Klassenzimmer vor dem Bildschirm

„Um Punkt 8 sind alle online“: FOS/BOS Wasserburg ist gut auf den Distanzunterricht vorbereitet

Die Lehrer sitzen im Klassenzimmer alleine vor einem Bildschirm. Am anderen Ende der Leitung: die Schüler von zu Hause aus.
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Die Lehrer sitzen im Klassenzimmer alleine vor einem Bildschirm. Am anderen Ende der Leitung: die Schüler von zu Hause aus.
  • Winfried Weithofer
    vonWinfried Weithofer
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Aus den Erfahrungen des ersten Lockdowns und des damit verbundenen Homeschoolings hat das Kollegium der FOS/BOS Wasserburg seine Lehren gezogen und ist gut auf den neuerlichen Distanzunterricht vorbereitet.

Wasserburg – Seit Anfang der Woche findet für den Großteil der rund 450 Schüler der Staatlichen Beruflichen Oberschule in Wasserburg der Unterricht wieder online statt – wie schon im Frühjahr zu Beginn der Coronakrise. Die Lehrer machen sich die Erfahrungen zunutze.

Diesmal kein Sprung ins kalte Wasser“

Ingeborg Huber, Lehrerin für Englisch und Wirtschaft, sieht ihre Kolleginnen und Kollegen besser als damals auf die neue Phase des Distanzunterrichts – so heißt Homeschooling nämlich auf Deutsch – vorbereitet. „Wir sind nicht ins kalte Wasser geworfen worden, wir konnten uns besser darauf einstellen, konnten die Schüler besser als im März informieren und die Technik vorher einüben“, sagt die 45-Jährige.

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Nach ihren Worten wird es in den nächsten Tagen wichtig sein, auf die Schüler individuell einzugehen – sich zu vergewissern, dass auch wirklich alle online teilnehmen und entsprechende Lernfortschritte machen. „Das ist aufwendig“, räumt sie ein. Nach ihrem ersten Eindruck laufe es gut.

Für den Besucher mutet es freilich etwas seltsam an, den Lehrer ganz allein im Klassenzimmer zu sehen. An diesem Novembervormittag sitzt der Mathematik-Lehrer Robert Plischke vor dem Bildschirm und tauscht sich über das Video-Tool MS Teams mit seinen Schülern aus.

Manchmal lahmt das Internet

Die Ansagen kommen klar und deutlich, die Schüler sind, so der Eindruck, voll bei der Sache. „Wenn man am Anfang klare Regeln aufstellt, dann halten sie sich auch daran“, sagt Plischke. Probleme machen allenfalls die mitunter schlechten Internetverbindungen.

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Schulleiterin Claudia Romer sieht im Distanzunterricht den großen Vorteil, dass ein geregelter Unterricht ohne Stundenausfälle zustande kommt. Das coronabedingte Problem der Raumknappheit gibt es nicht. Zudem seien die Schüler ja schon erwachsen, sie verfügten über die Kompetenz, ihren Lernstoff zu strukturieren, fügt Romer hinzu.

Prüfungen werden in der Schule durchgeführt

Für die notwendigen Leistungsnachweise – an der FOS/BOS kann man unter anderem das Abitur erwerben – müssten sie aber ins Haus kommen. „Dazu holen wir die Klassen immer wieder herein.“ Und je nach Bedarf auch Gruppen.

Bestimmte einzelne Klassen werden grundsätzlich immer im Haus unterrichtet. Zum Beispiel die sogenannte internationale Vorklasse, die die Mittlere Reife ansteuert. Den Lehrer spontan etwas fragen, ist online für die ausländischen Schülerinnen und Schüler, die Deutsch lernen, eben allzu schwierig.

Kollegium hat eigene Ideen

Hohes Lob zollt Romer ihrem Kollegium: „Die Lehrkräfte sind unheimlich motiviert, sie unterstützen das Ganze, bringen eigene Ideen ein. Das merken auch die Schüler.“

Zufriedenheit, ja Dankbarkeit bei ihren Schülern stellt Ruth Wilczek fest, Lehrerin für Mathematik und Sport. „Vor einem halben Jahr war alles sehr viel chaotischer und unklarer. Es war niemand darauf vorbereitet.“ Jetzt herrsche Disziplin beim Homeschooling: „Um Punkt acht sind alle online.“

Schüler Linus (16) findet‘s „bequem“

Sigrid Herdle – sie unterrichtet Pädagogik und Psychologie – kontaktiert ihre Schüler in der Regel schon vor Unterrichtsbeginn. „Ich nehme mir gerne die Zeit, mit ihnen zu reden, sie zu fragen, wie es ihnen geht.“ Das kommt gut an. Aber leidet im Online-Betrieb nicht das soziale Leben? Hier ist die Pädagogin zuversichtlich: Untereinander, so ihr Eindruck, würden die Schüler durchaus weiter ihre Kontakte pflegen.

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Und wie sehen die Schüler den Online-Unterricht? Linus Brandtner (16) sagt: „Man lernt mindestens genauso gut wie in der Schule. Daheim lernen ist viel bequemer, man kann immer was essen, das stört Keinen. Oder auch mal kurz aufs Handy schauen.“

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