Der heimliche Chef des Burgbergs

Franz Mörtl ist der Wächter über die Burgruine in Kling bei Schnaitsee

Probesitzen auf der eigenhändig aufgestellten Ruhebank: Zufrieden genießt „Pfleger“ Franz Mörtl nach getaner Pflege den Aussichtspunkt vor der Burgruine auf dem Klinger Berg.
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Probesitzen auf der eigenhändig aufgestellten Ruhebank: Zufrieden genießt „Pfleger“ Franz Mörtl nach getaner Pflege den Aussichtspunkt vor der Burgruine auf dem Klinger Berg.
  • vonJosef Unterforsthuber
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Franz Mörtl ist Anwohner der Burgruine von Kling und kümmert sich um den Burgberg ehrenamtlich. Offiziell zuständig ist der Heimatverein Schnaitsee, der den Wanderweg in Schuss hält und Schilder aufgestellt hat. Heimlicher Chef ist und bleibt aber der Mörtl Franz.

Schnaitsee – Der Heimatverein Schnaitsee kümmert sich um den attraktiven Wanderweg vom Schnaitseer Ortszentrum zur Burgruine nach Kling. Dort aber sorgt auch Anwohner Franz Mörtl für die Pflege des wunderbaren Aussichtspunktes an der massiven Burgmauer. Auch die gemütliche Ruhebank, die der Heimatverein gestiftet hatte, wurde von Mörtl aufgestellt.

Beim Besuch der Heimatzeitung sagte Mörtl, dass heuer, wohl wegen der Situation rund um Corona, sehr viele Wanderer auf den Burgberg kamen und sich über die wunderbare Atmosphäre und die Weitsicht freuten. „Dazu musste auch der Grasweg von den Häusern zur Ruine ständig gemäht werden.

Bilder zieren den Burgweg

Stolz ist er auch auf die Bilder, die auf sein Betreiben hin den Burgweg zieren. Da ist gleich zu Beginn, 200 Meter vor der Ruine, das Bildnis des „Weißen Fuchses von Kling“. Das Original malte der Künstler Joseph Stephan († 1786) im Jahr 1777. Es hängt in der Badenburg in Nymphenburg in München. Dort findet sich auch eine Ansicht von Kling vom selben Künstler aus dem Jahr 1789. Diese ist ebenfalls an der Ruine anzusehen.

Wegweiser zur Burgruine Kling mit dem Bild des „Weißen Fuchses von Kling“ von Joseph Stephan.

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Während der kurzen Wanderung lobt Mörtl die Mitarbeiter des Bauhofs, die in der letzten Zeit den Hang des Burgberges wieder mühevoll und mustergültig von Gebüsch und Gestrüpp befreit hatten. „Jetzt kann man das wieder anschauen“. Aber auch geschichtlich ist Mörtl versiert. Er könnte eigentlich für die vielen Besucher schon als Burgführer herhalten. „Vermutlich stand die Burg schon um 950 für Graf Sighard. Das ist aber nicht sicher. Die erste Urkunde ist rund 100 Jahren später datiert.

1808 wurde Schloss abgerissen

Walther von Kling nannte sein Geschlecht nach dem Ort. Später gehörte die Burg dem Grafen von Wasserburg und im Weiteren verschiedenen Herren und Geschlechtern. Die Burg wurde zu einem Schloss ausgebaut. Es diente viele Jahre als Pflegegericht, eine Verwaltungseinheit der unteren Ebene im 15. bis zum frühen 19. Jahrhundert. Ein Pfleger oder auch ein Richter leitete damals Verwaltung, Polizei, Gericht und Militär. Recht rauh ging es manchmal zu: In der Chronik finden sich unter anderem Berichte von Gräueltaten und zahlreichen Hinrichtungen im Strafvollzug.

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Zu den glorreichen Momenten gehörte unter anderem der Besuch von Erzherzog Maximilian I. aus Österreich. Seit etwa 1600 ging die Geschichte rapide abwärts. Das Schloss verlor an Bedeutung als uneinnehmbare Festung. Nur gelegentlich waren Jagdbesuche zu verzeichnen. Und so kam es, wie es kommen musste: Das Schloss wurde ab 1808 abgerissen.

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Jetzt sind nur noch gewaltige Fundamentmauerreste vorhanden und zu besichtigen. Erst 1980 wurden diese von Schülern des Wasserburger Luitpold-Gymnasiums freigelegt. Mit dabei waren auch Studenten der TU in München und von weiteren Schulen. Kreisheimatpfleger Ferdinand Steffan hatte die Freilegung initiiert.“

Dieses Wissen hat Mörtl unter anderen von den Berichten Steffans und von Reinhold Schuhbeck aus dem Schnaitseer Heimatbuch.

Keine Souvenirs im Rucksack mitnehmen

Zum Schluss hat der „Pfleger“ auch noch einen Wunsch: „Es fehlen immer wieder Steine aus dem Mauer. Und da diese nicht am Boden liegen, sind sie wohl als Souvenir in den Rucksäcken der Besucher gelandet. Lasst doch bitte alles an seinem Platz, dann haben noch viele Gäste die Freude am Besuch unserer Burgruine.“

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