Eiskalte Klassenzimmer? – Nicht nur Wasserburger Schüler zittern vorm Corona-Winter

An den Mund-Nasen-Schutz haben sich viele Kinder schon gewöhnt, nur müssen sie im Corona-Winter oft frierend in den Klassen sitzen, weil viel gelüftet wird?
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An den Mund-Nasen-Schutz haben sich viele Kinder schon gewöhnt, nur müssen sie im Corona-Winter oft frierend in den Klassen sitzen, weil viel gelüftet wird?

Der Winter naht und das Coronavirus ist immer noch da. Diese Kombination bereitet Schulen Kopfzerbrechen. Denn regelmäßiges Lüften trägt zum Infektionsschutz bei. Doch während die Aerosole durch das Fenster rausgehen, kommt die kalte Winterluft herein. Droht eine Erkältungswelle?

Von Sophia Huber

Wasserburg/Haag – „In den Pausen lüften wir im Moment durch", berichtet Maria Albert, Leiterin der Mittelschule Wasserburg. „Während der Schulstunden haben wir bisher die Fenster die ganze Zeit geöffnet, aber das können wir im Winter, wenn es kälter ist, natürlich nicht so weiterführen.“

Hermann Huber, Leiter der Realschule Haag, steht vor einem ähnlichen Problem. „Im Moment arbeiten wir grundsätzlich mit offenen Türen und Fenstern, aber das Erkältungsrisiko steigt im Winter an und wir wollen natürlich nicht, dass unsere Schüler und Schülerinnen krank werden.“

Erkältungsgefahr bereitet Eltern Sorgen

Sorgen machen sich nicht nur die Lehrer, auch Eltern äußern Bedenken. Sebastian Weger, Vorsitzender des Elternbeirats am Luitpold-Gymnasium betont, dass die Schule die Corona-Maßnahmen gut durchführt. „Lüften ist wichtig“, ist er überzeugt. Zudem seien die Kinder seinem Eindruck nach sogar offener gegenüber Präventionsmaßnahmen als Erwachsene. „Trotzdem machen wir uns natürlich Sorgen wegen Erkältungen im Winter“, so Weger weiter.

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Eine mögliche Lösung für dieses Problem ist bereits im Gespräch: Luftreinigungsgeräte mit Filterfunktion. Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo kündigte kürzlich die Bereitstellung von Fördermittel zu diesem Zweck an. In Wasserburg selbst stößt dieser Vorschlag bislang auf wenig Interesse. Der Landkreis berichtet von vier Schulen, die Bedarf angemeldet hätten. Viele Bildungseinrichtungen hätten bereits im Zuge von Erweiterungen oder Sanierungen Frischluftsysteme eingebaut. Wie mit den vier Anfragen verfahren werde, hänge nun von den Förderrichtlinien des Ministeriums ab, diese lägen allerdings noch nicht vor, so Pressesprecherin Ina Krug.

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„In der Mittelschule und in den Grundschulen in Wasserburg besteht bisher kein Bedarf", so Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann. „Die Mittelschule Wasserburg hat ein neues Lüftungssystem, da dürften keine Probleme entstehen", erklärt sie. Auch von den Grundschulen habe das Bau- und Umweltamt noch keine Anfrage erreicht.

Filtersysteme eine Option

Das könnte sich jedoch ändern, denn Schulleiterin Maria Albert hält sich diese Option offen. „Wenn im Winter die Kälte kommt, wäre ein solches System schon vorteilhaft", meint sie.

Der Haager Realschulleiter Huber würde sich die Anschaffung von Filtersystemen ebenfalls überlegen. „Natürlich müssen wir das mit unserem Schulträger, dem Landkreis, besprechen.“ Auch käme es auf die konkrete Umsetzung der Förderung an, aber grundsätzlich würde er die Anschaffung von Filtergeräten begrüßen.

Doch es gibt auch skeptische Stimmen. Verena Grillhösl, Schulleiterin des Luitpold-Gymnasiums in Wasserburg, ist noch nicht überzeugt. „Die wissenschaftlichen Meinungen zu diesen Systemen gehen stark auseinander“, erklärt sie. In ihrer Schule sei zwar ein Belüftungssystem in einem fensterlosen Physikraum installiert. Dieses wirke sich auch sehr positiv auf die Luft- und Raumqualität aus. „Im Sommer wird dieser Raum von den Lehrkräften sogar bevorzugt, weil es dann sehr kühl ist", sagt sie.

Filteranlagen lösen das Lüftungsproblem nicht

Allerdings handle es sich bei der Anlage, im Gegensatz zu den im Moment diskutierten Geräten um ein Frischluftsystem. „Meine Angst ist, dass man sich mit einem Umluftsystem nur mehr Probleme schafft, als man löst“, so Grillhösl. „Außerdem muss meist zusätzlich noch gelüftet. Die Fenster stehen also weiterhin offen.“

Grillhösl betont allerdings, dass sie offen sei, wenn weitere Untersuchungen positive Effekte nachweisen könnten. „Bis dahin rate ich den Schülern zu Jacke und Zwiebelsystem.“

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