Projekt heute notwendige europaweite Ausschreibung kann bald erfolgen.

Der Weg dahin war steinig...

Noch gut erinnere ich mich an die damaligen harten Verhandlungen im Gemeinderat bis hin zu Kampfabstimmungen, zu denen es im Vorfeld des Baus des Kinderhauses kam. Heute kann man aber sicher sagen, dass das Projekt Kindergarten für Eltern, Kinder und Gemeinde gleichermaßen glücklich umgesetzt worden ist.

Was hätten Sie gerne noch in ihrer Amtszeit realisiert, was haben Sie nicht geschafft?

Ja, das ist ohne Zweifel die Sanierung des Mittelschulgebäudes: Die Mängelbeseitigung ist immer noch nicht abgeschlossen. Offene Probleme sind immer noch beim Wärmeverbundsystem, der Wandisolierung, bei den Fensterbefestigungen, die mangelhaft sind, es stehen Blecharbeiten an und die Liste ließe sich fortsetzen. Seit zwölf Jahren liegt der Schulverband Gars – Unterreit – Reichertsheim im Streit mit den damals verantwortlichen Firmen. Laufend werden auf Antrag beider Parteien vom Gericht neue Gutachten bestellt, deswegen wird sich die Sache noch länger hinziehen.

Es gibt noch eine zweite Geschichte: Die Schaffung einer für alle Beteiligten ordentlichen Zufahrt zu einem Grundstück, näher kann ich das nicht ausführen. Ich bin traurig, dass mir keine Lösung dieses Problems gelungen ist.

Aus Ihrer Erfahrung heraus: Welchen Ratschlag haben Sie für Ihren Nachfolger?

Ich wünsche ihm, dass er die Bürger ernst nimmt, dass er ihnen zuhört und dass er alle gleich behandelt, alle Bürger in allen Ortsteilen. Damit sollte er seine Nähe zu den Bürgern zeigen. Das Meiste wird er sowieso selbst herausfinden müssen. Empfehlen kann ich ihm aber auch, bei den Vereinen keine Unterschiede zu machen und bei den verschiedensten Veranstaltungen Präsenz zu zeigen, seien es nun Versammlungen oder Beerdigungen und kirchliche Anlässe.

Was wünschen Sie Ihrer Gemeinde für die Zukunft?

Ich wünsche der Marktgemeinde Gars, dass es positiv weitergeht und dass alle anstehenden Aufgaben auch finanziell machbar und umsetzbar sind. Auch sollten ihr die Steuereinnahmen angesichts der aktuellen Krise nicht wegbrechen. Als anstehende Projekte sehe ich auf jeden Fall die Kindergartenerweiterung und mehrere Straßenbauprojekte in Mittergars, Gars Bahnhof und in Gars selbst.

Gars sollte weiterhin so lebens- und liebenswert bleiben, wie es ist. Wenn man z.B. das Gewerbe anschaut: Alles, was man braucht, ist da, man muss gar nicht irgendwohin fahren. In allen Ortsteilen kann man für den Grundbedarf einkaufen. Zwar ist der Bereich Gastronomie etwas eingeschränkt, aber wir haben eine gute medizinisch – ärztliche Versorgung und auch die Seelsorge im kirchlichen Bereich ist intakt. Ich bin stolz auf unser „Kleinzentrum Gars“, - es steht in allen Bereichen nicht schlecht da.

Kommentare