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FORTBILDUNG

Feuerwehrler aus dem Kreis Erding sind gut gerüstet – auch für die Prävention von sexueller Gewalt

Feuerwehrler des Kreisfeuerwehrverbands Erding ließen sich zum Thema „sexueller Missbrauch“ schulen. Unser Foto entstand im Feuerwehrgerätehaus Dorfen.
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Feuerwehrler des Kreisfeuerwehrverbands Erding ließen sich zum Thema „Prävention von sexuellem Missbrauch“ schulen. Unser Foto entstand im Feuerwehrgerätehaus Dorfen.
  • Petra Maier
    VonPetra Maier
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Ein brisantes Thema hatte sich der Kreisfeuerwehrverband Erding zur Fortbildung seiner Feuerwehrleute ausgewählt: Es ging um die Prävention von sexueller Gewalt in der Jugendarbeit. Das richtige Rüstzeug zu diesem Thema gab ihnen Referentin Yvonne Oeffling, vom Münchner Verein „Amyna“.

Isen/St. Wolfgang – Sexueller Missbrauch ist nach wie vor ein Tabuthema. „Was nicht sein darf, kann nicht sein“ – ist eine Haltung, auf die der Verein „Amyna“ aus München immer wieder stößt, wenn er Projekte betreibt, in denen es um die Prävention von sexueller Gewalt in der Jugendarbeit geht. Ganz offen stellten sich die Feuerwehrleute aus dem Kreisfeuerwehrverband Erding dieser besonders wichtigen Fortbildung. Der Kreisfeuerwehrverband Erding setzte bei dieser Fortbildung auf die Kompetenz der Referentin Yvonne Oeffling, vom Geschäftsführungsteam des Münchner Vereins „Amyna“, der sich seit 1989 für die Prävention von sexuellem Missbrauch einsetzt. Teilnehmer aus 20 Ortsfeuerwehren nutzten diese Chance zur Weiterbildung in Dorfen und Niederding, darunter auch Feuerwehrmänner aus Isen und St. Wolfgang.

Sexuelle Gewalt „denkbar kriegen“

Ganz wichtig sei, so die Referentin im Gespräch mit unserer Heimatzeitung, dass die Menschen, die mit Jungen und Mädchen Jugendarbeit leisten, das Thema sexuelle Gewalt erst einmal „denkbar kriegen“. „Manche können sich sexuelle Übergriffe in ihrer näheren Umgebung gar nicht vorstellen, nach dem Motto ‚Was nicht sein darf, kann nicht sein‘“, beschreibt sie. Solchen „blinden Flecken“ in der Wahrnehmung könne man jedoch durch fundierte Information gut entgegenwirken.

Das bestätigt auch Kreisbrandinspektor Andreas Pröschkowitz, stellvertretender Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Erding. In den Feuerwehren, speziell auch in den Jugendfeuerwehren, benötige die Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen besondere Vertrauensbeziehungen. Gerade in der Jugendarbeit seien Situationen der Nähe für die Arbeit oft zentral und wichtig, macht er deutlich.

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„Leider kann hier der Missbrauch der professionellen Beziehung durch Erwachsene nie ganz ausgeschlossen werden. Kinder und häufig auch Jugendliche können sich meist nicht allein schützen. Umso wichtiger, dass Kommandanten, Jugendwartinnen und Jugendwarte mit ihrer großen Verantwortung richtig umgehen können“, so Pröschkowitz.

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Ziel sei es, mit der Einführung eines Schutzkonzepts dauerhaft den Schutz von Kindern und Jugendlichen in den (Jugend-)Feuerwehren und Kindergruppen zu verbessern und dadurch ein „Puzzleteil“ zur Prävention beizutragen.

Die Referentin aus München stimmt zu: „Die Feuerwehrler können für Jugendliche Schutzort und Kompetenzort zugleich sein.“ Das bedeute beispielsweise, dass sich die Kinder bei der Feuerwehr sicher bewegen können. „Bei der Ausgabe der Feuerwehrkleidung beispielsweise steht die Tür beim Anziehen immer offen“, schlägt Oeffling vor. Oder beim Zeltlager wird das Kind mit Heimweh auf keinen Fall im Bett getröstet, sondern andere Erwachsene werden dazu geholt, Mama oder Papa werden angerufen und eine heikle Situation auf diese Weise von vornherein verhindert.

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Ein Kompetenzort könne die Feuerwehr sein, wenn die Verantwortlichen, die oft sehr hohes Vertrauen ihrer jugendlichen Schützlinge genießen, auch in den Fällen helfen können, in denen ihnen Übergriffe auf ihre Schützlinge berichtet werden.

„Vertraut Ihnen ein Kind seine Probleme an, dann sollte der Feuerwehrmann die Ängste des Kindes wahrnehmen, es trösten und weitere Hilfe suchen“, beschreibt die Referentin die richtige Vorgehensweise.

Nicht lügen – sondern weitere Hilfe suchen

Niemals sollte sich der erwachsene Vertraute selbst in die Bearbeitung des Problems begeben. „Das kann er gar nicht“, warnt Oeffling. Ein guter Weg sei dagegen, sich bei einer Erziehungsberatungsstelle Hilfe zu suchen. Den Kindern sollte man deshalb auch auf keinen Fall versprechen, dass man mit niemanden darüber reden würde. Das sei einfach falsch und gelogen. Vielmehr solle man den Kindern sagen, dass man ihnen helfen werde und dazu weiter Helfer alarmieren müsse.

Im Anschluss an die Vorträge nutzten die Feuerwehrler die Gelegenheit, weitere Fragen an die Referentin zu stellen. Dann folgte bei der Schulung die Anwendung des erlernten Wissens mit der Bewertung der vorhandenen und erforderlichen Maßnahmen anhand einer Checkliste sowie die Festlegung der drei nächsten Schritte zur (Weiter-)Entwicklung eines Schutzkonzeptes. „Die Teilnehmer waren begeistert von der Praxistauglichkeit der Veranstaltung“, so Kreisbrandinspektor Pröschkowitz.

Der Verein „Amyna“

„Amyna“ war einer der ersten Vereine auf Bundesebene, der schon damals die Wichtigkeit der Verantwortungsübernahme von Erwachsenen beim Schutz von Kindern einforderte. Seit 2013 bietet der Verein auch außerhalb Münchens die Beratung von Trägern bei der Entwicklung von Schutzkonzepten an, Inhouse-Qualifizierungsangebote für Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, Schulen und Einrichtungen der Behindertenhilfe und zeitlich befristete Präventionsprojekte. Mehr unter www.amyna.de

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