Ganz Wasserburg rätselt: Wer ist die geheimnisvolle Häkel-Künstlerin?

Spinnenalarm: Wasserburger Schaufenster zieren diese gehäkelten Netze.Rieger
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Spinnenalarm: Wasserburger Schaufenster zieren diese gehäkelten Netze.Rieger
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Niemand kennt sie, doch viele kennen ihre Werke: Häkelnd nimmt eine unbekannte Künstlerin seit Ende 2018 die Stadt Wasserburg unter die Lupe. Jetzt hat sie erneut „zugeschlagen“: Riesige Spinnen klettern über Schaufenster von leer stehenden Geschäften. Wir haben uns auf die Suche gemacht.

Wasserburg – Selbst im Rathaus, wo viele Mitarbeiter immer das Ohr am Bürger haben, gibt es nur die Mitteilung: Künstlerin nicht bekannt.

Wann hinterlässt sie ihre Werke? Da sie bisher wohl noch nie jemand gesehen hat, muss es in aller Früh oder nachts sein. Die Wasserburger und ihre Gäste finden es auf jeden Fall toll, dass die geschickte Handarbeiterin immer wieder ihre gehäkelten Spuren im Stadtbild hinterlässt.

Die Corona-Pandemie inspirierte die Künstler zu gehäkelten Viren.

Inspiration liefert sogar Corona

In der Adventszeit 2018 fing die Aktion an: mit Kerzen und einem Engel am Bauzaun der Berufsschule. Als der Lockdown Wasserburg in Erstarrung versetzte, hingen plötzlich Corona-Viren im Magnolienbaum in der Altstadt. Die Künstlerin fütterte außerdem das Aushängeschild der Großen Kunstausstellung, den Hasen Johnny K. Rotten“, vor dem Rathaus: Sie häkelte ihm eine Mohrrübe.

Ein gehäkelter Engel ziert den Bauzaun an der Berufsschule.

Vor einigen Tagen nun die Spinnen-Invasion: Die Krabbeltiere zieren unter anderem den geschlossenen Laden in der Postgasse und das Schaufenster des ehemaligen Schlecker-Geschäfts neben der Apotheke im Burgerfeld. Ja, ist denn schon Halloween? Nein, viele Wasserburger wie unser Fotograf und Autor Karlheinz Rieger, der fast jedes Werk im Bild festgehalten hat, vermuten, dass die HäkelKünstlerin mit ihren Werken eine Botschaft vermitteln möchte. Beispiel Spinnen: Sie sind derzeit wohl die Einzigen, die die verlassenen Geschäfte bevölkern. Humor hat sie auf jeden Fall auch, die Unbekannte, wie das orange Hasenfutter gezeigt hat.

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Doch wer steckt dahinter? Nachfrage bei einer Expertin, die es wissen müsste: Andrea Groß, Inhaberin des Wollgeschäfts in der Salzsenderzeile. Sie lacht verschmitzt und gibt zu: „Ich glaub, ich kenne die Person. Ich gehe davon aus, es ist eine Kundin von uns. Doch verraten werde ich es nicht.“ So viel sagt sie dann doch: „Es muss eine Könnerin sein.“ Die Werke seien „super gut gelungen“, weil aufwendig gehäkelt. Pro Arbeit sitze die Künstlerin mehrere Stunden dran. „Mir gefällt die Aktion sehr gut. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich wieder ein neues Kunstwerk sehe. Und dass die Künstlerin im Geheimen arbeitet, macht die Sache doch noch spannender“, findet Andrea Groß.

Note eins für die Könnerin

Die Unbekannte hatte Mitleid mit Hase „Johnny“ und häkelte ihm eine Karotte.

Auch der Expertin Nummer zwei, die sich mit dem Häkeln auskennt, ist nicht bekannt, wer hinter den Handarbeiten steckt. Eins weiß Edith Krieger-Gartner, Lehrkraft für Werken und Gestalten an der Grundschule Am Gries, jedoch: Eine Note eins würde sie den Arbeiten der Unbekannten geben. „Das ist eine Person, die es wirklich kann. Handwerklich sind die Werke sehr gut gemacht.“ Edith Krieger-Gartner freut sich über jedes neue Objekt, das sie in der Stadt entdeckt. „Das macht doch Wasserburg aus: Dass Menschen sich kreativ betätigen – in Aktionen, die auch bunt und manchmal mit einem etwas schrägen Touch daherkommen.“

Adventsstimmung – gehäkelt von Unbekannt.

Häkel-Star bitte melden!

Die OVB-Heimatzeitung würde natürlich gerne erfahren, wer die Kreative ist. Deshalb unser Aufruf an die Künstlerin – oder an den Künstler: Bitte melden unter Telefon 915513. Wenn gewünscht, verraten wir den Namen und die Identität nicht. Nur wissen würden wir es gerne – so sind sie halt, die neugierigen Journalisten.

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