Flinker Kamerunschafbock „Bertl“ hält im Haager Forst Polizei und Tierarzt in Atem

Stand am 27. Juni, zwischen Schützen und Fahrnbach (Gemeindegebiet Maitenbeth) auf der B12 und hielt sich auch im Grünstreifen auf: ein Kamerunschafbock, der seit einigen Wochen gemeinsam mit einem Artgenossen durch den Haager Forst streunt. Sein Kollege wurde eingefangen und ist mittlerweile gut untergebracht. Dieser hier ist weiter im Wald unterwegs.
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Stand am 27. Juni, zwischen Schützen und Fahrnbach (Gemeindegebiet Maitenbeth) auf der B12 und hielt sich auch im Grünstreifen auf: ein Kamerunschafbock, der seit einigen Wochen gemeinsam mit einem Artgenossen durch den Haager Forst streunt. Sein Kollege wurde eingefangen und ist mittlerweile gut untergebracht. Dieser hier ist weiter im Wald unterwegs.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Ein ausgesetzter Kamerunschafbock streunt gemeinsam mit einem Artgenossen seit einiger Zeit durch den Haager Forst und passiert immer wieder die B12. Weil das eine Gefahr für den Verkehr ist, muss die Polizei die Tiere einfangen. Einer war so zutraulich, dass er sich mit Futter anlocken ließ. Den zweiten juckten nicht mal die Betäubungspfeile.

Maitenbeth – Ein Kamerunschafbock, der flinker ist, als die Polizei: Im Haager Forst hält das Tier gerade die Ordnungshüter und einen Tierarzt in Atem.

„Rinder, Schafe, Ziegen – wir hatten diverse tierische Einsätze an der B12 in der letzten Zeit“, sagt Gerhard Baum, Polizeichef in Haag auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen mit einem Schmunzeln.

Kamerunschafbock hat mehr Gewicht als Reh

Zuletzt ging es um einen sehr gerissenen Kamerunschafbock, der zusammen mit einem weiteren Artgenossen im Haager Forst umherstreifte und immer mal wieder auf der Bundesstraße stand. „So ein Tier hat mehr Gewicht als ein Reh. Wenn es einen Unfall gibt, ist das nicht ungefährlich“, so Baum weiter. Nun konnte man einen der beiden Böcke einfangen.

Einer der Böcke war treudoof

„Der war etwas treudoof und ist stehen geblieben“, sagt Baum lachend. Der andere sei gerissener und habe Fersengeld gegeben. Ein Bub aus Mittbach, der auf einem Hof wohnt, kennt die Böcke, hat sie in den vergangenen Wochen angefüttert und ihnen die Namen „Bertl“ und „Seppi“ gegeben. „Seppi“ war so zutraulich, dass er sich nun kürzlich von einer Tierfreundin aus Maitenbeth mit Futter anlocken und einfangen ließ. Nur „Bertl“ hatte darauf keine Lust.

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Polizeihauptkommissar Otto Trautmannsberger hat am Donnerstag, 25. Juni, gemeinsam mit Tierarzt Dr. Christian Brüser-Pieper als Altdorf und der Maitenbetherin versucht, das kluge Hausschaf einzufangen. „Es schüttete wie aus Kübeln und wir liefen ihm nach.

Tierfreundin lockte Bock mit Futter

Die Tierfreundin konnte den ,Bertl’ sogar anfüttern. Er blieb auch immer wieder stehen, ist aber dann doch abgehauen“, so Trautmannsberger. Die drei verfolgten den Bock eine Stunde im Regen durch den Wald über Stock und Stein – vergeblich. Der ,Bertl‘ war schneller. Der Tierarzt hatte das Betäubungsgewehr dabei und traf mit der „Distanzinjektion“ auch das Tier. Der erste Treffer juckte den ,Bertl‘ nicht sonderlich. „Er machte ihn zwar langsamer, aber hingelegt hat er sich nicht“, sagt der Tierarzt, „dann war er auf der Hut und ließ uns nicht mehr so nah ran“. Brüser-Pieper zielte noch einmal und traf. Der Bock lief weiter. Der dritte Pfeil schließlich brach ab.

Tierarzt hat vorsichtig dosiert

„Der verträgt scheinbar ganz schön was“, staunte Polizeihauptkommissar Trautmannsberger. Natalie Brüser-Pieper, die Frau des Tierarztes, erklärt auf Nachfrage, man müsse bei Schafen und Ziegen die Betäubung vorsichtig dosieren. „Wenn man überdosiert, können die Tiere sterben.“ Da man das Gewicht des Bockes nicht kenne, ihr Mann vorsichtig dosiert habe und der Bock durch die Aufregung wohl voller Adrenalin war, habe die Betäubung vermutlich nicht gewirkt. „Entlaufene Tiere reagieren unterschiedlich auf Narkosemittel und hier wird kein Standardnarkosemittel verwendet“, sagt Veterinärmediziner Christian Brüser-Pieper.

Nachgepirscht bis Hohenlinden

Weil „Bertl“ von den Pfeilen unbeeindruckt blieb und sich nicht müde auf den Boden legte, ging die Verfolgungsjagd durch den Haager Forst weiter. „Wir sind nachgepirscht bis Hohenlinden. An der Landkreisgrenze haben wir aufgegeben“, so Trautmannsberger, der sagt: „Der ,Bertl‘ ließ sich von mir leider nur fotografisch einfangen“.

Wurden die Tiere ausgesetzt?

Am Montag, 29. Juni, gingen wieder Meldungen bei der Polizei in Haag ein, dass der Kamerunschafbock, den so mancher Zeuge mit einer Ziege verwechselt, zwischen Straßmaier und Maitenbeth an der Straße gesichtet wurde. Wem die Tiere gehören, weiß man nicht. „Anzunehmen ist, dass sie ausgesetzt wurden, sonst hätte sich längst jemand gemeldet. Wir haben alle Jagdberechtigten gefragt, wer der Besitzer sein könnte“, sagt der Haager Polizeichef Gerhard Baum. Es handle sich um wertvolle Schafe, die standorttreu seien und vermutlich von jemandem aus der Gegend ausgesetzt wurden. Der eingefangene Kamerunschafbock sei mittlerweile gut untergebracht.

Der Tierarzt und die Tierfreundin aus Maitenbeth sind in Kontakt. „Ich hab das Betäubungsgewehr im Auto, wenn der ,Bertl‘ gesichtet wird, fahr ich los. Dieses Mal mit einer etwas höheren Dosierung.“

Vermutlich wird dieser Hornträger die Polizeidienststelle noch länger auf Trab halten. Nach ihm wird nun weiterhin steckbrieflich nach dem Motto „wanted, but only alive!“ gefahndet.

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