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Kreative Kinder gesucht und gefunden

Fotografieren, tanzen, schauspielern: Wie die Vhs Wasserburg neue Talente entdeckt

Jeden Spaß mitzumachen gehörte zu Felix Zimmermanns (Mitte) Rolle als Bindeglied zwischen den Kindern und der Volkshochschule sowie als Kursteilnehmer.
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Jeden Spaß mitzumachen gehörte zu Felix Zimmermanns (Mitte) Rolle als Bindeglied zwischen den Kindern und der Volkshochschule sowie als Kursteilnehmer.

Meditieren auf der Yoga-Matte, in Rollen schlüpfen, sich vertrauensvoll fallen lassen in die Arme von anderen: Wasserburger Kinder haben auf Einladung der Volkshochschule entdeckt, dass sie das können. Und noch viel mehr. Ein Blick hinter die Kulissen des Talentcampus.

von Thomas Kirchgraber

Wasserburg – Tanzen, Schauspielern, meditieren: Wasserburger Kinder haben auf Einladung der Volkshochschule entdeckt, das sie das können. Der Talente-Campus war ein großer Erfolg. 20 Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren tummelten sich in Kursen, um miteinander in neue Erlebniswelten einzutauchen. Vor allem aber: um ungezwungen und fernab von didaktischem Ballast spielerisch zu lernen.

Den Adler oder die Kröte machen

Vertrauen schaffen ging im Theaterkurs so: Die Kinder lehnten sich gegeneinander, so ass keiner für sich stand, aber die Gruppe trotzdem nicht umfiel.

Ein paar Beispiele: Jeder Teilnehmer der „Schauspiel“-Gruppe notierte sich geheim auf einem Zettel Stichpunkte zu einer Mini-Kurzgeschichte, die dann ein anderer durchs Los bestimmter Teilnehmer darzustellen hatte. Oder: Beim Yoga galt es, den Adler zu machen oder die Kröte und sich für ein paar Minuten entspannen – so ganz ohne Ablenkung und Handy. Beim Quigong durften die Kinder wie ein Affe gehen oder so wild wie ein Tiger umherspringen. Aus Pappe und Papier, aus Klebeband und Klebstoff stellten sie eine lustige Maske her. Oder sie versuchten sich als Fotografen.

Die ganze Welt ist ein Theater

Die Kursleitungen dieses Talent-Campus der vhs Wasserburg, Denise El Ghayati und Sonja Herzhoff (Quigong) Maria Bumes und Andrea Bichler (Yoga), Saskia Behringer (Masken basteln), Julius Kastner und Lisa Brand (Schauspiel), Thomas Kirchgraber (Fotografie) sowie „Genussbotschafterin“ Silvia Kirchhof (Kochen), gruppierten ihre Angebote rund um das Leitmotiv „Die ganze Welt ist Theater“!

So gerieten Bewegungs-Meditationen zu Pantomimen schauriger Tiere, streckten sich beim Yoga die Kinder wie Giraffen – oder verfielen in Seitlage in einem kurzen, aber hoffentlich erholsamen Schlaf. Freilich musste man herausfinden, in welcher theatralischen Maske die Leni oder der Filip am lustigsten aussahen. Und die kleinen Fotokünstler hatten die Aufgabe, sich gegenseitig malerisch oder albern in Szene zu setzen–- je nach momentaner Lust und Laune.

Vincent zelebrierte beim Yoga meisterhaft den Lotussitz.

Konzentrationsübungen in der Schauspielgruppe

In der Schauspielgruppe ging es besonders intensiv zu: Jemandem so schneidig ein „Hey du!!!“ zuzurufen, dass der Angesprochene auch reagiert, oder spielerische Konzentrationsübungen, bei denen man in Sekundenbruchteilen zwischen links und rechts zu unterscheiden hatte, und beim Fangermandl blitzschnell das richtige Code-Wort auszusprechen, bevor man aus dem Spiel geworfen wird. Und da kein Theater der Welt ohne Snacks auskommt, gingen immer gleich zehn Kinder daran, sich kleine Mahlzeiten einfallen zu lassen und auch selbst zu schnipseln, zu schälen, zu dekorieren und zu kochen – und auch um wieder aufzuräumen!

Vhs-Fachbereichsleiterin sehr zufrieden

 Angela Pillatzki, Fachbereichsleiterin der „Jungen vhs“ und Organisatorin des Campus, war mit dieser Premiere sehr zufrieden: „Ich habe in diesen Tagen in so viele glückliche Gesichter geschaut. Es ergaben sich Freundschaften zwischen den Kindern verschiedenen Alters und sozialen Milieus. Im Gegensatz zur Schule sollte der Spaß im Vordergrund stehen. Dennoch wollten wir den Kindern natürlich auch etwas Inhaltliches mitgeben. Das ist uns, so glaube ich, gelungen.“ Das Talent-Campus-Projekt sind die Wasserburger Verantwortlichen sehr ambitioniert angegangen. Von Anfang an verfolgte man die Idee, gesundes Essen selbst zuzubereiten gemäß der Initiative „Ich kann kochen!“ von Sarah Wiener. Also schüttelten die Kinder Sahne zu Butter, hobelten frische Kräuter, zauberten exotische Salate, lernten Gemüse zu portionieren und Würstlscheiben, Tomaten und Mozarella formschön aufzuspießen.

David wollte den Filip schon ganz genau fotografieren.

Aufgrund der langjährigen Erfahrungen im Fachbereich „Junge Vhs“ und entsprechend sensibilisierten Kursleitungen tauchten Spannungen zwischen den unterschiedlichen Altersgruppen erst gar nicht auf. Auch deshalb, weil keine Altersgruppe zahlenmäßig dominierte und von Beginn an alle Kinder in alle Spiele mit einbezogen worden sind. Zumal ihnen die Dozenten kein pädagogisches Konzept aufdrängen wollten. Und wenn was nicht funktionierte – dann wechselten alle zu einem nächsten Spiel.

„Hol heraus, was in dir steckt“

In Yoga und Qigong mussten die Trainerinnen direkt noch einen Gang höher schalten, um dem Aktionsdrang der jungen Teilnehmenden entgegenzukommen. Auch in den anderen Kursformaten entfaltete sich ein enormer Wissensdurst – nach dem Motto „Hol das heraus, was in dir steckt“.

Förderung vom Bund

Das übergreifende Motto des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für den Talent-Campus lautet „Kultur macht stark“. Dank der großzügigen Förderung ist ein attraktives Angebot möglich, das für die Teilnehmenden kostenfrei ist. „Das hat es uns sehr dabei geholfen“, so Angela Pillatzki, „auch Kinder aus bildungsbenachteiligten Familien zu erreichen.“ Als ergiebigsten „Zielgruppenpartner“ gewann die Vhs das Sonderpädagogische Förderzentrum Wasserburg. „Die Schulleitung und die Lehrer dort waren sehr engagiert, unser Angebot an ihre Schüler zu vermitteln“.

Die aggressionsfreie Atmosphäre und die Begeisterung der Kinder übertrug sich natürlich auch auf die Verantwortlichen – und schon jetzt ist klar, dass die Vhs Wasserburg auch im nächsten Jahr wieder einen Talent Campus veranstalten wird.

Felix „arbeitete“ als jugendlicher Moderator

Was ist die beste Vorbereitung darauf, bei einem „Talent Campus“ mit 20 Heranwachsenden den jugendlichen Moderator zu spielen und quasi als Bindeglied zwischen Dozenten und Kindern zu fungieren? Richtig: Man wächst als eines von acht Kindern in einer Großfamilie auf. Svetlana Drubel, Trägerin der Kinderkrippe Babensham und Leiterin der Offenen Ganztagsschule, lernte Felix Zimmermann als engagierten Praktikanten kennen und schätzen. Auf Anfrage der Volkshochschule Wasserburg schlug sie den 14-Jährigen für die Position des „Peer Teamers“, des Betreuers „auf Augenhöhe“, vor. Ein Vorbereitungsseminar später war Felix denn auch schon Teil des neuen ‚Vhs-Programms.

Für jeden Spaß zu haben

Julia sprühte beim Tanzen regelrecht vor Lebensfreude.

Ein wenig nervös sei er schon gewesen, gesteht Felix, der vorab kaum Informationen über Alter oder Milieu der zum Talent Campus angemeldeten Kinder und Jugendlichen hatte. Dennoch war er erstaunlich schnell bei den Acht- bis 14-Jährigen anerkannt. Sein Geheimnis: „Ich habe gelernt, mit schüchternen Kindern umzugehen, die Dinge langsam anzugehen und die Kinder nicht mit Dingen zu konfrontieren, die sie nicht mögen – so etwas erahnt man sehr schnell. Und dann natürlich jeden Spaß mitzumachen.“ Etwa sich skurrilen Theaterschmuck aufsetzen und von kichernden Mädchen schminken zu lassen.

Viel Fröhlichkeit erlebt

Leni schaffte es, inmitten des Trubels auf der Yoga-Matte zu entspannen.

Während der Talent-Campus-Halbtage half Felix beim Einrichten der Kursräume oder Vorbereiten der Pausen-Snacks und schwebte ansonsten von Raum zu Raum, um Präsenz zu zeigen, Wogen zu glätten und für die Kinder ansprechbar zu sein, für alle kleinen Probleme, die sich so ergaben. „Es gab aber keine dramatischen Zwischenfälle“, erinnert sich Felix gerne an seine Erfahrungen als „Peer-Teamer“ und Kursteilnehmer. „Vielmehr habe ich hautnah so viel Fröhlichkeit, Lebhaftigkeit und Aggressionsfreiheit erlebt.“

Was Felix einmal beruflich machen möchte, ist klar: „Ich will Erzieher werden. Beim Talent Campus habe ich unter an

Julia, Valentina, Sarah und Alina saßen in nur eine Schaukel für David Modell.

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