Gemeinderat Ramerberg

Verlegung des Fußballplatzes nach Zellereit: Schlusspfiff oder eine Verlängerung?

Auf die große grüne Wiese unten soll der Sportplatz verlagert werden. Das Grundstück steht zur Verfügung.
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Auf die große grüne Wiese unten soll der Sportplatz verlagert werden. Das Grundstück steht zur Verfügung.
  • vonKatharina Heinz
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Die Sondersitzung des Ramerberger Gemeinderates zur umstrittenen Sportplatzverlegung nach Zellereit war, wie erwartet, von vielen Emotionen und Streit geprägt. Doch es gibt Hoffnung, zumindest was die Bemühungen um Frieden angeht.

Ramerberg – Werden die Planungen für einen neuen Fußballplatz in Zellerreit beendet oder wieder aufgenommen? Diese Frage müssen die Ramerberger Gemeinderatsmitglieder um Bürgermeister Manfred Reithmeier (UWR) im Oktober beantworten. Um ihnen die Entscheidung leichter zu machen, fand eine öffentliche Sondersitzung statt, bei der alle Infos zum Projekt auf den Tisch kamen.

Gegner und Befürworter sitzen einander gegenüber

Die Suche nach einem neuen Sportplatz-Gelände beschäftigt Ramerberg schon seit über 17 Jahren. Gegen das Vorhaben, den Sportplatz von Ramerberg nach Zellerreit zu verlegen, gingen 180 Einwände ein – viele davon von Anwohnern aus Zellerreit. Entsprechend groß war das Interesse an der Versammlung. Wegen der Corona-Hygienemaßnahmen standen im Gasthaus Bichler nur 60 Plätze zur Verfügung. Die waren schnell besetzt. Auf der einen Seite saßen überwiegend die Gegner des Vorhabens, auf der anderen – viele in blauen „SV-Ramerberg-Jacken“ – großteils die Befürworter.

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Mitdiskutieren durften die Gäste allerdings nicht. Bei einer Gemeinderatssitzung wird lediglich den Ratsmitgliedern oder auch den Verwaltungsmitarbeitern das Wort erteilt. So gab Ulrike Grandt, Bauamtsleiterin der Verwaltungsgemeinschaft Rott-Ramerberg, einen Sachstandsbericht über die vergangenen Vorgänge sowie den aktuellen Planungsstand.

So wurde bereits in den Jahren 2002/2003 vom damaligen Gemeinderat beschlossen, den Sportplatz nach Zellerreit zu verlegen. 2012/2013 prüfte ein neuer Rat dann eine Standortsicherung am westlichen Ortsrand von Ramerberg. Hier gab die Regierung von Oberbayern aber vor, dass man angrenzend an das Wohngebiet bauen müsse – das scheiterte an der Zustimmung der Grundstückseigentümer. 2016 kam schließlich vom WSV Zellerreit der Antrag auf einen Bebauungsplan für den Standort Zellerreit, denn auch der Wintersportverein kann ohne diesen auf seinem Gelände nichts bauen. 2018 folgten entsprechende Anträge vom SV Ramerberg und dem Grundstückseigentümer.

Corona hatte weitere Bearbeitung gestoppt

Für eine Sportplatzverlegung nach Zellerreit, neben die bestehenden Anlagen für Tennis und Stockschießen, müsste der Flächennutzungsplan geändert werden. Der habe in diesem Bereich laut Grandt aber schon Bereiche für die Sportnutzung ausgewiesen. Für die Aufstellung des Bebauungsplanes muss der Entwurf in zwei Runden öffentlich ausgelegt werden. Grandt skizzierte, dass man sich derzeit zwischen der ersten öffentlichen Auslegung und dem ersten Auslegungsbeschluss befinde. Die Einwendungen der Behörden und der Öffentlichkeit der ersten Runde seien eingetroffen. „Doch dann kam Corona und in der Gemeinde hat sich ein Führungswechsel abgezeichnet“, so die Bauamtsleiterin. Da es nicht klar gewesen sei, wie es weitergehen würde, wurde die Bearbeitung an dieser Stelle gestoppt. Einen groben Überblick über die Kritikpunkte hat sie trotzdem ausgearbeitet.

Die Einwände der Behörden seien inhaltlich nicht schwerwiegend, rechtliche Einwände gebe es keine. Es wurde unter anderem gefordert, das Gebiet auf gefährdete Arten wie die Haselmaus oder den Nachtfalter zu überprüfen. Hier könne man aber auf umfangreiche Ausgleichsflächen verweisen, was ausreichend sei.

Rechtlich möglich, politisch gewollt?

Die Kritikpunkte der Anwohner fasste Grandt thematisch zusammen. So überschreite die Lärmbelastung laut Gutachten den Richtwert um ein Dezibel, was man mit einem Wall und einer Schutzwand lösen könne. Auch einer Zufahrt über die Gemeindestraße stehe rechtlich nichts im Weg. Dennoch gebe es Engstellen und die Zufahrt durch das Wohngebiet sei nicht ideal. Daher sind drei weitere Zufahrts-Varianten über den südlich gelegenen Kreisverkehr in der Prüfung. Insgesamt soll der Sportplatz 70 Parkplätze bekommen. Das Oberflächenwasser soll vor Ort versickern.

Die Bauamtsleiterin machte klar: „Das Vorhaben ist rechtlich möglich, doch ist es auch politisch gewollt?“ Das war der Anpfiff für eine teils sehr hitzige Debatte.

Schlagabtausch der Gegner und Befürworter

Zu der Präsentation des Vorhabens hatten die Ratsmitglieder – allen voran Fabian Tretter (UWR) – jede Menge inhaltliche Fragen. Da ging es um den Gebietscharakter der angrenzenden Wohnbebauung – laut Grandt „allgemeines Wohngebiet“, da sich dort teils Gewerbe angesiedelt habe – und um zwei verschiedene Lärmgutachten – wobei man bei der Verwaltung das mit den höheren Belastungswerten als realistisch betrachtet. Selbst dieses würde die Richtwerte aber nur gering überschreiten.

Kein Vereinsheim, sondern Zweckbau

Gefragt wurde nach der Bodenbeschaffenheit, und ob man dort im kartierten Niedermoor-Gebiet nicht einen umfassenden Bodenaustausch brauchen würde. Grandt gab ein anderes Gutachten wieder, das aufzeigte, im Bebauungsplangebiet sei kein organischer Boden gefunden worden, es befinde sich dort also faktisch kein Niedermoor.

Das Oberflächenwasser soll laut der Planungen nicht gesammelt und in den Graben ausgeleitet werden, sondern versickert auf der Fläche. Der Graben soll dennoch naturschutztechnisch aufgewertet werden.

Grandt machte deutlich, dass laut der Planungen kein Vereinsheim vorgesehen sei, sondern lediglich ein Zweckgebäude mit Umkleiden und Duschen.

Die Frage nach der Finanzierung des Vorhabens betreffe laut Grandt zwar das Bebauungsplanverfahren nicht, sie habe dennoch einmal beim SV nachgehakt. Es liege wohl eine Kalkulation über Eigenkapital und Fördergelder vor.

Tiefe Spaltung im Gemeinderat

Doch die Diskussion beschränkte sich nicht nur auf inhaltliche Fragen. Sie offenbarte die tiefe Spaltung, die sich durch den Gemeinderat zieht. Dort sitzen sich die UWR mit Bürgermeister Reithmeier und einer Ein-Stimmen-Mehrheit sowie die NRL/FWGR gegenüber, unter deren Vorgänger-Bürgermeister die aktuelle Sportplatz-Planung vorangetrieben wurde.

Konrad Fuchs von der NRL/FWGR etwa vertrat die Meinung: „Wir haben das jetzt schon so lange bearbeitet, es soll jetzt weitergehen für den SV.“ Es wäre zwar schön, wenn man eine andere Zufahrt finden würde. Doch eine günstigere Variante gebe es für die Gemeinde nicht. Fuchs sagte auch, er könne nicht verstehen, wie man gegen die Sportplatzverlegung sein könne. „Wir tun doch was für die Kinder“, machte er klar. Er forderte auch, dass man sich von der Ramerberger Variante verabschieden müsse.

Gibt es Alternativstandorte?

Der aktuelle Standort dort sei einfach nicht zeitgemäß, betonte Andreas Ullmann (NRL/FWGR). Der Platz befinde sich direkt an einer Durchgangsstraße, die Sanitäranlagen lägen rund 300 Meter entfernt und der Platz ist uneben. Der SV bekomme nur Fördermittel für Investition vom BLSV, wenn der Standort des Fußballplatzes auf 25 Jahre gesichert ist.

Doch bei der Frage nach einer Alternative kochte die Debatte hoch. Magnus Steinmüller (UWR) warf ein, dass es in der Vergangenheit bereits Flächen zum Kauf gegeben habe, was die Gemeinde nicht angenommen habe. Auch würde das Verfahren, wenn man es fortsetze, angesichts der vielen Einwände sicher noch zwei bis drei Jahre dauern. Rupert Riedl (UWR) meinte: „Es ist schade, dass ihr so dagegen seid, andere Standorte zu finden.“ Bürgermeister Reithmeier kündigte an, sich am Freitag mit Vertretern des Sportvereins treffen zu wollen, um über eine neue Alternative zu sprechen. Petra Hölzle (NRL/FWGR) meinte, dass man diese Variante ja noch nicht kenne, daher könne man darüber auch nicht sprechen. Sie betonte aber, dass mit einem neuen Standort auch die Arbeit von vorne losgehe. Laut Bauamtsleiterin Grandt haben die Planungen von 2015 bis September 2020 knapp 54.000 Euro gekostet.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Hölzle hatte aber auch ein grundsätzliches Problem mit der Diskussion. „Schade, dass es immer wieder darauf hinausläuft, was wir früher alles versäumt haben sollen“, meinte sie. Unter dieser Voraussetzung werde die Zusammenarbeit schwierig. Magnus Steinmüller (UWR) machte klar, dass er sich umfassend informieren wolle, bevor er eine Entscheidung treffe. Was ihn störte: „Auf der einen Seite wird immer geplärrt, aber keine Notlösung gesucht.“ So hätte man am jetzigen Sportplatz ja auch einmal Dixieklos aufstellen können.

In der Sitzung im Oktober kommt das Thema erneut auf die Tagesordnung. Dazu sind auch einige der Planer eingeladen. Dann muss ich der Rat entscheiden, ob die Planungen wieder aufgenommen werden.

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