Neues von den Haager Störchen: zwei Todesfälle und zwei Geburten

  • Heike Duczek
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Im März 2020 wurden die Haager mit lautem Geklapper begrüßt und erlebten am Marktplatz eine rasante Flugshow: Gleich vier Störche zeigten sich am Himmel und inspizierten in regelmäßigen Abständen das Ersatznest auf dem Rathausdach. Nun gibt es wieder gute und schlechte Nachrichten aus der Haager Vogelwelt. 

Update 20. Juli: 

 Es gibt gute und schlechte Nachrichten aus der Haager Vogelwelt

Hobbyornithologe Willy Sagmeister teilte jetzt nach einer Inspektion der Storchennester auf dem Rathaus und auf dem Rößler-Kamin mit, dass beide von Familien bewohnt seien. Die Unterstützung der Haager Feuerwehr ermöglichte Sagmeister den Einblick vor Ort und aktuelle Schnappschüsse. Auf 28 Meter Höhe fuhr er am Rößler-Kamin hinauf. 

Das Nest bewohnt seit 2011 ein Storchenpaar. Heuer hatte es Nachwuchs. Ein Jungvogel überlebte, einer wurde tot aus dem Nest geworfen, ein zweiter liegt noch tot im Nest. Nicht nur die schlechte Witterung der vergangenen Wochen hat nach Überzeugung von Sagmeister dazu beigetragen, dass die zwei Jungstörche starben: „Ich vermute Futtermangel als Ursache.“ Erstmals quartierten sich heuer auch zwei Jungstörche auf dem Rathausdach ein. Die beiden hätten sich wohl auf Nestsuche befunden und so das Angebot auf dem Gebäude entdeckt, vermutet Sagmeister. Prompt habe sich auch ein Nisterfolg mit zwei gesunden Jungen eingestellt. Das Männchen trägt einen Ring, der die Angabe zu Herkunft und Alter beinhaltet. Bis jetzt konnte ihn der Vogelfreund jedoch noch nicht entschlüsseln: „Das ist schwierig, weil der Storch sich dauernd dreht“, sagt er. Fotos Sagmeister

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12. März 2020:

Haag - Vogel- und Naturschützer Karl-Michael Günsche hofft, dass es endlich gelingt, die nesttreuen Störche doch noch zu einem Umzug auf das Rathausdach zu bewegen. Denn ihr Stammsitz auf dem abbruchreifen Kamin der ehemaligen Gerberei Rößler soll Ende 2020 abgerissen werden.

Stammplatz auf dem Kamin ist gefährdet

Schon im vergangenen Jahr hatten die Marktgemeinde, die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Mühldorf, die Verwaltung des Haager Klinikums und die Kraftwerke Haag gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz den Störchen eine Zweit- und sogar Drittwohnung angeboten: auf einem ehemaligen Kraftwerkmasten nur wenige Schritte entfernt und auf dem Rathausdach. Doch die gefiederten Bürger von Haag zeigten sich als Sturköpfe – und beharrten auf ihrem Nest auf dem windschiefen Turm der ehemaligen Gerberei. Auch Versuche, sie von dort zu vergrämen oder ihr Nest abzubauen, blieben erfolglos: Die Störche flickten ihr Zuhause einfach wieder zusammen und weigerten sich, auszuziehen.

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Die Jugend scheint jedoch flexibler zu sein: Der 2019 geborene Nachwuchs, der jetzt aus dem Winterquartier heimkehrte, ist anscheinend eher bereit, das Angebot eines Standortwechsels doch ins Auge zu fassen. Wobei: Eigentlich bleibt den Jungvögeln gar nichts anderes übrig, denn das Nest auf dem Kamin ist von den Eltern besetzt.

Probe sitzen: Dem Storch gefällt`s. Wünsche/Bauer

Verliebt gegenseitig das Gefieder geputzt

Also nahmen die Jungen gestern das Ersatzzuhause auf dem Rathaus in Augenschein. „Die Anzeichen sind gut, dass sie das Nest annehmen“, interpretiert Vogelexperte Günsche ihr Flugverhalten. Mehrfach haben die Jungen schon probegesessen im Nest. Sogar Rangeleien um den Weidekorb hat der Natur- und Vogelschützer schon bei den Vieren beobachtet. Dabei müssten die Jungvögel gar nicht um das eine Nest streiten, denn es gibt ja nur wenige Meter entfernt gegenüber dem Krankenhaus ein weiteres.

Gewohnter Anblick in Haag: Adebar und Familie auf dem Kamin der ehemaligen Gerberei Rößler.

Haager Land Brutgebiet

Das Geklapper, das viele Haager schon gehört haben, könnte ein Hinweis darauf sein, dass sich bei den Vieren bis zu zwei Paare bilden werden. Verliebt haben sie sich schon gegenseitig das Gefieder geputzt – was nach Wünsches Beobachtungen auch notwendig ist, denn die Jungvögel sind total verdreckt von der langen Reise aus dem Winterquartier – vermutlich in Südspanien, vielleicht sogar in Afrika – nach Haag heimgekehrt.

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Die Strapazen der Reise haben die Alten erst gar nicht auf sich genommen. Sie haben gleich in Haag überwintert. Das milde Wetter und die schneefreien Wiesen rund um die Marktgemeinde haben ihnen auch während der kalten Jahreszeit ausreichend Nahrung geboten, so Wünsche.

Im Anflug: Adebar scheint das Nest auf dem Rathausdach anzunehmen.

Im Haager Land fühlen sich die Störche einfach wohl. Es ist als Brutgebiet kartiert, aufgrund einer engen Biotopvernetzung ein nachgewiesener guter Lebensraum für die Vögel. Auch der Tisch ist für Adebar reich mit der Leibspeise – den Mäusen, nicht wie oft vermutet den Fröschen – gedeckt. Auch in Hochhaus (Rechtmehring) sind Störche zu Hause. Wer schon da ist, wirkt wie ein Magnet auf andere, stellt Günsche immer wieder fest. Sehen die Vögel Artgenossen, gehen sie davon aus, dass es sich in diesem Gebiet gut leben lässt – und lassen sich ebenfalls nieder. Im Haager Land fühlen sich übrigens nicht nur die Störche wohl. Auch die Dohlen, die Günsche als „extrem soziale Vögel“ sehr schätzt, leben hier gerne – unter anderem am Haager Schlossturm.

Das Weidengeflecht, Grundlage für das Ersatznest auf dem Rathaus: Jetzt hofft Vogelschützer Karl-Michael Günsche, dass es den Störchen doch noch gefällt.

Im Haager Land fühlen sich die Störche einfach wohl

Jetzt hoffen die Bürger, dass sich mindestens ein weiteres Storchenpaar ansiedelt – etwa auf dem Rathausdach. Das Weidengeflecht als Nistgrundlage, angefertigt in den Werkstätten der Stiftung Attl, stellt eine gute Grundlage für ein Eltern- und Kinderzimmer dar, findet Günsche. „Ich hoffe, dass die Störche das Angebot annehmen und den neuen Standort akzeptieren. Das wäre wunderbar. Dann hätten sich die Mühen und Investitionen des letzten Jahres gelohnt.“

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